Israeltagebuch

25.01.2006 um 13:32 Uhr

Oekumenische Reise nach Israel, 25. April-7. Mai 2000

von: Abeli

Oekumenische Reise nach Israel, 25. April-7. Mai 2000:

Tagebuch über eine spannende Zeit  

                                                          

Dienstag, 25. April: 1. Tag

 

Am Morgen um 08.00 Uhr treffe ich am Bahnhof Birmensdorf drei Mitreisende. Gemeinsam fahren wir mit dem Zug nach Zürich. Bereits unterwegs entwickeln sich angeregte Gespräche. In Zürich angekommen, begeben sich meine drei Begleiter/innen schon zum Gleis, auf welchen der Zug Richtung Flughafen fahren wird. Unterdessen mache ich noch schnell einen Abstecher zum Fotogeschäft, wo ich noch etwas erledigen muss. Ich will ja schliesslich auf der Reise keine Unannehmlichkeiten mit meiner Kamera haben!

 

In  Kloten angekommen, stossen wir schnell einmal auf einige andere Mitglieder der Gruppe. Die Stimmung ist fröhlich, und alle sind gespannt auf das, was da kommen mag. Immer wieder gesellen sich neue Menschen zu uns, und überall werden Hände geschüttelt.

 

Schliesslich sind wir vollzählig – nur der Herr des Reiseunternehmens (er hat alle unsere Flugtickets!) kommt zu spät. Wie uns durch eine Flughafenangestellte mitgeteilt wird, steckt er wegen eines Unfalls im Stau. Zum Glück taucht er wenig später doch auf.

 

Wir alle überstehen den nun folgenden Sicherheitscheck relativ locker und sitzen schliesslich bequem im Flugzeug. Dieses startet mit 40 Minuten Verspätung um 12.10 Uhr. Der Flug verläuft bis auf wenige Turbulenzen angenehm. Nach einiger Zeit werden uns Fleisch, Kartoffeln und Peperoni serviert. Das Essen hält uns einige Zeit beschäftigt. Auch der anschliessend gezeigte Film trägt zum Zeitvertreib bei.

 

Die Stunden vergehen schnell, und endlich erreichen wir Tel Aviv. Am Flughafen verläuft die Einreise relativ glimpflich. Wir werden nur kurz mit Fragen zu den Gründen unseres Kommens aufgehalten und kommen ohne Umstände zu unserem Gepäck. Wir werden von einer zackigen Dame empfange, welche sich zu unserem Amusement erkundigt, wer von uns denn nun „Mr. Aesch“ sei. Welch ein Gelächter! Der Irrtum ist rasch geklärt, doch bleibt unser Reisebus fortan mit „Gruppe Aesch“ angeschrieben, während andere Busse mit dem Familiennamen des Gruppenleiters versehen sind!

 

Nun nehmen wir im Bus unsere Plätze ein. Wir werden begrüsst von unserem Reiseleiter, Karl Walter. Er ist jung und wirkt sympathisch. Schon auf der Fahrt nach Bat Yam gibt er uns Einblick in sein enormes Wissen, indem er uns Interessantes zur Umgebung erzählt, die wir durchfahren. Zwischendurch erheitert er uns mit lustigen Sprüchen – und das alles auf deutsch!

 

Speziell am heutigen Tag ist, dass es der Vorabend des letzten Tages des Passah-Festes ist. Dieser Zeitpunkt gilt als besonders feierlich und gibt Anlass zum Festen.

Karl trägt einen sehr schönen Anzug. Das erklärt er mit „Mutterzwang“ (Welcher normale Mensch würde sich bei dieser Hitze schon so kleiden?!). Von dieser Mutter und ihrem Einfluss auf die gesamte Familie werden wir in der Folge immer wieder hören!

 

Im Hotel angekommen, werden wir auf einen Schlag in eine ganz andere Welt hineingezogen. Wir sehen viele jüdische Menschen, die ausgelassen Feiern. Wir staunen über ein Kerzenmeer, welches Kinder zur Feier des Abends entzündet haben und nehmen die orientalisch anmutende Atmosphäre gierig in uns auf.

Nach kurzer Erfrischungspause (die Koffer werden uns auf die Zimmer gebracht) treffen wir uns in einem riesigen Speisesaal zu unserem ersten israelischen Nachtessen. Inmitten von Menschen jeglicher Nationalität bedienen wir uns ausgiebig. Es wird ein reichhaltiges Buffet mit allerlei Gemüsen und knackigen Gurken geboten. Beim zweiten Gang haben wir die Wahl zwischen Poulet, Fisch und Rindfleisch. Zum Schluss winken viele gluschtige Desserts!

 

Beim Essen berichtet Karl u.a. über die unterschiedliche Bedeutung von Synagogen in Jerusalem und Zürich. So erklärt er, dass Synagogen in Zürich eher als Ort der Zusammenkunft dienen und der religiöse Aspekt nicht unbedingt im Vordergrund steht. Wohingegen die Ausübung des Glaubens in israelischen Synagogen viel mehr bedeutung habe. Weiter erklärt er uns, wie wichtig es für eine jüdische Familie sei, ihren Nachkommen eine ausgezeichnete Bildung zu bieten. Sie ist bereit, alles dafür auszugeben und stellt anderes zu diesen Gunsten weit zurück. Interessant finde ich ausserdem die Information, dass das Jüdisch-Sein ausschliesslich durch die Mutter weitergegeben wird. Die Kinder einer nicht-jüdischen Frau mit jüdischem Ehemann geltern nicht als Juden! (Auch hier zeigt sich die schon vorher angesprochene Wichtigkeit der Frau).

 

Etwas später treffen wir uns in einem separaten Raum. Jede/r stellt sich vor und erläutert in kurzen Worten seine Motivation zu dieser Reise. Ich finde es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Beweggründe doch sind! Diese Runde steht unter dem Motto eines Zitats aus der Genesis: Da sagte der Herr zu Abraham:“Verlass deine Heimat, deine Sippe un d die Familie deines Vaters, und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!“ (Genesis 12, 1). Für jede/n von uns heisst das ebenfalls: „Mach dich auf ...!“ Ich spüre an dieser Stelle ganz fest, dass unserer gemeinsame Reise nun beginnt!

 

Mit einigen anderen zusammen beschliesse ich diesen ereignisreichen Tag mit einem Spaziergang am Strand. Besonders lauschig ist dieser Ort nicht, und es weht ein relativ kühler Wind – doch nach der langen Reise tut diese Erfrischung gut!

Nachdem wir zurückgekommen sind, lasse ich das bunte Treiben in der Hotelhalle noch eine Weile auf mich wirken, bevor ich mich endlich ins Zimmer zurückziehe, welches ich mit Frieda teile.

 

Mittwoch, 26. April: 2. Tag

 

Nach einem reichhaltigen Morgenessen begeben wir uns zum Car. Karl treibt uns scherzhaft zur Eile an: „Kadima, kadima! (Vorwärts! Vorwärts!)“. Dies werden wir in den kommenden Tagen noch oft zu hören bekommen. Als wir alle unsere Plätze eingenommen haben, begrüsst er uns offiziell mit „Boker tov! (Guten Morgen!)“ und bringt uns auch gleich bei, womit man darauf antwortet: „Boker or! (Gutes Licht!)“. Dieses allmorgendlich wiederkehrende Ritual gefällt mir. Unsere Route führt uns zunächst von Tel Aviv nach Yafo (Jaffa), der Überlieferung nach der ältesten Hafenstadt der Welt und heute Vorort der Metropole. Wir hören die Geschichte von Abraham, der seinen Sohn Isaak hätte opfern sollen, und von dessen Sohn Jakob. Dazu sehen wir eine Statue, die diese Geschichte bildlich darstellt.

 

Und weiter geht es nach Haifa, der drittgrössten Stadt Israels. Sie erstreckt sich über die Hänge des Karmel und dehnt sich in der Ebene rund um den Hafen aus. Hier legen wir einen kurzen Halt ein. Wir sehen die Stadt von oben und blicken auf die goldene Kuppel des Baha’i-Tempels, der in einer wunderschönen Gartenanlage liegt. 


 


In Haifa, bekannt für seine religiöse Toleranz,  hat das Weltzentrum der Bahai eine angemessene Heimstatt gefunden. Der Bahaismus, eine noch relativ junge Religion,  versteht sich als eine Abspaltung vom Islam und lehrt die Einheit aller Weltreligionen. Bahai glauben, Moses, Jesus, Buddha und Mohammed hätten im wesentlichen die gleiche Botschaft verkündet. Die Glaubensbewegung, welche ihren Ursprung in Persien hat, hat heute weltweit etwa 5 Millionen Anhänger. Für sie gibt es nur einen Gott, und sie glauben, in den Weltreligionen manifestierten sich nur einzelne Szenen dieser Gottesexistenz. Zu den Lehren des Bahaismus gehören unter anderem die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Eliminierung extremer Armut und extremen Reichtums, universelle Bildung und Harmonisierung von Wissenschaft und Religion.

 

Auf der anschliessenden Fahrt kommen wir nach Cäsarea, einer antiken Stadt und Kreuzfahrerstadt. Wir begegnen aber nicht nur Steinhaufen, sondern können neben wunderschönen Säulen mit kunstvoll gearbeiteten Kapitellen auch ein Theater und ein Amphitheater bewundern. Für mich ist die Erklärung des Unterschieds zwischen einem Theater (halbrund) und einem Amphitheater (zwei Halbrunde, da amphi (griechische Vorsilbe) = um-herum, ringsum, beid ..., doppel...)  neu (oder habe ich das vergessen?) und interessant.

 

Im Amphitheater hören wir die Geschichte von Elias und König Ahab. Ich geniesse das Zuhören. Im Geist entschwebe ich in die geschilderte Welt und lebe mit den farbigen Bildern, die vor meinem inneren Auge auftauchen. Irgendwie berührt es mich, die Geschichte direkt am Ort des Geschehens erzählt zu bekommen! (Im weiteren Verlauf der Reise wird das noch öfter der Fall sein)


 

Als nächste Station erreichen wir den Berg Muchraka, auf welchem das Karmeliterkloster St. Elias steht. Nach der Überlieferung vermutet man hier die Stelle, wo der Prophet Elias im Streit mit den Baalspriestern einen Altar errichtete (1. Buch der Könige 18, 30). Dies geschah so zur Regierungszeit von König Ahab (874-853 v. Chr.). Dieser kam im Krieg gegen Damaskus um 853 v. Chr. Ums Leben. Er hatte eine Frau aus Thyrus zur Gattin, Jezebel, die fremden Kulten sehr verbunden war. Für die Gläubigen des Landes war  dies unhaltbar. Sie sahen in ihr  das Schlechte und Böse. Elias’ Mission war es, die Verehrung fremder Götter zu unterbinden und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Schliesslich es darum zur Konfrontation zwischen ihm und König Ahab.

   

 

Statue des Propheten Elias auf dem Berg der Seligpreisungen

 


 

Zum Mittagessen fahren wir hinauf in das kleine Drusendorf Usafia (Isfiya). „Usafia“ bedeutet übersetzt etwa „ungeschützt“. Wir als Gruppe füllen die Stube unserer Gastfamilie fast vollständig aus. Es werden Platten mit köstlichen Speisen, kalt und warm, herumgereicht. Die verschiedenen Pizze, gefüllten Zucchini und der gewürzte Quark schmecken uns hervorragend! Beim Essen hören wir gebannt dem Hausbesitzer zu, der das Leben und die Glaubensgrundsätze ausführlich beschreibt.

