Ich werd irgendwie immer nachtaktiver... Obwohl ich den Tag viel lieber mag... Liegt wohl am Gorilla...
Zumindest war ich gestern auch ziemlich lange unterwegs (für meine Verhältnisse). Denn in Kopenhagen war Kulturnatten 2009! Also Kulturnacht :) Und wo Kultur ist, ist auch das Jari. Sogar nachts.
Erstmal vorneweg: Nein, ich mag die Nacht nicht.
Erstens ist es da kälter als am Tag. Und mit Kälte kann ich ja nunmal schon gar nichts anfangen. Tagsüber ist sie akzeptabel, da bin ich gut drauf vorbereitet. Aber mit der nächtlichen Kälte komm ich nicht zurecht.
Dann ist da noch die Dunkelheit. Und die Schatten und Schemen. Und vor allem in einem Dorf: Die Stille.
Ich sage nicht, dass ich Angst habe. Davon kann nicht die Rede sein. Ich mag nur die gesamte Stimmung nicht.
Und in der Stadt, die geschlossenen Läden, die so abwesend und tot wirken. Da mag ich es mehr, wenn sie weit offen sind und bescheuerte Musik spielen. Dann ist da auch Leben. Nachts ist alles tot. Oftmals auch die Strassen.
Von den Betrunkenen und Lauten und Unhöflichen wollen wir gar nicht erst sprechen.
Nein, die Nacht ist nicht für mich.
Aber wenn die Nacht mit Kultur und Leben gefüllt ist, ja, da muss ich doch dabei sein!
Der Gorilla hat mir sogar das Kulturnatten-Kit gekauft, das war nicht billig. Aber dafür gratis Transport, gratis Eintritte und die sogar über die Kulturnacht hinaus. Cool!
Die Kulturnacht selber ist ein grosses Ereignis, über 500 Attraktionen sind dabei. Und natürlich sind da auch die Läden (vor allem in der Hauptshoppingmeile) aufgesprungen und hatten alle länger geöffnet.
Es waren Museen dabei, Bibliotheken, Buchhandlungen, Sehenswürdigkeiten, Schulen, Universitäten und alles, was man in Kopenhagen sonst noch finden kann.
Ausserdem haben die nicht nur alle länger auf, sondern es finden auch viele spezielle Veranstaltungen statt. Lesungen, Führungen, Werkstätten etc. etc. Man kann gar nicht alles aufzählen.
Also ganz war tolles und Jari hatte wahnsinnig viel Freude :D

Das Ganze ging um 18 Uhr los (und dauerte bis Mitternacht), aber ich war schon um 17 Uhr in Kopenhagen. Natürlich, das Jari ist auch immer zu früh... Naja, dafür habe ich einen wunderhübschen Park entdeckt. Genau deswegen liebe ich Kopenhagen so: Mitten in der Hauptverkehsader und doch steht man plötzlich in einem wunderschönen und ruhigen Park. Herrlich!
Danach vertrieb ich mir die Zeit noch in einem -na, ihr wissts- BARESSO! :D Und dann wars endlich, endlich 18 Uhr!
Zuerst war ich in der Kirche in der Strøget. Ja, in Kopenhagen gibt's das: Eine Kirche mitten auf der Shoppingmeile. Dort gab's eine Lesung und Gesang. Ausserdem war da eine Ausstellung von verschiedenen Künstlern. Da waren auch welche aus der Schweiz dabei! Ach nein, entschuldigt, aus der Schweitz :) Vielleicht ist das ja ein kleines Dorf irgendwo in Dänemark? (Obwohl die Namen doch sehr nach DER Schweiz geklungen haben).
Dann ging ich ins Postmuseum, einfach weils auf dem Weg lag *g* Dort haben sie eine riesige Ausstellung zu verschiedenen Themen die Post betreffend. Über Kommunikationsformen, Transportwege bis hin zu Briefmarken war alles dabei. Und Schafe mit Telefonen als Kopf...
Danach... Danach... lasst mich überlegen... War ich was essen... :D Ja, muss auch sein, ne?
Als nächstes stand das (persönliche) Highlight des Abends auf dem Programm: Der Botanische Garten
Es war einfach herrlich! Obwohl es erst sieben Uhr abends war, war es schon dunkel. Doch das machte das ganze Ambiente erst aus: Der ganze Garten war mit Teelichtern und Fakeln beleuchtet!
Ausserdem stand der Abend u.a. im Zeichen Afrikas. Es schallte Livemusik einer afrikanischen Band durch den ganzen Park und überall waren Stände aufgebaut, die verschiedene Getränke und Informationen anboten.
Gleich am Eingang war eine riesige Leinwand aufgebaut, die sich über einige Meter erstreckte und Kinder und Besucher durften die dann nach belieben bemalen und beschreiben. Das ist KUNST!
