Humorvolles und Sinnvolles

15.08.2005 um 00:31 Uhr

Wer bin ich?

von: Humor

Nach einer langen Reise fand Nasrudin sich mitten im mahlenden Menschengedränge von Bagdad. Es war die grösste Stadt, die er je gesehen hatte, und die durch die Strassen strömende Menschenmenge verwirrte ihn. "Ich möchte wissen, wie es die Leute machen, um sich hier nicht selbst zu verlieren und überhaupt noch zu wissen wer sie sind", so grübelte er. Dann dachte er: "Ich muss mich gut an mich erinnern, sonst gehe ich mir womöglich verloren." Er eilte in eine Karawanserei. Ein Spassvogel sass auf einem Bette neben dem, das man Nasrudin zugewiesen hatte. Nasrudin wollte ein Schläfchen halten, aber er hatte eine Schwierigkeit: Wie sollte er sich wieder finden, wenn er aufwachte? Er vertraute sich seinem Nachbarn an. "Ganz einfach", sagte der Spassvogel, "hier ist ein aufgeblasener Ballon. Binde ihn an deinem Bein fest und lege dich schlafen. Wenn du aufwachst, schaue dich nach dem Mann mit dem Ballon um, und der bist du."
"Grossartige Idee!" sagte Nasrudin. Ein paar Stunden später wachte Nasrudin auf. Er schaute sich nach dem Ballon um und entdeckte ihn am Bein des Spassvogels. "Da bin ich ja!" dachte er. Dann aber trommelte er den anderen Mann in wahnsinniger Angst aus dem Schlaf. Der Mann erwachte und fragte, was los sei. "Es ist geschehen, was ich befürchtete." Nasrudin zeigte auf den Ballon: "Wegen des Ballons kann ich sagen, dass du ich bist. Aber - wenn du ich bist - wer, um Gottes willen, bin denn ich?"

11.08.2005 um 02:32 Uhr

Nasreddin auf der Bank

von: Humor

Nasrudin geht zur Bank, um einen Scheck einzulösen.
"Kann ich bitte Ihren Ausweis sehen?" fragt der Bankangestellte. Nasrudin sieht ihn verständnislos an.
"Ich brauche eine zweifelsfreie Identifizierung", erklärt der Angestellte. "Oh, kein Problem", antwortet Nasrudin, greift in die Tasche, holt einen Spiegel heraus, schaut hinein und sagt: "Ja, kein Zweifel, ich bin es.

10.08.2005 um 18:48 Uhr

Nasreddin Hoja - Durst

von: Humor

Nasrudin und ein Freund wanderten eine staubige Strasse entlang und wurden sehr durstig. Sie machten bei einem Teehaus halt und stellten fest, dass sie zusammen gerade noch genug Geld hatten, um ein Glas Milch zu kaufen. Der Freund sagte: »Trink Du Deine Hälfte zuerst, ich habe noch eine Prise Zucker, die ich in meinen Anteil hineintun will.« »Gib ihn jetzt hinein, Bruder, sodass wir beide etwas davon haben«, sagte Nasrudin.
»Nein, es ist nicht genug, um ein ganzes Glas zu süssen.«
Nasrudin ging in die Küche und kam mit einem Salzstreuer zurück. »Gute Nachricht, Freund. Ich trinke meine Hälfte mit Salz. Und es ist genug für das ganze Glas da.«

10.08.2005 um 18:42 Uhr

Nasreddin Hoja - Die Sonnenuhr

von: Humor

Im Orient wollte einst ein König seinen Untertanen eine Freude bereiten und brachte ihnen, die keine Uhr kannten, von einer Reise eine Sonnenuhr mit. Sein Geschenk veränderte das Leben der Menschen im Reich. Sie begannen die Tageszeiten zu unterscheiden und ihre Zeit einzuteilen. Sie wurden pünktlicher, ordentlicher, zuverlässiger und fleissiger und brachten es zu einem grossen Reichtum und Wohlstand. Als der König starb überlegten sich die Untertanen, wie sie die Verdienste des Verstorbenen würdigen könnten. Und weil die Sonnenuhr das" Symbol für die Gnade des Königs und die Ursache des Erfolges der Bürger war, beschlossen sie, um die Sonnenuhr einen prachtvollen Tempel mit goldenem Kuppeldach zu bauen. Doch als der Tempel vollendet war und sich die Kuppel über die Sonnenuhr wölbte, erreichten die Sonnenstrahlen die Uhr nicht mehr. Der Schatten, der den Bürgern die Zeit gezeigt hatte, war verschwunden, der gemeinsame Orientierungspunkt, die Sonnenuhr, verdeckt. Der eine Bürger war nicht mehr pünktlich, der andere nicht mehr zuverlässig, der dritte nicht mehr fleissig. Jeder ging seinen Weg. Das Königreich zerfiel.