 

 

Drusin beim Brotbacken

 

Da er selbst über längere Zeit in Deutschland gelebt hat, kann er uns diesen Vortrag in fliessendem Deutsch halten. Er spricht unter anderem Themen wie Politik, Heirat und Familienleben an. So verstehen sich die Drusen als eine Art islamische Sekte. Sie leben in eigenen Dörfern und heiraten ausschliesslich untereinander. Wer doch ausserhalb des Dorfes einen Partner findet, muss die grosse Gemeinschaft verlassen! Die Worte des Mannes erwecken in mir den Eindruck, die Drusen seien eigentlich eine recht friedliche kleine Gesellschaft. Darin sehe ich mich bestätigt, als ich höre, dass die Drusen die Regierungsform in Israel akzeptieren und ohne Probleme neben den Juden in der israelischen Armee dienen. Irgendwo lese ich später, dass die Drusen ihrem jeweiligen Heimatland treu sind. So kann es vorkommen, dass sich z.B. ägyptische und israelische Drusen im Kampf gegenüberstehen!

 

Beim Gang zur Toilette habe ich ganz kurz Gelegenheit, den Rest des Hauses zu besichtigen. Besonders frappierend ist, dass der Schlafraum fast ganz leer ist. An der Wand sehe ich aber einige Matratzen angeleht, und auf einem Schrank entdecke ich ebenfalls noch einige. Es wird klar, dass der Raum tagsüber zum Leben benutzt und nur für die Nacht zum Schlafzimmer umfunktioniert wird. Das Haus ist eben einfach und zweckmässig gebaut.

 

Etwas später am Nachmittag fahren wir nach Akko. Diese antike, ehemals türkische Stadt wurde über einer noch älteren Stadt aufgebaut. Sie wirkt etwas kahl und nicht sehr lebendig. Dies ändert sich aber, als wir in den Basar kommen. Hier herrscht ein emsiges Treiben, und wir können uns der vielfältigen Angebote kaum erwehren.

 

Nach diesem Abenteuer fahren wir hinauf auf den Berg Arbel. Die Fahrt im Bus verläuft – wie immer – zum einen informativ, zum anderen lustig. Es ist einfach unglaublich, was wir von Karl alles lernen können. Seine Vorträge sind alles andere als langweilig. Sie sind gespickt mit Scherzen (wir bekommen einen ersten Einblick in den jüdischen und jiddischen Humor) und Erzählungen aus seiner Familie. Ich schätze es sehr, einen so persönlich gefärbten Bericht zu hören und bin auch dankbar für Karls offene Stellungnahmen zu den verschiedensten Themen.Vom Berg Arbel aus geniessen wir den herrlichen Blick auf den See Genezareth, wo unsere nächste Station sein wird. Im Hintergrund erheben sich die Golanhöhen, welche wir an einem der nächsten Tage ebenfalls besuchen werden. Erwähnenswert an dieser Stelle ist, dass wir uns auf Meereshöhe befinden. Von hier aus geht es also nur noch abwärts!

 

Zur Nachtessenszeit treffen wir im Kibbuz-Hotel von Ma’agan ein. Rechtschaffen müde setzen wir uns im Speisesaal zu Tisch und geniessen wiederum ein reichhaltiges, feines Essen. Danach können wir uns in unseren Zimmern etwas häuslich einrichten. Wir werden ja einige Tage an diesem schönen Ort bleiben! Mit dem Eindunkeln unternehmen einige von uns noch einen kurzen Spaziergang zum Seeufer hinunter. Im eher kalten Nass erfrischen wir unsere müde gewordenen Füsse.

 

 

Abendstimmung am See Genezareth

 

Am Ende dieses Tages darf ich gerne sagen, dass ich mich ausgesprochen wohl fühlen. Es kommt mir vor, als hätte ich an einem einzigen Tag so viele Eindrücke in mich aufgenommen wie normalerweise in einer Woche! Ich freue mich schon auf den nächsten Morgen!

 

Donnerstag, 27. April: 3. Tag

 

Schon bald nach dem Frühstück fahren wir nach Tiberias. Neben Jerusalem, Hebron und Safed gilt der Ort als heilige Stadt der Juden. Heute ist sie ein religiöses Zentrum und Naherholungsgebiet zugleich. Die Stadt liegt ebenfalls am See Genezareth und ist innert kurzer Zeit erreichbar. In einem speziell errichteten Zentrum treffen wir einen jüdisch-messianischen Christen, den ältesten seiner Gemeinde und seines Amtes Gemeindeleiter. Er präsentiert uns zunächst eine eindrückliche Tonbildschau mit dem Titel „Erlebnis Galiläa“. Anschliessend erzählt er uns von der Entstehung und vom Wirken seiner Gemeinde „Peniel“ (was soviel bedeutet wie „Ort der Verwandlung“). Die Gemeinde ist – wie alle Gemeinden dieser Art – noch relativ jung. Sie ist Ende 1978 in Form einer Hausgruppe entstanden und hat sich bis heute stark vergrössert.

 

Messianische Juden werden auch Judenchristen genannt. Unter Judenchristen  versteht man im allgemeinen Christen, die als Juden geboren wurden und auch als Christen ihr jüdisches Erbe weiterhin bewahren. Die Judenchristliche Allianz (eine überkonfessionelle Organisation, in der christusgläubige Juden Gemeinschaft untereinander haben) definierte 1957 das Judenchristentum folgendermaßen: Bei Judenchristen handelt es sich um Menschen jüdischer Herkunft, die an Jesus Christus als den Messias Israels und ihren persönlichen Heiland glauben und auch ihre Zugehörigkeit zum alten Gottesvolk nach der Taufe bejahen. Wichtig bei den messianischen Juden ist also einerseits der Glaube an Jesus Christus, den Messias Israels, andererseits ein bewusstes Wahrnehmen der jüdischen Identität.

 

Beim Bericht des Gemeindeältesten musste ich unweigerlich and die Freie Christengemeinde denken, in welcher Freunde von mir Mitglied sind. Er hat einiges berichtet, was ich in der FCG auch schon beobachtet habe. Der Bericht von seinem Wirken beeindruckt mich insbesondere, weil ich mir vorstellen kann, wie schwierig es ist, in einem Land, das ganz tief vor allem vom jüdischen Glauben, daneben aber auch von zahlreichen anderen Glaubensrichtungen geprägt ist, gerade diese Glaubensrichtung auszuleben. Seine Worte machen deutlich, dass es für die jüdischen Christen nicht einfach ist, anerkannt zu werden. Sie sind so zu sagen ein Zwischending zwischen Christ und Jude und gehören auf keiner Seite richtig dazu. Ich finde es schön zu sehen, mit wieviel Mut und Zuversicht und mit wieviel Glauben die Gemeinde weiter an sich arbeitet. Der Besuch hier löst zum Teil heftige Diskussionen aus und macht irgendwie auch nachdenklich. Viele Fragen bleiben offen.


 

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Verkaufsraum des Zentrums – einige aus der Gruppe erstehen hier bereits die ersten Andenken und Mitbringsel – machen wir uns auf zum Berg der Seligpreisungen. Auf diesem Berg hat Jesus die Bergpredigt gehalten. Heute wandelt man zuoberst in einem wunderschönen Park. Welch eine Pflanzenpracht! In den buntesten Farben stehen verschiedenste Blumen und Sträucher in voller Blüte. Und mitten darin liegt die Kirche der Seligpreisungen (Beatitudenkirche). Von dem Säulenumgang des Achteckbaus bietet sich ein prächtiger Ausblick auf den See Genezareth. Uns allen gefällt es sehr hier.

 

 

Die Beatitudenkirche steht an einem herrlichen Ort

 

 

Auf der abfallenden Seite des Hügels finden wir ein lauschiges Plätzchen, wo wir es uns bequem machen. Hier hören wir den Ausführungen von Thomas zu diesem Ort zu. So sind die acht Seiten der Kirche sind, wie lateinische Inschriften im Inneren erläutern, je einer der Seligpreisungen gewidmet, die Jesus am Anfang der Predigt (Matthäus 5, 3-10) über die geistlich Armen, die Leidtragenden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit Hungernden, die Barmherzigen, die Menschen reinen Herzens, die Frieden Stiftenden und die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten aussprach. Die Kuppel der Kirche dagegen symbolisiert die neunte Seligpreisung (Matthäus 5, 11-12), mit der Jesus sich direkt an die um seinetwillen Verfolgten wandte: “Es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden“.

 

Wie sich später herausstellt, haben wir Glück gehabt: Das Törchen zur Laube, unter der wir uns zusammengefunden haben, war nur zufällig offen. Der Platz sollte eigentlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein! Anschliessend an den kurzen Vortrag von Thomas kommen wir irgendwie plötzlich auf den Davidsstern, das Symbol der Juden, zu sprechen. Karl erzählt uns, wie das Volk der Juden zu diesem Zeichen gekommen ist. Wir hören, dass sich die früheste bekannte Darstellung des „Magen David“ (eigentlich: Schild Davids)  als speziell jüdisches Symbol auf dem offiziellen Emblem der jüdischen Gemeinde in Prag im 17. Jahrhundert findet. Er wurde der Gemeinde vom damaligen deutschen Kaiser als Anerkennung vergeben und diente schon damals als Symbol nationalen Stolzes. Durch die Verbreitung auf Briefsigeln etc. wurde er rasch populär. Juden von Wien nahmen ihn um 1655 als Symbol für ihre Gemeinde an, und nach ihrer Vertreibung aus der Stadt im Jahr 1755 nahmen sie ihn mit in andere Städte Mitteleuropas. Danach dauerte es nicht lange, bis der Davidsstern als Motiv in synagogalen Ornamenten auftauchte. Seit der Staatsgründung Israels 1948 ist er auf weissem Hintergrund Symbol auf der Nationalflagge. Die beiden Streifen darüber und darunter symbolisieren zwei Gebetsriemen. Ganz ursprünglich aber findet man Hinweise auf den „Schild Davids bzw. Schild Salomos“ und seinen Gebrauch bei okkulten Handlungen in nichtjüdischen Quellen.

 

Mir gefällt, dass wir die Fragen, die uns auf der Zunge brennen, direkt am Ort stellen können und sofort auch eine kompetente Antwort darauf bekommen. Es ist eindrücklich, die verschiedenen wichtigen Orte – für mich Orte, die enorm viel Kraft ausstrahlen – selber zu erleben.

 

Anschliessend spazieren wir auf dem Pilgerweg hinunter zur Petrus-Kapelle, einem oktogonalen Bau. Wir wandeln inmitten von Feldern mit wildem Senf und vielen anderen Pflanzen. Wir werden ganz ruhig und geben uns mehrheitlich unseren eigenen Gedanken hin. Diese Stelle erlebe ich wiederum als Ort mit enormer Kraft. Bevor wir die Petrus-Kapelle sehen, besichtigen wir in Tabgha die Kirche der Brotvermehrung. Diese Kirche ist vor allem für Katholiken von grosser Bedeutung. Sie gehört den Benediktinern und wurde 1936 fertiggestellt. Sie erinnert an die biblische Geschichte, in der Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Mensche speiste – das Wunder der Brotvermehrung. Hier verweilen wir in Stille. Und plötzlich erheben wir unsere Stimmen und singen gemeinsam „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn!“. Akustisch ein herrliches Erlebnis!


Die damit verbreitete Stimmung berührt mich. In Kapharnaum angekommen,  besichtigten wir die Fundamente der Jesus-Synagoge. Die erste Schicht stammt aus dem 1. Jahrhundert, eine zweite, darübergebaute, aus dem 3. Jahrhundert.

 

Am Mittag bekommen wir Petersfische mit Kartoffeln vorgesetzt. Die Fische liegen unzerlegt vor uns auf den Tellern, und wir tun uns mit dem Besteck etwas schwer. Schmecken aber tut der Fang aus dem See Genezareth ausgezeichnet. Ich gebe den Tip weiter, dass auch die Schwanzflosse geniessbar sei (das ist aber auch so!). Schliesslich hat keine/r mehr etwas auf dem Teller, und wir sind mehr als satt. Dennoch lassen wir uns zum Nachtisch einige reife Datteln direkt vom Baum schmecken. Die schmecken halt schon anders als die Früchte, welche man bei uns in den Läden kaufen kann. Natürlich trägt auch die schöne Umgebung zum besonderen Genuss bei.

