...und wieder mal auf Reisen in Frankreich 2012

12.09.2012 um 22:14 Uhr

....

von: Fiba

12.09.2012

Der Strand ist nicht besser, aber die Leute freundlicher.

Trotzdem spürt man den Tourismus. Holländer und Engländer in loser Zahl, Deutsche auch...

Wir versuchen uns nicht zu erkennen zu geben.

 

Fährt man ein paar Kilometer westwärts, kommt man an die Côte Granit Rosé. Sie ist gigantisch. Felsbrocken in unglaublicher Zahl und Grösse liegen in der Gegend rum. Man könnte meinen, hier habe sich der Spielplatz einiger Riesen befunden, die sich nicht nur mit Felsbrocken beworfen haben, sondern in ruhigen Stunden Steinskulpturen schufen.

Zehntausend Jahre später stehen sie immer noch. Unverrückbar, unumstösslich...

 

Am Abend errichten neben uns drei Schweizer Wohnmobile mit Kennzeichen aus VD und LU eine Wagenburg. Die vierte und offene Seite stecken sie sorgfältig mit Schweizer Kreuz Wimpeln zu einer Art Trutzburg, zu exterritorialem Gebiet ab. Wir finden dies peinlich, auch das sie sich lauter unterhalten, als die in der Überzahl anwesenden Franzosen. Wir sind sprachlos. Nicht nur, dass wir uns im Ausland bereits über unsere deutschen Landsmänner schämen, überlegen wir, ob wir das für das Land, in dem wir aus gutem Grund leben, auch tun müssten. Wir lassen die Frage unbeantwortet und reisen am nächsten Vormittag sowieso ab.

 

09.09.2012 um 22:11 Uhr

...auf dem Campingplatz

von: Fiba

09.09.2012

 

Wir suchen und finden mit grosser Mühe einen Zeltplatz, den drei übergewichtige Damen mit unerschütterlichem Selbstvertrauen verwalten. Ihre Freundlichkeit hält sich in Grenzen. Wir sind anderes von den Bretonen gewohnt. Ach ja, wir sind noch in der Normandie und vielleicht haben die Damen von ihren Vätern und Grossvätern ein Teutonentrauma vererbt bekommen. Könnte ja sein...

Ihre Bemerkung, sie sind also Deutsche, die in der Schweiz wohnen, klang ziemlich spitz.

Ich grüsse einigermassen freundlich und verlasse die Reception.

Der Strand ist genauso harsch wie die drei Receptionistinnen.

Bergeweise grober Kies als Schutzwall aufgeschüttet, lädt nicht zum Verweilen ein...

 

Ausser dem Intermarché mit seinen gigantischen Käsetheken fällt mir nichts zu berichten ein.

Lange geschlafen haben wir und fahren nach zwei Tagen weiter an die Côte Granit Rosé.

 

 

09.09.2012 um 22:10 Uhr

...Weiterfahrt

von: Fiba

09.09.12

Es ist Sonntagvormittag, elf Uhr.

Dunkirch ist erreicht, Temperatur so um die 30 Grad, wir erschöpft und trotzdem wollen wir endlich

die Mühlen von Graveline bestaunen und vor allem endlich ans Meer.

Die Mühlen entpuppen sich als riesige Industrieanlage und der Gang zur Mole wird ein 500 Meter-Lauf uns  ist eher ernüchternd.

Also weiter nach Calais. Ich wollte schon immer mal die Hafenanlage bestaunen und beobachten, wie die Fähren ablegen und Dover ins Visier nehmen.

Doch die Zeiten, wo man einen Hochseedampfer noch mit der Hand berühren und seinen Liebsten zum Abschied winken kann, sind endgültig vorbei.

Calais gleicht einer Hochsicherheitsanlage, man muss lange anfahren und einchecken und um ein Haar hätten wir uns England ansehen müssen, hätte ich nicht im letzten Augenblick einen Wendeplatz und Ausgang gefunden.

08.09.2012 um 21:56 Uhr

...auf gehts

von: Fiba

08.09.2012

Das gleich hinter Mulhouse der rechte Reifen am Wohnwagen platzte, erschreckte uns nur kurz. Das Rad liess sich wechseln und die Fahrt fortsetzen.

Sie führte über den letzten Ausläufer der Vogesen durchs Elsass und war schön.

Die Sonne schien ihr Spätsommerlicht und eine bunte Schar von Paraglidern bevölkerte den Himmel wie aufgeregte Schmetterlinge. Sie liessen Spekulationen zu, was wohl passieren würde, wenn ein Windstoss alle aufeinander zu treiben, sie sich in den Schnüren der anderen verfangen und gemeinsam abstürzen würden.

Gäbe es einen Krater vom Absturz, oder würden sie sich in den Wipfeln der Elsasstannen verfangen und wie Weihnachtskugeln herabhängen?

Der Versuch, ein Foto des bunten Gewimmels vor seinem Absturz zu machen, scheiterte am langsamen Zoom der Kamera und wir setzten die Fahrt ohne Fotodokumentation nach Norden fort.

Luxembourg war schnell durchquert und in Belgien entsetzten uns die miserablen Autobahnen.

Wir fuhren auf der Durchmesserlinie nach Frankreich und stellten uns vor, wie die Abgesandten der EU auf der Fahrt nach Brüssel ordentlich durchgeschüttelt wurden.

Jedenfalls gibt es solch schlechte Strassen im näheren Ausland nur noch in Rumänien und Bulgarien, oder vielleicht in Kirgisistan.

Ich überlege angestrengt, was man sich ausser Brüssels Atomium unbedingt ansehen sollte. Ich weiss auch das nicht. Gelernt habe ich im Unterricht nichts darüber, und sich immer nur mit Kriegs- und Nachkriegsgeschichten zu beschäftigen, ermüdet auf Dauer.

Hm, mal überlegen... Also Belgische Schokolade ist besser als deutsche, vielleicht so gut wie Schweizer Schokolade.

Belgische Fritten sollen Europa weit die besten sein. Die Raststätte vor Brüssel sieht nicht besser aus als eine vor Bitterfeld, die Fritten sättigen, aber überzeugen uns nicht.

Das Bier war gut und liess uns ruhig schlafen, sodass wir die Fahrt am nächsten Tag, vorbei an Ortschaften wie  Garnich und Sterpenich, fortsetzten konnten.

Wir liessen uns weiter durchrütteln, die Maschen sprangen erschreckt von den Stricknadeln meiner liebsten Reisebegleiterin, und wir erreichten nach zweihundert Kilometern Freundesland.

Frankreich, endlich....