 

Das Nachmittagsprogramm müssen wir aus organisatorischen Gründen etwas anders als geplant durchführen. So findet heute die Begegnung mit dem jüdischen Siedler Herr Goldstein aus der Schweiz auf den Golan-Höhen statt. Dieser freut sich darüber, mit uns wieder einmal schweizerdeutsch sprechen zu können (er ist im Kanton Bern aufgewachsen und später nach Basel gezogen, wo heute noch ein Teil seiner Familie lebt). Er zeigt uns die Synagoge (hebräisch: bet ha-knesset: Haus der Versammlung, Zusammenkunft) seines Dorfes, Ramat Marchimim. Darin sehen wir eine Photographie einer jungen Frau aufgehängt und erfahren, das sie an dieser Stelle von den Syrern erschossen worden war. Wiederum kann ich mein Wissen mit wertvollen Informationen erweitern:

 

Die Golan-Höhen sind ca. 15 km breit und erstrecken sich über eine Länge von 30 km. Wir hören einiges über den Konflikt, der zwischen Syrien und Israel schwelt, und der im beidseitigen Besitzanspruch der Golanhöhen seinen Ursprung hat. Israel hat dieses Gebiet 1967 an Syrien verloren. Der Golan bietet freien Blick ins Feindesland, und er ist Siedlungsraum! Dennoch haben sich die Juden auf diesen kargen Landstreifen niedergelassen, haben ihn bebaut und fruchtbar gemacht und haben sehr viel Arbeit und Mühe dafür investiert. Heute findet man auf in diesem autonomen Gebiet 35 Siedlungen, 5 davon drusisch, und es leben hier insgesamt etwa 18000 Menschen. Ich erfahre, dass die Golanhöhen im Falle einer Abtretung an Syrien in Kürze zu Grunde gehen würden, weil Syrien eines der ärmsten Länder der Welt ist und ihm die Mittel zur Aufrechterhaltung des derzeitigen Zustandes schlicht fehlen würden. Wir spüren die Ungewissheit fast hautnah, als der Siedler uns berichtet, dass nach den langen Jahren der Funkstille zwischen Israel und Syrien verhandeln Israel und Syrien wieder über Wege zu einer normalen Nachbarschaft - ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne Dauerstreit um Wasser und Land – verhandelt wird. Beide Seiten hoffen zwar auf eine friedliche Einigung, doch sind mehrere Unsicherheitsfaktoren im Spiel, wie zum Beispiel die Frage, ob die Abmachungen von Seiten von Syrien bei einem allfälligen Regierungswechsel wohl eingehalten würden.

 

Mich hätte die Antwort des Siedlers auf die Frage interessiert, warum er sich in Israel zunächst im ruhigen Tiberias niedergelassen hat und später in die Golanhöhen hinauf gezogen ist, wo das Leben doch wirklich unsicher ist. Liegen seine Gründe für diesen Schritt vielleicht im Kampf für die Sache oder in der Solidarität mit den anderen dort ansässigen Siedlern? Leider bleibt uns nicht mehr allzu viel Zeit. Nach einer kurzen Stärkung bei Getränken und israelischen Guetzli müssen wir uns bereits wieder auf den Heimweg machen.

 

Auf der Fahrt wird mir bewusst, dass wir uns hier eigentlich schon auf einem explosiven Pulverfass bewegen. Es wird uns zwar während unseres Aufenhalts hier nichts passieren, doch werden wir immer wieder Berichte hören und Situationen erleben, die uns zeigen, wie knapp unter der Oberfläche riesige Konflikte schwelen.


 

Mit einem Schiff, das einem aus der Zeit Jesu nachgebaut ist, fahren wir über den See Genezareth zurück. Das Seebecken ist zwar mit Süsswasser gefüllt. In den Tiefen des Gewässers findet man jedoch auch einige Salzquellen! Die Fahrt ist friedlich und erholsam. Wir bekommen ein Gläschen Anisschnaps. Aus der Gemütlichkeit heraus stimmen wir verschiedene Lieder an und geniessen das Zusammensein.

 

Nach dem Abendessen sitzen wir zu dritt auf Stühlen im noch seichten Wasser des Sees und lassen unsere Füsse im kühlen Nass baumeln. Bei angeregter Diskussion blicken wir gemeinsam auf die Geschehnisse des Tages zurück. Ein schöner Abschluss!

 

Freitag, 28. April: 4. Tag

 

Heute um 17 Uhr beginnt der jüdische Sabbat. Wir müssen daher unser Programm wiederum geringfügig ändern, um nicht etwa plötzlich vor verschlossenen Türen oder Läden zu stehen. So reisen wir zunächst nach Kursi (Korazim). Hier hat Jesus einen Besessenen Schweinehirt geheilt, indem er dessen kranken Geist in dessen Schweine getrieben hat. Die Schweine stürzten sich hierauf in wilder Raserei von den Klippen in den See Genezareth (Lukas 8, 26-39, Matthäus 8, 28-34, Markus 5, 1-20). Wir besichtigen zahlreiche Ausgrabungen. Unter anderem sehen wir die erste byzantinische Kirche, die als solche anerkannt wurde. Sie war ein sicherer Ort, an dem sich Brüder aller Orden versammeln konnten. Thomas vermittelt uns Wissenswertes darüber. Nachdem mich das Thema bereits während meiner Ausbildung zur Bibliothekarin interessiert hat, höre ich auch hier gespannt zu. Die Orden (das Wort „Orden“ kommt vom lateinischen „ordo, - inis“ und bedeutet etwa Befehl oder Auftrag) können auf einfachste Weise folgendermassen definiert werden:

 

Ø      Benediktiner: Sie bewahren/hüten das Wissen (in Büchern etc.)

Ø      Franziskaner: Sie bringen das Wissen unter alle Schichten des Volkes

Ø      Dominikaner: Sie sind die „stillen Beobachter“

 

 

Mit einem „Gebetsstein“ schreiben wir Bibelverse in den Sand

 

Hierauf fahren wir weiter nach Qasrin, einer weiteren Ausgrabungsstätte und ehemals streng talmudischen Stadt. Alt-Qasrin ist heute so aufgemacht wie bei uns etwa das Freilichtmuseum Ballenberg. Hier besichtigen wir die Synagoge und ein Wohnhaus aus der Antike. Mich beeindrucken die vielen erhaltenen Gerätschaften und die Raumeinteilung des Hauses (zweigeschossig, Schlafzimmer im oberen Bereich). Wir sehen ausserdem einen Film über den Gerichtsfall des Rabbi Eliezer dem das Gesetz des Talmud zugrunde liegt. Für mich persönlich ist dieser Film nicht ganz  verständlich, weil mir der Talmud natürlich fremd ist. Ist es wohl den anderen auch so ergangen? Das moderne Qazrin ist heute Hauptstadt und kulturelles Zentrum der Region.

 

In der Umgebung von Gamla beobachten wir eine Ansammlung von Adlern. Zum Glück hat Attila einen Feldstecher mitgebracht. So können wir die ruhig kreisenden Vögel wie aus nächster Nähe sehen.


 

Gegen Mittag treffen wir in einem Kibbuz ein, wo wir gemeinsam mit den Kibbuzniks essen. Mir gefällt, dass wir hier ein Stück Alltagsleben mit ihnen teilen können. Wir sehen ganz wenig davon, wie das Leben hier organisiert ist. So stellt zum Beispiel jede/r sein Geschirr nach dem Essen in eine sich ununterbrochen drehende Spülmaschine, an deren Ende jemand vom Küchendienst steht, der das saubere Geschirr wieder ausräumt. Da muss man auch zuerst wissen, wie das funktioniert!

 

Der Kibbuz liegt wundervoll, mitten im Grünen, an einem nicht allzu steilen Abhang. Die Anlage ist voller herrlich roter Mohnblumen. Ich erkundige mich, ob dieses – wie zum Beispiel in Oesterreich – für irgend etwas genutzt werden. Leider ist das nicht der Fall.

 

Die ersten Stunden des Nachmittags führen uns zunächst zu den Jordan-Quellen, anschliessend zum Naturschutzpark Banyas (ehemals Caesarea Philippi). Hier entspringt der Banyas, einer der drei Quellflüsse des Jordan (ein zweiter, Hazbani, entspringt im Libanon, der dritte, Dan, im Naturschutzgebiet Dan). Der Weg zum Wasserfall in lieblicher Gegend ist atemberaubend schön. Einige aus unserer Gruppe füllen ihre mitgebrachten Fläschchen mit Jordanwasser. Ich probiere unterwegs eine vom Baum hängende Feige, muss aber zu meinem Leidwesen feststellen, dass sie noch alles andere als reif ist! Wer neugierig ist, macht halt nicht immer nur gute Erfahrungen!

 

 

Jordan-Quelle im Naturschutzpark Banyas

 

Die idyllisch gelegenen Banyas-Höhlen muss ich einfach fotografieren. Der Name des Ortes hat seinen Ursprung im griechischen Gott Paneas, der hier geboren worden sein soll, und von dem an dieser Stelle einst eine Kultstatue stand, die einen älteren Baalskult ausgelöst hatte. Augustus schenkte dieses Gebiet Herodes. Dessen Sohn Philippus erbaute hier die Hauptstadt seiner Tetrarchie und nannte sie – zur Unterscheidung von Städten gleichen Namens – Caesarea Philippi. Am gleichen Ort nannte Jesus Petrus den Felsen, auf dem dieser seine Kirche (Petrus-Kirche) erbauen sollte.

 

Einen zusätzlichen Halt planen wir in Yardenit, der Stelle am Jordan, wo Johannes der Täufer Jesus getauft haben soll. Viele Christen kommen heute hierher, um sich – in weissen Kleidern – ebenfalls taufen zu lassen. Ich empfinde das Geschehen hier etwas als „Massenabfertigung“. Ich persönlich würde bei einer Taufe nicht hunderte fremder Menschen dabei haben wollen, sondern würde es vorziehen, diesen Schrittt in kleinem Rahmen zu tun. Natürlich sehe ich aber den Reiz, dieses Ritual gerade an der Stelle, an der auch Jesus das gleiche tat, zu vollziehen.

 

Hierauf legen wir noch eine letzte kurze Pause in einem Laden ein, in welchem man Kosmetikprodukte aus dem Toten Meer relativ kostengünstig erwerben kann.

 

Auf der Rückfahrt erklärt uns Karl den Aufbau der israelischen Armee. Ich vernehme unter anderem, dass sie nach Schweizer Vorbild geschaffen ist. Das habe ich nicht gewusst!

 

Wieder zurück im Kibbuz-Gasthaus nehme ich mit einigen anderen zusammen ein erfrischendes Bad im See. Bettina und ich sammeln Muscheln am Strand. Mit einigen Mitreisenden ergibt sich ein interessantes Gespräch.

 

Später treffen wir uns ausgelassen zum Abendessen. Leider geht es im bunten Treiben ein bisschen unter, das Karl, unser jüdischer Führer, zur Feier des Sabbats ganz feierlich angezogen, zu Beginn des Feiertags den Kiddusch spricht und dazu Wein und Brot zu sich nimmt. Von uns sitzt nur Thomas bei ihm. Zu dieser religiösen Handlung erläutert Karl uns gar nichts. Im Nachhinein erklärt uns Theo, er glaube, es sei für unseren Reiseleiter nicht einfach, uns als Nicht-Juden in tief religiöse Handlungen seines Glaubens einzubeziehen. Beim Znacht kosten wir speziell den feinen Apfelsalat mit Fenchel und Baumnüssen. Sepp kann davon nicht genug bekommen und wird sogar am nächsten Morgen nochmals davon essen!

 

Beim anschliessenden Abendspaziergang durch den Kibbuz verweilen wir lange bei der „Disco“ (eine offene Fläche im freien, wo eine Sängerin, begleitet von Instrumenten, Lieder singt). Ich freue mich darüber, ganze Familien beim Tanzen zu sehen. Manche Leute kommen zum gemeinsamen Feiern des Sabbats auch von auswärts hierher. Als ich das so sehe, nehme ich mir vor, den Sonntag, unseren Sabbat, in Zukunft auch wieder bewusster zu leben und mir an diesem Tag mehr Zeit für eigene Vergnügungen, für meine Familie und meine Freunde zu nehmen.

 

Samstag, 29. April: 5. Tag

 

Sämtliche Programmpunkte am heutigen Tag sind fakultativ. Der Sabbat steht uns zur freien Verfügung. Und doch kommen alle mit auf den angebotenen Ausflug! Schön! Der heutige Tag verläuft gemütlich. Zunächst machen wir uns auf den Weg nach Nazareth, neben Jerusalem und Bethlehem das dritte wichtige Zentrum christlicher Pilgerfahrer in Israel, führt. Hier besichtigen wir die Verkündigungskirche. Sie ist erbaut an der Stelle, an der der Erzengel Gabriel Maria die Geburt eines Sohnes angekündigt haben soll. Es ist die grösste christliche Kirche im Nahen Osten. 200 m davon entfernt sehen wir Josefskirche, an der Stelle errichtet, an der einst dessen Schreinerwerkstatt stand. Ausserdem besuchen wir die griechisch-orthodoxe Kirche, in welcher gerade eine Taufe zu Ende geht. In Nazareth ist in letzter Zeit ein alter Streit neu entbrannt. Dabei geht es darum, dass auch die hier ansässigen Muslime ein eigenes Gotteshaus haben wollen. Dieses müsste aber gemäss alter Tradition 1 m höher sein als das nächstniedrige Haus.

 

Unsere Fahrt führt uns dann durch die Jezreel-Ebene zu den Quellen von Ma’ayan Harod im Gilboa-Gebirge. Die Stelle, wo die Quellen liegen, trägt den Namen Sachne (=warmes Wasser), einer Quelle im Gilboa-Gebirge. Wir geniessen das Schwimmen. An diesem Ort treffen wir viele Familien, die Grillieren und sich im 32° C warmen Wasser vergnügen. Ich brauche eine Weile, bis ich schliesslich im Wasser bin. An der Treppe, wo ich längere Zeit stehe und die Menschen beobachte, schwänzeln mir ständig ganz kleine Fische um die Beine. Das finde ich nicht gerade angenehm! Nach ausgiebigem Bad fahren wir über Bet Shean zurück nach Maagan.

 

Im Kibbuz-Hotel geniessen wir ein weiteres Mal die entspannte Atmosphäre. Wir geben uns dem Muschelsuchen am See hin. Ganz spontan ergibt sich ein Gespräch mit Bettina und Thomas. In ungezwungener Umgebung unterhalten wir uns über Glaubensfragen und anderes.

 

Im Verlaufe des heutigen Tages ist bei vielen unter uns der Wunsch entstanden, den Beginn unseres Sonntags am Samstag Abend auch zu feiern, wie Tags zuvor Karl den Beginn des Sabbat feierlich begangen hat. So treffen wir uns nach dem Nachtessen unter freiem Himmel in der Nähe des Seeufers zu einem oekumenischen Gottesdienst. Es ist zwar etwas windig, und Theo muss seine Stimme recht laut erheben, um von allen gehört zu werden, aber das tut der Stimmung keine Abbruch. So beschliesst heute Karl in unserem Beisein den jüdischen Feiertag. Anschliessend eröffnet Theo den Gottesdienst für uns. Dieses Erlebnis geht tief in mich hinein. Ich geniesse das gemeinsame Singen im Freien und folge gebannt Theos Lesung und Predigt. Ich spüre, wie alle um mich herum innerlich ruhig werden. Nach Abschluss des Gottesdienstes will niemand so recht diesen Ort verlassen. Hier und dort wird ein Gespräch angefangen. Ich selber finde mich mit Juliette, Bettina und Theo zusammen, und wir sprechen über Sterben, Tod und Abschied. Jede/r berichtet etwas von seinen/ihren Erfahrungen zu diesem Thema. Für mich ein starker Augenblick, der mich nachdenklich stimmt und in besonderer Weise berührt! Nach einer Weile verabschiedet sich Theo, kommt aber kurz darauf nochmals zurück und sagt, er müsse uns unbedingt etwas zeigen. Wir gehen mit ihm und finden oben an einer Zimmertüre ein Schwalbennest, aus dem feine Töne kommen und die Schwanzfedern von mehreren jungen Vögeln ragen. Die haben sich einen schönen Ort ausgesucht! Ich hole meinen Fotoapparat und halte diese rührende Szenerie auf Dia fest.

 

Sonntag, 30. April: 6. Tag

 

Nach dem Frühstück müssen wir den von uns allen liebgewonnenen Ort verlassen! Der Abschied fällt uns nicht leicht. Den ersten Halt machen wir in Jericho, das als älteste Stadt der Welt giltund im seit 1967 israelisch besetzten Westjordanland liegt. Jericho ist eine Oasenstadt mit Bewässerungsfeldbau und hat heute ca. 12000 überwiegend arabische Einwohner. Nordwestlich von Alt-Jericho erhebt sich ein auffallender Berg, in dem die christliche Überlieferung den Berg der Versuchung sieht. Hier fastete Jesus, nachdem ihn Johannes der Täufer im Jordan getauft hatte, vierzig Tage. Dann wurde er vom Teufel versucht: “Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden“. Er aber antwortete:“Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von dem Wort, das aus Gottes Mund kommt“. (Matthäus 4, 1-4)

 

Die sich so plötzlich in Wüste verwandelnde Landschaft beeindruckt mich tief. Meine Blicke streifen bizarre Formen, ausgewaschene Täler und Sand in den verschiedensten Farben.

 

Nächste Station ist Qumran. Wir sehen von weitem die Höhle, in der ein Schafhirte durch Zufall im Jahr 1947 die ersten „Schriftrollen vom Toten Meer“ fand. Hier wurde daraufhin die klosterähnliche Anlage der Essener ausgegraben, aus der die Schriftrollen stammten. Dazu sehen wir einen kurzen Film.

 

Nun reisen wir weiter zur Oase Ein Gedi und nehmen einen herrlichen Aufstieg zu den David-Wasserfällen (nach seiner Geliebten auch Shulamit-Wasserfälle oder „Haare der Shulamit“ genannt), die mitten in der Wüste aus dem Nichts auftauchen. Hoch oben beim Wasserfall lassen wir uns an einer lieblichen Stelle nieder. Theo trägt hier bei rauschendem Wasser und wogendem Grün das Hohelied Salomos, des Sohnes von David, vor. Zu meiner grossen Freude liest er auch meinen Lieblingspsalm, Psalm 23!

 

Nächste Station ist das Tote Meer. Es liegt 398 m unter dem Meeresspiegel. Wir befinden uns damit am tiefstgelegenen Punkt der Welt! Hier sind ausschliesslich Spass und Vergnügen angesagt! Das Gewässer heisst so, weil bei seinem Salzgehalt von 27% (man müsste nur ein halbes Glas davon trinken – der Sauerstoff würde abgeklemmt, und man würde auf der Stelle ersticken!) jegliches Leben im Wasser unmöglich ist. Zunächst nehmen wir noch eine Kleinigkeit zu uns. Ich habe dabei mein privates, kleines Abenteuer: Ich schlucke eine etwas zu grosse Portion Sambal Oelek. Ich liebe ja scharfes Essen ... aber doch nicht so! Danach legen wir uns ins schon ein wenig stinkende Schwefelbad. Die Temperatur des Wassers ist aber ausgesprochen angenehm. Attila meint zwar „Meine Eier kochen!“, aber ganz so schlimmm ist es denn doch nicht. Mit einem kleinen Eisenbahnzug fahren wir vom Gebäude aus ans Ufer des Toten Meeres. Das Gehen ohne Badeschuhe auf dem von Salzkristallen kantigen Untergrund ist nicht sehr angenehm. So führen mich Bettina und Attila ins Wasser. Es mach uns allen Spass, so schwerelos obenauf zu sein! Fast noch lustiger finden wir allerdings das „Einschlammen“. Hierbei beschmiert man sich über und über mit dem Schlamm aus dem Toten Meeer, der in einer Kiste bereitgestellt ist. Ist man ganz schwarz, legt man sich auf einen Stuhl und wartet, bis der Gesundheitsschlamm ganz angetrocknet ist. Anschliessend muss man ein langes Prozedere durchstehen, bis man nach dem Abduschen wieder sauber ist. Noch Tage nach diesem Abenteuer war das Wattestäbchen nach dem Ohrenputzen schwarz! Dafür hat man nach dem Abduschen „Es Hüütli wie es Chinderfüdli“ (Originalton Theo). Wir lachen viel und amusieren uns köstlich.

 

 

Wir sind alle schwarz und nicht wiederzuerkennen!

 

Wir kommen mit unserem Programm etwas in Verzug. Fast zu spät treffen wir schliesslich in Massada ein. Aber zum Glück nur fast! Mit der Seilbahn fahren wir die steilen Felsen hinauf zur Festung der Zeloten. Von hier aus geniessen wir eine atemberaubende Sicht auf die Wüste Judäa. Thomas schildert uns in eindrücklicher Weise den Bau der Festung durch Herodes und das Schicksal der Zeloten, die im Jahr 72 ihrem chancenlosen Kampf gegen die Römer ein Ende setzten, indem sie sich dazu entschlossen, lieber gemeinsam zu sterben als in Gefangenschaft zu gehen. Zehn Männer wurden ausgewählt, die zunächst alle übrigen Menschen und schliesslich sich selbst richteten. Zwei Frauen, die sich mit ihren Kindern in einer Wasserleitung verkrochen hatten, berichteten anderntags den Römern, was geschehen war. Diese freuten sich nicht etwa über den Untergang des Feindes, sondern bewunderten den edlen Entschluss und die unerschütterliche Todesverachtung so vieler bei der Tat beteiligter Menschen.

 

Am Ende müssen wir uns fast beeilen, um mit der letzten Seilbahn wieder hinunterfahren zu können. Zu Fuss wäre der Abstieg zwar schön aber wohl recht anstrengend geworden!

 

Auf dem Heimweg machen wir eine kurze Glacé-/WC-/Einkaufspause in der Ahava-Produktionsstätte (Kosmetikprodukte aus dem Toten Meer sind hier relativ preiswert erhältlich).

 

Ja, und dann nähern wir uns langsam aber sicher Jerusalem (hebräisch Yerushalayim = Wohnung des Friedens; arabisch El-Quds = die Heilige)! Unser heutiger Fahrstrecke weist eine Höhendifferenz von 1200 m auf (von 400 m unter dem Meer am Toten Meer  auf 800 m über Meeresspiegel in Jerusalem). Auf dem Skopusberg steigen wir aus. Das erste, was wir von der Heiligen Stadt zu Gesicht bekommen, sind die drei Türme, die – so Karl – für Glaube, Bildung und Gesundheit stehen (Felsendom, Hebräische Universität, Hadassah-Krankenhaus). Auf dem Skopusberg, bei der Jüdischen Universität, steigen wir ein erstes Mal aus und erleben einen eindrücklichen Sonnenuntergang über der Stadt. Es ist merklich kühler als heute auch schon!

 

 

Sonnenuntergang über Jerusalem

 

Wir sind schon ein bisschen müde und sind darum froh, als wir unser Etappenziel, das luxuriöse Olivetree-Hotel, endlich erreichen. In der Hotellobby bekommen wir einen schmackhaften Erfrischungstrunk. Menschen aus aller Herren Länder tummeln sich hier, verschiedenartigste Klänge und Töne erfüllen den Raum, und die Atmosphäre mutet irgendwie orientalisch an. Ich kann mich fast nicht satt sehen und hören.

 

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, nehmen wir in einem pompösen Speisesaal ein reichhaltiges Nachtessen zu uns.

 

Der Tag war ereignisreich und anstrengend. Dennoch machen wir uns zu fünft noch auf den Weg, um die nähere Umgebung bei Nacht ein erstes Mal zu entdecken. Müde aber zufrieden sinken wir schliesslich in unsere Betten. Ich freue mich auf den morgigen Tag in der Altstadt!


 

Montag, 1. Mai: 7. Tag

 

Nach dem Frühstück brechen wir bald auf. Wir wollen zunächst einen Modellbau besichtigen, der Jerusalem zur Zeit des 2. Tempels (um 525 v. Chr. Eingeweiht) um ca. 100 v. Chr. zeigt.

Ich bin überrascht, wie gross das Modell ist. Fast vergleichbar mit unserer „Suisse miniature“. Ich staune darüber, wie gross die Stadt damals schon war.

 

 

Modell von Jerusalem zur Zeit des 2. Tempels

 

Kurze Zeit später fahren wir weiter Richtung Bethlehem (hebr. Bet Lahm=Brothaus). Die Stadt liegt im Westjordanland und hat eine arabische Bevölkerung, die je zur Hälfte aus Christen und Moslems besteht. Dort haben wir in einem internationalen evangelisch-lutherischen Begegnungszentrum eine Begegnung mit dessen Leiter, Abu Gubran. Leider hat dieser nicht allzu viel Zeit für uns, doch reicht die kurze Zeitspanne doch aus, uns einiges Interessantes zu erzählen. Der Raum, in den wir gebeten werden, hat eine spezielle Ausstrahlung. An den Wänden aufgehängt tentdecken wir zwei kunstvoll in arabischer Schrift aufgezeichnete Sprüche. Vielfach sehen diese Buchstaben wie Ornamente aus. Aufgrund unserer Nachfrage erfahren wir, dass der eine Spruch ist: “ ... und das Wort ist Fleisch geworden“ (Evangelium, 2. Sonntag nach Weihnachten) und der andere: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2, 14). Die Tatsache, dass Abu Gubran jedesmal ein Visum beantragen muss, wenn er nach Jerusalem in seine eigene Kirche gehen will, stimmt mich nachdenklich.

 

Als wir aus dem Zentrum treten, gehen wir in gemächlichem Tempo den Suk hinunter. Plötzlich kommt ein Auto, und wir müssen auf die Seite treten. Nachdem das Auto weg ist, stellen wir zu dritt fest, dass auch unsere ganze Gruppe verschwunden ist. Bettina, Juliette und ich stehen auf einmal ganz alleine da. Was jetzt? In der Folge irren wir während ca. 1 Stunde in der Stadt herum und sehen und erleben viel. Nur unsere Gruppe finden wir nicht. Langsam aber sicher setzen uns sowohl die Hitze als auch die Ungewissheit über den Verbleib der anderen zu. Wir beschliessen, die Geburtskirche zu suchen, einen Ort, den die übrigen früher oder später sicher auch erreichen würden. Wir erhalten jedoch auf Anfrage so widersprüchliche Richtungsangaben, dass wir dieses Unterfangen bald aufgeben. Irgendwie finden wir aber schliesslich doch zu der Kirche – und siehe da: aus hunderten von Menschen heraus strahlt uns plötzlich ein bekanntes Gesicht entgegen, und Thomas kommt auf uns zu. Welche Erleichterung! Wir drei haben hier unser „privates Wunder“ erlebt! Wir vernehmen, dass die anderen während unserer Abwesenheit in ein kleineres Handgemenge geraten sind. Wir sind froh, dass wir da nicht dabei waren.


 

Nun können wir endlich gemeinsam die Geburtsgrotte Jesu unter der Kirche besichtigen. Die ursprüngliche Kirche, aus dem 4. Jahrhundert stammend, wich im 6. Jahrhundert einer Basilika. Diese zählt heute zu einer der ältesten komplett erhaltenen Kirchen überhaupt. Wir finden eine stille Ecke und singen „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn!“. Um uns herum befinden sich viele, viele Menschen.

 

Etwas später verlassen wir die Kirche und machen uns auf zu den Hirtenfelder. Auf unserem Weg dorthin begegnen wir – ganz passend! – einem Hirten und einer Hirtin mit einer grossen Schafherde. Wir verweilen ein bisschen bei einem der nach der Überlieferung möglichen Hirtenfeldern im Dorf Beit Sahur, südöstlich von Bethlehem gelegen. Der Ort ist schön, entspricht aber nicht gerade dem, was ich mir unter „Hirtenfeld“ vorgestellt habe. Wir finden eine katholische Franziskanerkirche aus dem Jahr, die wir gerne besichtigt hätten. Weil heute aber 1. Mai ist, wird sie leider nicht geöffnet. Daneben entdecken wir die Reste einer byzantinischen Kirche. Wir verweilen noch etwas an dieser Stelle.

 

Zum Mittagessen begeben wir uns in ein typisch arabisches Lokal. Dort herrscht ein emsiges Treiben. Wir verteilen uns um drei grosse Tische. Hierauf werden uns Pita-Brote angeboten. Diese füllen wir mit verschiedenen Salaten, Saucen und Pasten, die uns dazu aufgetischt werden. Immer wieder kommt Nachschub! Dazu essen wir feine Falafel (gebratene Kichererbsen) und würzige Fleischbällchen. Dieser kulinarische Höhenflug behagt uns allen sehr.

 

Nachdem wir gesättigt und gut ausgeruht sind, treten wir die Rückfahrt nach Jerusalem an. Wir machen Halt auf dem Oelberg und geniessen von hier aus eine atemberaubende Aussicht auf  die Stadt. Wir gehen zu Fuss weiter zur Kapelle „Dominus flevit“. Dieser Spaziergang ist schön, aber dabei ist es ausserordentlich heiss. Das ermüdet! Die Franziskanerkapelle, welche man auf dem Prophetenweg erreicht, wurde 1955 auf den Fundamenten einer Kirche aus dem 5. Jahrhundert erbaut . Sie hat die Form einer Träne. Ihr Name (zu deutsch: Der Herr hat geweint) erinnert daran, dass Jesus, als er zum letzten Mal nach Jerusalem zog, über das künftige Geschick der Stadt weinte (Lukas 19, 41: Und als er, Jesus, nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte ueber sie und sprach: „Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient!“ ...). In der Kapelle geht gerade ein Gottesdienst zu Ende. Danach haben wir Gelegenheit, den Raum aus der Nähe zu betrachten. Der Priester schenkt mir ein Informationsblatt zur Kirche sowie einen Prospekt mit dem Titel „Heilige Stätten heute“. Darin stossen wir auf ausführliche Informationen zu verschiedensten Kirchen, auch zu solchen, die wir bereits besichtigt haben.

 

Nächster Programmpunkt ist die Kirche der Nationen in Gethsemane am Ölberg. Der Name der Kirche kommt aus dem Bezug zu den bildlichen Darstellungen des Gebäudes, die Geschenke verschiedener Länder sind. In der Kirche beeindrucken mich das Licht, die vielen Goldverzierungen und eine Gruppe der ersten äthiopischen Christen. Diese tragen beim Betreten des Heiligtums nur Socken. Sie wollen den Schmutz des Alltags nicht mit hineintragen. Im Garten vor der Kirche stehen viele Olivenbäume. Einige davon sollen noch aus der Zeit vor Jesus stammen!


Beim weiteren Abstieg vom Oelberg besuchen wir einen jüdischen Friedhof. Hier erfahre ich einiges Wissenswertes:

 

·        Kinder aus jüdischen Familien müssen für ihre Eltern das Totengebet (Kadisch) lesen können. Beherrschen sie das nicht, kommen die Seelen ihrer verstorbenen Eltern nicht in die Ewigkeit zu den anderen Seelen

 

·        Die Juden pflegen nur die Erdbestattung. Eine Urnenbestattung ist für sie nicht möglich, weil mit dem Verbrennen des Körpers auch die Seele verbrannt würde.

 

·        Die Juden sind beschenkt mit drei Gnaden (Tugenden):

 

-          Hilfsbereitschaft (hilft jemand einmal einem Freund, wird dieser ihm später ebenfalls einmal einen Hilfsdienst erweisen)

 

-          Besuch bei Krankheit (unter Freunden werden im Krankheitsfall Besuche abgestattet)

 

-          Ehrerweisung im Tod

 

Die Ehrerweisung im Tod kann nicht zurückgegeben werden. Darum legt jeder Besucher eines Grabes einen Stein auf den Grabstein.

 

·        Früher wurden jüdische Menschen zunächst in Höhlen begraben. Ein Jahr nach ihrem Tod wurden die Gebeine in einem „Sarg“ erdbestattet. Der Sarg hatte genau die Länge des längsten Knochen eines Menschen, d.h. die Länge eines Oberschenkelknochens.

 

Diesen Erläuterungen von Karl folge ich gespannt. Sitten und Bräuche anderer Völker und Religionen haben mich schon immer interessiert.

 

Nach der Rückfahrt ins Hotel machen wir bis zum Nachtessen um 18.30 Uhr eine wohlverdiente Ruhepause. Wir müssen ja auch wieder Kräfte tanken, denn Bettina und ich haben heute noch vor, die Stadt ein bisschen auf eigene Faust zu entdecken.


 

 

Dienstag, 2. Mai: 8. Tag

 

Dem angekündigten Programm nach zu urteilen, wird uns dieser Tag wiederum ausserordentlich viel Interessantes bieten. Zunächst einmal besichtigen wir die eindrückliche Altstadtmauer von oben. Wir treten langsam durch das Misttor auf den Tempelberg (Berg Moriah). Hier habe ich einmal mehr das Gefühl, die vielen auf mich einstürmenden Eindrücke bald nicht mehr aufnehmen und ordnen zu können.

 

Die beherrschenden Gebäude des Tempelplatzes sind einander zugeordnet: der Felsendom als Ort der Verehrung des heiligen Felsens (der heilige Fels, der sich in der Mitte des inneren Umgangs erhebt, bezeichnet nach islamischem und jüdischem Glauben die Stätte, wo Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte, und wo Mohammed auf dem Wunderpferd Burak in den Himmel entrückt wurde) und eines der bedeutendsten islamischen Baudenkmäler sowie die El-Aqsa-Moschee. Der Besuch dieser beiden Heiligtümer ist für mich ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise. In Socken betreten wir die beiden riesigen Gebäude. Die Innenausstattung ist unbeschreiblich schön. Ornamente in arabischer Schrift zieren Decken und Wände. Die Böden sind ausgelegt mit zwar schon etwas abgetretenen aber dennoch herrlich anzuschauenden Teppichen. Die Fenster sind ebenfalls kunstvoll gearbeitet. Inmitten dieser beeindruckenden Atmosphäre vermitteln Theo und Karl geschichtliche und religiöse Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis. Hierauf tun wir, was wohl jeder Tourist an dieser Stelle tut: Unsere Gruppe nimmt Aufstellung auf der Treppe vor dem Felsendom und lässt sich mit allen mitgebrachten Kameras ablichten. Karl übernimmt den Job des Fotografen und stellt sich nach getaner Arbeit ganz erschöpft.

 

 

Gruppenfoto vor dem Felsendom

 

Was wir an der Klagemauer erleben, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Wir sehen viele orthodoxe Juden ins Gebet vertieft. Die jüdischen Leute bewegen sich vor und zurück, um beim eintönigen Singsang der Gebete nicht einzuschlafen! An der Mauer gibt es eine Männer- und eine Frauenseite. Auf beiden Seiten liegen Gebetsbücher bereit, und es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Wir mischen uns unter die Leute. Jede/r ist für einige Minuten seinen/ihren eigenen Gedanken überlassen. Obwohl es sich um einen rein jüdischen Brauch handelt, ist es mir ein Bedürfnis, auch einen Zettel in eine Ritze der Mauer zu legen. Darauf schreibe ich:

 

„Ich bitte für Gesundheit im ganzen leben, für dauerhafte Beziehungen und Verständnis und Liebe für meine Mitmenschen. Ich bitte um Aufgehobensein in einer eigenen Familie und in der Verwandtschaft. Ich bete für Weisheit und Liebe“. Diese Minuten der inneren Ruhe geniesse ich sehr.

 

 

an der Klagemauer

 

Unsere nächste Station ist die St. Anna-Kirche, ein vollständig erhaltener Bau aus der Kreuzfahrerzeit. Sie wurde an der Stelle errichtet, an der man das einstige Wohnhaus von Anna und Joachim, Marias Eltern, vermutete. Hier erheben wir unsere Stimme zum gemeinsamen Singen und erleben eine einmalige Akustik.


 

Nordöstlich der St. Anna-Kirche kommen wir zum den Bethesda-Teich. Das Becken war einst in zwei Teiche, getrennt durch einen Damm, geteilt. Daher versteht sich der Name Bethesda, der zu deutsch „zwei Wasser“ meint. An dem Ort, an dem Jesus durch sein Wort einen Gelähmten heilte, blühen herrliche Mohnblumen. Es wird überliefert, dass an diesem Ort jeweils derjenige geheilt wurde, welcher am Morgen als Erster mit seiner Hand das Wasser berührte. Da es dem Gelähmten aus naheliegenden Gründen nicht möglich war, einmal als Erster da zu sein, erfuhr er die Hilfe Jesu.

 

 

beim Bethesda-Teich

 

Nun kommen wir zur Via dolorosa (Leidensweg Christi). Im Gedränge von vielen, vielen  Menschen  schreiten wir die 14 Stationen ab. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Station 6: „Veronika“ (von „vero-nika“=echte Ikone): Eine nicht mit Namen bekannte Frau erweist sich als einzige in der Menge als mutig, indem sie Jesus, der das Kreuz schon fast nicht mehr tragen mag, die Tränen ab.

 

Die letzten fünf Stationen befinden sich alle in der Grabeskirche. An ihrem Besitz sind sechs verschiedene Religionsgemeinschaften beteiligt: Griechisch-Orthodoxe, Römisch-Katholische, Armenier, Kopten, Syrer und Abessinier. Gemeinschaftlicher Besitz sind der Salbungsstein und das Christusgrab. Ich staune darüber, wie gut das gemeinsame Nutzen dieses Ortes funktioniert, erfahre dann aber von Karl, dass unter der scheinbar so friedlichen Oberfläche viele verborgene Konflikte, viele davon im Zusammenhang mit Besitzansprüchen, schwelen. Im Innern des imposanten Gebäudes besichtigen wir auch die kleinste Kapelle der Welt! Und unterhalb der Kirche sehen wir uns vor einer Höhle wieder, in der gemäss Überlieferung das Grab Jesum liegt.

 


 

Genug von so vielen Eindrücken! Jetzt wird es wieder gemächlicher. Wir schlendern durch den Souk und finden uns zum Mittagessen in einer belebten Gasse ein. Daran anschliessend haben wir etwas Zeit, uns im Bazar umzusehen. Auf Schritt und Tritt bieten uns Händler ihre Waren an, zum Teil zu ganz schön überhöhten Preisen. Da sind unsererseits sowohl Hartbleiben als auch Handeln gefragt. Gar nicht so einfach!

 

Den Beginn des Nachmittags in einem stillen Garten nördlich des Damaskustors. Der Garten wird von England  unterhalten und steht voller farbenprächtiger Blumen. Hier liegt auch die Schädelstätte (hebräisch golgatha=Schädel). Am riesigen Felsen können wir tatsächlich so etwas wie ein Gesicht erkennen! Hier besichtigen wir auch ein vollständiges Grab, das nebst dem Grab in der Grabeskirche als Grab von Jesus angesehen wird. Wahrscheinlicher ist das Grab in der Grabeskirche, da es näher bei der Stadt ist. Sei dem, wie es wolle: Der Ort strahlt auf jeden Fall eine grosse Kraft aus. Während wir erfahren, wie es zur Geschichte mit Jesus im Gartengrab gekommen ist, werde ich wohlig müde und kämpfe an meinem Schattenplatz mit dem Schlaf. Dennoch kann ich aufgrund des Gesagten folgern, dass schon in damaliger Zeit Beziehungen („Vitamin B“) eine wichtige Rolle gespielt haben.

 

Unsere Gruppe fährt etwas später zum Hotel zurück. Ich bleibe mit Bettina noch im Basar und trete den Heimweg später zu Fuss an. Wir haben genügend Zeit, die Dinge genauer anzusehen und uns da und dort auch auf Verhandlungsgespräche einzulassen. Ein Händler offeriert uns sogar einen köstlichen, gesüssten Pfefferminztee, nachdem ich für ihn eine mehrsprachig beschriftete Tafel angefertigt habe, die auf „Ausverkauf!“ hinweist. Der Händler will nach nunmehr 18 Jahren seine Verkaufstätigkeit aufgeben und auf Reisen gehen.

 

Zum Nachtessen sind auch wir beide zurück im Hotel. Im Speisesaal fasziniert mich wiederum das gemischt europäisch/orientalische Treiben. Die Vielfalt der dargebotenen Gerichte ist wie immer überwältigend!

 

Später am Abend unternehmen wir eine geführte Nachtfahrt durch Neu- und Altstadt. Wir erhalten viele neue Informationen. Im Augenblick bin ich mit so vielen Eindrücken etwas überlastet. Das spüre ich auch an meiner immer grösser werdenden Müdigkeit. Aber alles ist so spannend hier! Bevor wir uns gegen 23 Uhr auf den Heimweg machen, verweilen wir noch eine Viertelstunde bei der Klagemauer. Ich bin erstaunt darüber, wie viele Menschen zu so später Stunde noch davor beten. Ich kann eine andere Gruppe religiöser Juden ausmachen als am Morgen. Ob wohl bestimmte Zeiten für bestimmte Gruppen reserviert sind? (Karl: nein!) Wie oft muss ein ganz religiöser Mensch zur Klagemauer kommen? (Karl: Es besteht keine „Pflicht“). Viele meiner Fragen sind schon beantwortet, andere werden sich noch stellen, und einige werde ich wohl bis einem nächsten Besuch hier unbeantwortet lassen müssen.

 

Mittwoch, 3. Mai: 9. Tag

 

Beim heutigen Frühstück sitzen wir zu dritt mitten in einer Schar fremder Menschen aus aller Herren Länder. Im riesigen Speisesaal muss sich unsere Gruppe etwas aufteilen. So ergeben sich kurze Gespräche mit anderen Reisenden. Nachdem unsere Mägen gefüllt sind, fahren wir zunächst zur Knesset. Wegen der restriktiven Sicherheitsmassnahmen dort wäre eine Besichtigung des Regierungsgebäudes von innen nur mit erheblichem Aufwand zu verwirklichen gewesen. So begnügen wir uns mit dem Anblick von aussen. Dafür hören wir umso mehr Details zu den auf dem siebenarmigen Leuchter abgebildeten Ornamenten. Die Menorah, die in unmittelbarer Nähe des Regierungssitzes steht, ist ein Geschenk des englischen Parlaments an den Staat Israel.

 

Nächste Station ist der Schrein des Buches, wo die in den Qumran-Höhlen gefundenen Torah-Rollen aufbewahrt werden. Das Dach des Gebäudes erinnert an den Deckel der Tongefässe, in der die Rollen versteckt waren. Mich faszinieren speziell die vielen kleinen Fundstücke. Ich interessiere mich für die Bearbeitungsmethoden (Ablösen von den übrigen Pergament- bzw. Papyrus-Blättern) und die Arten der Konservierung. Eine unglaubliche „Nifeliarbet“, diese kleinen Teilchen richtig zusammenzufügen! Ich sehe ein Schriftstück, welches 0,5 bis 0,7 mm hohe Buchstaben enthält, die peinlich genau und schön geschrieben wurden – zu einer Zeit, zu der das Vergrösserungsglas noch nicht erfunden war! Wir sehen auch die Entwicklung der Schrift. Die hebräische Schrift hat sich seit dem Beginn der Niederschrift der Torah nicht verändert. Erstaunlich! Analysiert man die Texte (z.B. die Psalmen) aber etymologisch, kann man ältere und jüngere Texte voneinander unterscheiden.

 

Nun kommen wir zum Israel-Museum. Hier beeindruckt mich u.a., wie die Völker schon um 8000 v. Chr. Schmuck hergestellt haben, der noch heute durchaus zu unserer Mode passt. Ich bin erstaunt zu sehen, dass die Völker Menschen (angefangen bei den Kindern) bereits um 5000 v. Chr. in „Särgen“ (Tongefässe, mit dem Gesicht der verstorbenen Person verziert) beerdigten und Sandgräber sogar mit Grabsteinen (mit Zeichnungen und Namen darauf) versehen haben. Wir sehen eine Vielzahl von gefertigten Werkzeugen und mit Mustern verzierte Tongefässe und Becherchen. Wir besuchen im Museum zwei Synagogen, die Synagoge von Bamberg und eine italienische Synagoge.


 

Unser nächster Besuch führt uns in eine Diamantenfabrik. Viele Juden arbeiten in einem Unternehmen wie diesem oder sind sonst irgendwo im Grosshandel tätig. Wir bekommen einen interessanten Kurzfilm über den Diamantenabbau und die Diamantenschleiferei zu sehen. Es wird uns ganz schöner – aber zum Teil auch ganz teurer! – Schmuck präsentiert. Mir persönlich dauert diese Besichtigung etwas zu lange. Langsam beginne ich an einem Hungerast zu leiden. Darüber helfen mir aber Luzia und Bettina mit Brötchen und Schokolade ganz lieb hinweg! Nach 14.30 Uhr essen wir dann endlich Pizza bei „Pizza Hut“ in einem grossen Kaufhaus, wo es sogar einen kosheren  McDonald’s gibt. Na ja, mal was anderes! Es bleibt uns noch etwas Zeit zum Herumstöbern.

 

Nach 15.30 Uhr machen wir uns auf zum Hadassah-Spital, wo wir die von Marc Chagall gefertigten Fenster der Synagoge innerhalb des Gebäudes besichtigen wollen. Bei brütender Hitze und stehender Luft warten wir vor dem Hauptportal. Leider stellt sich schliesslich heraus, dass wir zwar zum vereinbarten Zeitpunkt gekommen sind, dass aber die Synagoge bereits geschlossen ist. Schade! So vereinbaren wir, den Besuch am nächsten Tag vor der Abreise nach Elat nachzuholen.

 

Um 16.35 Uhr treffen wir bei der Gedenkstätte Yad Vashem (=Menschen-Gedenkstätte) ein. An dieser Stelle möchte ich folgende Bibelstelle zitieren: „Der Herr sagt: „..., dann bekommt er in meinem Haus einen Gedenkstein, auf dem sein Name steht. Das wird die Erinnerung an ihn besser bewahren als Söhne und Töchter. So sorge ich dafür, dass sein Name niemals in Vergessenheit gerät.“ (Jesaia 56, 5). Yad Vashem kann in diesem Sinn auch mit „ewiger Name“ übersetzt werden. So werden in der „Hall of names“ die Namen aller Opfer aufgelistet, um damit an die erschreckenden Ausmasse der Shoah zu erinnern. Ebenso mahnen andere Teile der verschiedenen Museum daran, wie das Leben in zahlreichen Dörfern und Städten einfach ausgelöscht wurde. Die Konfrontation mit diesem Teil Geschichte ist nicht einfach. Leider haben wir nur noch 25 Minuten Zeit, um durch die Bedrückung ausstrahlenden Räume zu gehen. Viel zu wenig! Obwohl dies mein zweiter Besuch hier ist, möchte ich mich gerne länger vertiefen. So komme ich mit gutem Gewissen eine Viertelstunde zu spät zum vorher vereinbarten Treffpunkt zurück. Ich bedaure es sehr, dass wir nicht mehr zu der Kinder-Gedenkstätte mit der Lichterhalle gehen können. Im Bus auf dem Weg zurück ins Hotel sitze ich ganz in mich versunken. Auch die übrigen Mitreisenden verharren in bedrücktem Schweigen. Es fällt mir schwer, wieder zurück in den Alltag zu finden und stosse mich an einigen „trampelhaften“ Bemerkungen von anderen Gruppenmitgliedern. Ich empfinde die Stimmung als etwas angespannt.

 

Noch vor dem Abendessen treffen wir uns alle in einem separaten Zimmer im Hotel und hören Thomas’ Ausführungen zum Ablass zu. Die Ablässe im engeren Sinn wurzeln unmittelbar in der frühmittelalterlichen Busspraxis. Im Unterschied zur einmaligen sakramentalen Busse in der frühen Kirche ist es nun möglich, das Busssakrament mehrmals zu empfangen. So kann die auferlegte  Busse - je nach der Verfassung der Möglichkeiten des Büssenden - von der Kirche in andere Werke umgewandelt, stellvertretend von anderen übernommen oder unter bestimmten Bedingungen ganz "abgelassen" werden. Hier wurzelt die heutige Unterscheidung von vollkommenem und Teilablass. 

 

Ich spüre, dass dabei jede/r nochmals in sich geht, setze aber persönlich gewisse Fragezeichen hinter das Gesagte. So „einfach“ kann das meiner Ansicht nach nicht sein. Man müsste mehr Zeit haben, das Thema zu diskutieren.

 

Heute Abend müssen wir mit Karl das Finanzielle regeln. Nachdem ich das erledigt habe, ziehe ich mich relativ bald zurück. Ich bin richtig müde!


 

Donnerstag, 4. Mai: 10. Tag

 

Lieder verlassen wir heute  Jerusalem. In den vergangenen Tagen habe ich so manches erfahren – kulturell, geschichtlich, architektonisch, biblisch, über Fauna und Flora! Bevor wir aber endgültig weiterreisen, besichtigen wir in der Synagoge des Hadassah-Hospitals noch die zwölf Chagall-Fenster. Die Kommentare der Präsentatorin dazu sind eher dürftig, doch haben wir genügend Zeit, die Fenster (jedes einzelne steht für einen der zwölf Stämme Israels) selbst zu bewundern. Ein aufgelegter Prospekt liefert ausserdem ergänzende Informationen.

 

Ja, und dann machen wir uns auf  auf die lange Reise durch die Wüste Judäa. Man mag sich darunter vielleicht etwas Langweiliges vorstellen – es ist aber alles andere als das! Wir sehen Kamele, wilde Esel und Gazellen und durchfahren steile Canyons und sogar einen 500 m tiefen Krater. Unsere Blicke nehmen wahr, wie sich die Farben des Sandes verändern, entdecken Tafelberge und Dünen. Bisweilen tobt um unseren Bus herum ein Sandsturm, und hin und wieder wird es vom aufwirbelden Sand so „neblig“, dass wir kaum mehr etwas sehen.

 

In der Wüste Negev steigen wir alle zusammen aus dem Bus. Enorm heisse Luft schlägt uns entgegen. Zum Glück bläst dazu ein Wind – aber auch dieser ist fast heiss! Wir machen  wir einen längeren Halt beim Kibbuz Sde-Boker und besuchen das Haus von Ben Gurion (1886-1973; erster Premierminister Israels (1949-1953 und nochmals 1955-1963)), das – noch immer in ursprünglicher Weise möbliert – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Hier verbrachte David Ben Gurion, welcher 1906 aus seiner Heimat Polen ins damals türkisch besetzte Palästina eingewandert war, seine letzten 10 Lebensjahre. Er widmete sein ganzes Leben der Schaffung einer Heimat der Juden in Palästina und setzte sich während des Zweiten Weltkrieges für die Einwanderung der Juden nach Israel ein. Der Rundgang durch die Zimmer und die anschliessende informative Ausstellung regen meine Gedanken sehr an. Ich nehme mir vor, nach unserer Rückkehr in die Schweiz eine Biographie des Staatsgründers zu lesen! Wir bleiben noch etwas in der Nähe des Hauses, nehmen an einem der raren „Schattenplätze“ einen kleinen Imbiss zu uns und bestaunen das herrlich duftende Blumenfeld, das hier – mitten in der Wüste – direkt vor dem Haus angelegt ist.

 

Auf der Weiterfahrt berichtet Karl dieses und jenes über das Leben in der Wüste. Er erzählt, dass es in dieser Region pro Jahr im besten Fall 200 mm Regen gibt. Für uns, die wir in einem Gebiet leben, in dem der viele Regen hin und wieder sogar Überschwemmungen zur Folge hat, fast unvorstellbar! Wir sind immer wieder erstaunt darüber, dass mitten in der Wüstenlandschaft urplötzlich eine Nomadensiedlung auftauchen kann, und dass es in der sandfarbenen Umgebung da und dort doch grüne Abschnitte gibt. Nach einem letzen „Kaffee oben und unten-Halt“ (eine für sich sprechende Wortschöpfung von Karl) bei brütender Hitze, aber angenehmem Klima, da es ganz trocken ist, treffen wir schliesslich in Elat ein. Dieses letzte Ziel unserer Reise soll für uns ausschliesslich für Spass und Erholung stehen. Davor aber werden wir noch mit etwas weniger Schönem konfrontiert: Mehr oder weniger unerwartet müssen wir bereits heute von Karl und unserem Buschauffeur Juda Abschied nehmen. Fast alle von uns sind darob etwas überrumpelt, haben wir doch geglaubt, Karl würde bis zum Ende der Reise unser Begleiter sein. Wir alle sind traurig, hat uns doch die gemeinsame Reise einander sehr nahe gebracht. Selbst Karl, der sonst immer etwas zu sagen weiss, bleibt in diesem Moment ziemlich ruhig und versucht, den Abschied so kurz wie möglich zu machen.


 

Nachdem wir die Zimmer – das Zimmer, welches ich mit Frieda teile, hat sogar Meersicht! – bezogen haben, probieren ein paar von uns den öffentlichen Strand aus. Das Wasser ist relativ warm, doch hätte ich persönlich es mir noch etwas wärmer vorgestellt. Wegen der ziemlich hohen Wellen wage ich mich nicht weit vom Ufer weg, sondern lasse das Wasser im Stehen um meine Beine spielen. Etwas später haben wir ein eher unliebsames Erlebnis am hoteleigenen Swimming-Pool: Wir bekommen zu hören, dass dieser nach 18 Uhr bereits geschlossen ist und erhalten mit Ach und Krach gerade noch die Erlaubnis für einen kurzen Schwumm. Dabei wären die Temperaturen so ideal! Es ist mir noch nie begegnet, dass man in einem Ferienhotel einen Pool um diese Zeit nicht mehr benützen darf. Viele Leute kommen doch dann von Ausflügen oder Einkäufen zurück und möchten sich eine Abkühlung gönnen! Das ist hier nicht möglich! Wir erfahren auch, dass es in Israel keine privaten Hotelstrände gibt, dass also alle Strände öffentlich und daher teilweise auch nicht besonders gut gepflegt sind. Es macht sich in uns eine leichte Enttäuschung breit, zumal uns auch die Umgebung mit den vielen Hotelkästen zunächst nicht besonders reizvoll erscheint. Für den aufgekommenen Ärger entschädigt uns aber später ein wunderbares Abendessen, bei dem wir wiederum aus einer Vielfalt von Speisen auslesen können. Hier gilt: „Wer die Wahl hat, hat die Qual!“. Ich esse viel mehr als üblich, weil ich die vielen feinen Sachen doch möglichst alle kosten möchte.

 

Zu späterer Stunde lädt Theo zu einer kurzen Sitzung in einem der Sääle des Hotels ein. Es ist zugleich eine Besprechungs- und Verabschiedungsrunde, denn auch Thomas wird uns am nächsten Tag vorzeitig verlassen, weil ihn verwandtschaftliche Verpflichtungen für den Sonntag nach Deutschland beordern. Schade! Ein offizielles Programm gibt es ab heute nicht mehr. Wir vereinbaren jedoch einige fixe Treffpunkte (wie zum Beispiel beim Abendessen oder Frühstück) und hören, dass wir hier in Anita eine neue Ansprechpartnerin haben, bei der wir uns auch für Ausflüge anmelden können. Drei aus der Gruppe nehmen diese Gelegenheit wahr und schreiben sich für die Besichtigung des Katharinenklosters auf der Halbinsel Sinai ein. Wir planen einen gemeinsamen Besuch des nahegelegenen Unterwasserobservatoriums. Darauf freue ich mich! Und es reift in dieser Zeit noch ein anderer Plan in mir: Ich habe in der Hotelhalle die Ausschreibung für einen vierstündigen Kamelritt in die Wüste gesehen. Da möchte ich doch gerne dabei sein. Ob ich in der Gruppe noch andere gluschtig machen kann? Theo jedenfalls erklärt sich ohne Zögern dazu bereit, mitzukommen.

 

Zum Ausklang des Abends nehmen Inge, Markus, Trudi, Bettina und ich je einen Stuhl und stellen ihn nahe am Strand ins Wasser. So sitzen wir lange in der noch immer warmen Luft und diskutieren. Unterdessen geht im Hotel eine Modeschau über die Bühne, untermalt mit lauter Musik. Frieda, die noch wenige Stunden zuvor etwas geschmollt hat, ist darob ganz begeistert und wohnt der Veranstaltung bis zum Ende bei. So kann sie den auch für sie schweren Abschied von Karl und Juda etwas vergessen und fühlt sich nicht mehr so verloren. Ich glaube, dass sie sich auch auf den Observatoriumsbesuch von morgen freut, zu dem mitzukommen wir sie bewegt haben. 


 

Freitag, 5. Mai: 11. Tag

 

Jetzt herrscht unter uns völlig entspannte Ferienstimmung vor. Etwas später als bisher üblich trudeln wir ausgeschlafen zum Frühstück ein und lassen uns dafür viel Zeit. Um 10 Uhr nehmen wir den kurzen Marsch zum Unterwasserobservatorium unter die Füsse. Fast alle von uns kommen mit. Im Gelände des Observatoriums bewegen wir uns frei, finden uns aber immer wieder zu kleinen Grüppchen zusammen. Wir bestaunen die herrlichen Fische, die wir hier, 60 m unter dem Wasser, sehen. Ich kann es nicht fassen, dass in der Natur eine solche Vielfalt möglich sein kann. Kein Tier ist gleich wie das andere, und jedes stellt seine eigenen Formen und Farben zur Schau! Wir alle sind beeindruckt und sind uns einig, dass sich der Besuch hier auf jeden Fall gelohnt hat. Zwischen der Besichtigung führen wir uns die hier sehr notwendige Flüssigkeit in Form von Glacés, kühlen Getränken oder Kaffee zu und lassen uns an kleinen Tischen im Schatten nieder.

 

Auf den Mittag finden wir uns wieder im Hotel ein. Ich möchte mit ein paar von uns am Nachmittag in die Stadt fahren, um ein bisschen zu „lädele“. So schliesse ich mich Theo, Sepp, Luzia, Alfred,  Margrit, Bettina und Frieda an. Mit einem Shuttle-Bus fahren wir in die Stadt. Schön ist diese also schon nicht gerade! Und die Läden gleichen den Läden in Zürichs Strassen. Dennoch gefällt es mir, einmal so planlos herumzuschlendern. Frieda dagegen fühlt sich so nicht besonders wohl und entschliesst sich, an einer Bushaltestelle auf uns zu warten. Irgendwo erstehen wir verschiedene Früchte, für alle eine Flasche Wasser und Glacés. Lange bleiben können wir sowieso nicht, denn es zeigt sich, dass hier wegen des bevorstehenden Sabbat alle Läden bereits um 15 Uhr schliessen. So machen wir uns bald wieder auf den Heimweg.

 

Es folgt eine entspannende Zeit am Strand, und zusammen mit Attila schwimme ich noch ein bisschen im Pool. Das Meerwasser ist mir noch immer etwas zu kalt. Dennoch wage ich mich bis zu den Knien hinein, denn es zeigt sich, dass heute viele der grossen farbigen Fische, wie wir sie am Morgen im Observatorium gesehen habe, bis ganz nahe ans Ufer kommen. Ich kann sie von hier aus wunderbar sehen (und sowieso: an den Beinen zu spüren brauche ich sie ja nicht unbedingt!).

 

Vor dem Nachtessen empfängt der Hoteldirektor seine Gäste. Nicht allzu viele Leute folgen der Einladung. Dabei werden viele köstliche Getränke und Backwaren angeboten. Wir lassen uns zufrieden in die bequemen Sessel und Sofas sinken. Am Abend findet in der Hotelhalle wiederum eine Show statt. Diesmal werden Lieder aus verschiedenen Zeiten und Gegenden gesungen, und die Anwesenden tanzen dazu. Klar, dass unsere Frieda auch diesmal wieder dabei ist. Sie hält durch bis zum Schluss und berichtet mir am nächsten Morgen ganz begeistert vom gemeinsamen Tanzen mit Attila, der sich die Show ebenfalls eine Weile angesehen hat. Ich glaube, dass sie das immer in besonderer Erinnerung behalten wird!

 

Samstag, 6. Mai: 12. Tag

 

Höhe- und zugleich wunderschöner Schlusspunkt dieser Reise ist an diesem Tag der Kamelritt in die Wüste. Etwa zehn Leute aus unserer Gruppe haben sich dazu entschlossen, an diesem Abenteuer teil zu haben. So brechen wir um 15.30 Uhr auf zur nahegelegenen Texasranch, wo sich die Kamele befinden. Wir tragen alle lange Hosen, haben unsere Arme mehr oder weniger bedeckt, sind gut mit Sonnencrème eingerieben und haben auch den obligaten Kopfschutz, die Sonnenbrille und Wasser nicht vergessen. Auf der Texasranch entdecken wir unsere Kamele bald. Nach einer kurzen Einführung weist ein Beduine jedem von uns sein eigenes Tier zu. Nun sind aber auch einige von der Gruppe mitgekommen, die gar nicht reiten sondern nur zusehen wollen, wie wir anderen uns auf den Weg machen. Das weiss der Beduine ja nicht! So will er zuerst ausgerechnet Frieda zu „ihrem“ Kamel führen! Wie schmunzeln wir darüber! Als ich so zuschaue, wie die anderen auf ihre Tiere steigen und sich diese auf ihre ihnen höchst eigene Weise erheben und dabei verschiedentlich seltsame Geräusche von sich geben, wird es mir plötzlich doch einwenig „gschmuch“. Das legt sich aber rasch, als schliesslich auch ich auf meinem Kamel – es heisst Levana (die Weisse) – sitze. Wir reiten gemächlich hintereinander. Bald hinter der Ranch werden die Tiere aber voneinander losgebunden und sind nun ganz frei. Ich geniesse den unbeschreiblichen Ritt enorm. Um uns herum ist es ganz, ganz still. Wir reden untereinander auch nicht viel. So durchqueren wir die beiden Wadis Shlomo und Tzfahot und erreichen schliesslich eine Krete, von der aus wir einen wunderbaren Weitblick haben. Mein Reittier bequemt sich, ganz zuvorderst am Rand vor einem steil abfallenden Hang endlich in die Knie zu gehen. Meine Knie schlottern in diesem Moment wohl eher, aber ich finde im weiteren Verlauf des Ritts heraus, dass man sich auf die Kamele voll und ganz verlassen kann. Schliesslich kennen diese „Wüstenschiffe“ ja ihre Heimat!

 

 

Levana vor dem Abgrund

 

Von der Krete führen wir unsere Tiere während ca. 10 Minuten abwärts weiter. Der Beduine erzählt uns, dass das Abwärtsgehen für die Kamele nicht gesund sei, erst recht nicht mit Lasten. Ich fühle mich irgendwie stolz und inmitten eines grossen Abenteuers.

 

Schliesslich kommen wir zu der Stelle, wo ein Halt eingeplant ist. Wieder lassen sich die Tiere nieder. Wir nehmen die buntfarbigen Teppiche von ihren Rücken und suchen uns ein schönes Plätzchen zum Sitzen. Hier sehen wir zu, wie die zwei Beduinen ein mit Holz und Benzin ein Feuer entfachen. Gekonnt stellt der eine von ihnen aus Mehl und Wasser einen Teig her, den er auf einer umgekehrten Pfanne über dem Feuer bäckt. Das so entstandene Brot verwendet er als Taschen, die er mit einem Gemisch aus Ziegenkäse und Olivenöl füllt. Mmh, das schmeckt uns ausgezeichnet! Dazu wird uns ein aromatischer gezuckerter Tee serviert. Dieser Moment hat für mich eine enorme Kraft. Die Beduinen erklären uns, dass sie ihre Getränke absichtlich so stark süssen. Der Süssstoff führt nämlich zu immer grösserem Durst. Dadurch ist man gezwungen, immer wieder zu trinken – was vor allem beim Aufenthalt in der Wüste lebensnotwendig ist! Ein Beduine kündigt uns den abendlichen Besuch des Wüstenfuchses Alex an diesem Ort an.


Wir alle mögen zunächst nicht so recht daran glauben. Alex aber taucht tatsächlich auf und tut sich an den Essresten gütlich, die wir absichtlich für ihn zurücklassen. Ausserdem zeigt sich hoch über uns auf einer Bergkante eine Bergziege mit ihren zwei Jungtieren. Die drei Tiere wagen nur ein Stück des steilen Abstiegs und kommen uns nicht zu nahe. Die Atmosphäre hier ist einfach unbeschreiblich!

 

 

Kamele haben ihren eigenen Stolz!

Schliesslich reiten wir gemächlich wieder Richtung Texasranch. Unterwegs kommt Theo auf einmal eine Strophe aus dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ mit den Worten von Matthias Claudius (um 1778) in den Sinn: 

                               

Seht ihr den Mond dort stehen

Er ist nur halb zu sehen

Und ist doch rund und schön

So sind wohl manche Sachen

Die wir getrost verlachen

Weil unsere Augen sie nicht seh'n

 

 

unterwegs in der Wüste

 

Dass Theo diese Worte gerade in diese spezielle Stimmung hinein sagt, finde ich wunderbar!

Erfüllt vom Erlebten erreichen wir schliesslich die Ranch. Hier kann jede/r einzelne zwei Fotos von sich in Empfang nehmen, die unterwegs gemacht worden sind. Eine schöne Erinnerung, für die wir gerne auch etwas bezahlen!

 

Ja, und dann geht es ans Abschiednehmen: Nach dem Abendessen treffen wir uns alle nochmals in einem separeten Raum, um uns von Yvonne, Werner, Eugen, Elisabeth und Eliza zu verabschieden. Sie verlängern ihren Urlaub noch um einige Tage und werden somit nicht mit uns zurückreisen. Diese Abschiedsphasen gehören dazu, doch gerne habe ich sie gar nicht. Es fällt mir richtig schwer, in dieser Zeit liebgewonnene Menschen wieder zu verlassen. Ich glaube, auch den anderen geht es ähnlich. Später geht es ans Packen. Das ist schnell gemacht, und wir legen uns heute relativ beizeiten zum Schlafen nieder. Morgen müssen wir ja auch bereits um 3 Uhr aufstehen, damit wir vor dem Abflug um 06.30 Uhr genügend früh auf dem Flughafen sind.

 

Sonntag, 7. Mai: 13. Tag

 

Noch halb in der Nacht lassen wir um 04.15 Uhr das Hotel hinter uns. Ein Bus bringt uns zum nicht weit entfernten Flughafen. Wir bekommen eine Frühstücksbox mit auf den Weg, weil in diesen frühen Morgenstunden natürlich noch kein ordentliches Frühstück angeboten wird. Noch im Hotel können wir uns aber mit Kuchen (!) und Kaffee oder Tee stärken.

 

Die Geschehnisse auf dem Flughafen verlangen uns ein gehörig Mass an Geduld ab. Die Sicherheitsbefragungen sind diesmal – im Gegensatz zur Hinreise – teilweise eher mühsam und langwierig. Theo will man ja schon fast nicht mehr gehen lassen! Wir anderen sitzen herum und wissen nicht so recht, was anzufangen. Solche Zwischenzeiten, in denen man nichts unternehmen kann und nur zu warten hat, empfinde ich jedesmal als mühsam. Und ich spüre nun auch, wie sich doch so etwas wie Vorfreude auf die Heimkehr in meine Gefühle mischt. Vielleicht sind es auch etwas Reisefieber und Ungeduld?

 

Jedenfalls sitzen wir schliesslich doch in unserem Flugzeug und heben bald Richtung Tel Aviv ab. Der Flug über die Wüste lässt in uns das in den letzten Tagen Erlebte nochmals so richtig lebendig werden. Das Umsteigen auf dem Flughafen Ben Gurion verläuft problemlos. Und schliesslich starten wir zum Flug nach Zürich. Shalom, Israel!

 

Die Flugzeit ist lange, wird aber den Passagieren durch einen gezeigten Film und ein serviertes Menu ganz angenehm gemacht. Die Sicht ist klar, und so können wir nochmals eine beeindruckende Sicht von oben geniessen.

 

Nach Mittag treffen wir in Zürich ein. Unsere Gepäckstücke bekommen wir relativ bald ausgehändigt. Und nun heisst es endgültig Abschied nehmen. Viel Zeit bleibt dazu nicht, und ich spüre, dass nun wohl alle das Bedürfnis haben, so schnell wie möglich zu ihren Familien heimzukehren. Auch mich zieht es stark Richtung Birmensdorf. Bettina und ihre Mutter werden von der Familie abgeholt. Mit ihnen kann ich heimfahren. Vor meinem Haus angekommen, verabschieden wir uns, versprechen uns aber gegenseitig, den Kontakt aufrecht zu erhalten, bald zu telefonieren und uns gegenseitig zu besuchen. So gehen wir auseinander, jede/r wieder in seine/ihre eigene Welt.

 

Schlusswort

 

Ich habe mich während der letzten zwei Wochen wohl gefühlt wie noch nie zuvor. Die Gruppe habe ich als homogen erlebt. Schön, dass wir, so viele verschiedene Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten, mit dieser grossartigen Reise gemeinsam eine so tiefgehende Erfahrung machen konnten. Solche Erlebnisse verbinden! Persönlich habe ich noch heute, einen Monat nach unserer Rückkehr, hin und wieder Mühe, in den Alltag hier zurückzufinden. Die Atmosphäre in Israel ist halt schon unbeschreiblich. Das Land macht etwas mit einem, was jede/r für sich selber erfährt und wohl nicht mit Worten ausdrücken kann. Das Verarbeiten meiner Eindrücke zu diesem Tagebuch war für mich ganz wichtig und bot mir Gelegenheit, Erlebtes nochmals Revue passieren zu lassen. Beim Schreiben musste ich immer wieder feststellen, dass wir in diesen Tagen an Leib und Seele wirklich unglaublich viel erfahren durften. Ich möchte an dieser Stelle allen Beteiligten dafür danken! Unsere Reise wird einmalig und unvergesslich bleiben!

 

Barbara Metzger, 1. Juni 2000