Weiter gab es eine Art Tunnel, in dem Aquarien ausgestellt waren und man durch Mikroskope Lebewesen und Pflanzen beobachten konnte. Und Fachleute gaben Auskunft.
Ganz toll fand das Kind im Jari, dass man sich da seinen eigenen Svamp bemalen durfte. Svamp ist dänisch und heisst Pilz. Ich hab meinen aus einem Anflug von Kreativität "Svampi" genannt und bin dann den ganzen Abend lang mit dem Ding in der Hand rumgerannt :D Och, ich liebe es, kindisch zu sein!
Unterwegs traf man dann noch auf eine Prozession mit Trommeln und Feuerschluckern. Da es so dunkel war, sah man die Personen nicht, nur ihre Neonketten, die sie sich umgehängt hatten. Natürlich hörte man sie vor allem. Der Feuerschlucker ging voraus und die Trommeln folgten. Es sah HAMMER aus!
Danach ging's weiter zu einem kleinen Highlight. Der Botanische Garten verfügt über ein wunderschönes Palmenhaus, das man eigentlich auch besichtigen konnte. Doch befand sich das im Umbau. In der Kulturnatten wurde das dann neu eröffnet!
Nach der Kälte (ja, es war verdammt kalt, wenn ich das mal so sagen darf. Vielleicht lief ich nur die ganze Zeit mit einem künstlichen Pilz in der Hand umher, weil er angefroren war...) war die tropische Luft und die Wärme im Palmenhaus zuerst ein Schock, dann eine herrliche Abwechslung.
Natürlich war es dort drinnen dunkel. Ab und zu erhellten ein paar kleine Lichtlein den Weg, doch sonst hatte man wirklich das Gefühl, in einem tropischen Gebiet zu sein. Überall Palmen und Gewächse. Dazu hatten sich die Macher überlegt, noch die Laute wilder Tiere einzuspielen. Einfach genial gemacht!
Nach dem Palmenhaus gab es dann noch einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Botanischen Gartens, da man quer durch das Lagerhaus, das Besuchern sonst nicht zugänglich war, einen Tisch aufgebaut hatte und dort hunderte verschiedener Sorten von Pilzen aufgebaut hatte. Man, was es da für Riesenpilze gab! Und manche Pilzgewächse sehen echt lustig aus.
Nach dem Botanischen Garten wollte ich eigentlich ins Kunstmuseum. Tagsüber erreicht man das am besten durch den Hinterausgang des Botanischen Gartens und durch den Hinterausgang des Kunstmuseums. Joah, toll, Hinterausgang war natürlich geschlossen und ich hätte mich beinahe verlaufen. Darum mag ich die Nacht auch nicht. Man muss andere Wege wählen *g*
Musste ich halt der Hauptstrasse entlag zum Museum. Wenigstens waren da wieder Leute. So in der Dunkelheit, ganz alleine, hab ich mich dann doch nicht mehr ganz so wohl gefühlt. Und ja, ich hätte mir gerne einen Gorilla an der Seite gewünscht. Aber der musste (leider) arbeiten.
Doch bevor ich ins Kunstmuseum gelangte, besuchte ich noch das Geologische Museum. Einfach nur, weil's aufem Weg lag. Und weil ich Zeit hatte. *g*
Gleich vor dem Eingang zum Museum war ein Meteroit ausgestellt, den man in Grönland gefunden hatte. Aber ich glaube nicht wirklich, dass der echt ist. Fühlte sich irgendwie nicht so an... Aber ich bin ja nur ein Laie und kann das nicht beurteilen.
Das Geologische Museum selber ist in mehrere Ausstellungen gegliedert. Da gibt es was über Urzeitviecher (die sahen echt lustig aus), über den Weltraum und natürlich gab es auch haufenweise Steine. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf Funden aus Dänemark und vor allem Grönland.
Ich war sehr erstaunt darüber, wie seltsam Steine aussehen können. Am meisten überrascht haben mich diejenigen, die viele kleine Fäserchen abstehen haben (Gott, was fürn Satz... aber he, es ist genau 00.30, was wollt ihr?!). Die brechen bestimmt ab, sobald man sie berührt...
Und was für Farben Steine haben können! WOW! Da waren natürlich die Neonsteine das Highlight. OK, fluoriszierende Steine, sollte ich sagen. Aber Neonsteine klingt doch irgendwie spannender.
Aber wenn ich mir's so überlege, möchte ich kein Stein sein... Da liegt man ein paar Millionen oder Milliarden Jahre rum und wenn man Glück hat, wird man mal aufgelesen und liegt dann im Museum rum... Stell ich mir langweilig vor. Obwohl, man wird alt. Sehr alt. Aber was bringt ein langes Leben, wenn's langweilig ist?
Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, ein Mensch zu sein. Auch wenn man sich oft dafür schämen sollte...
Nach dem Geologischen Museum landete ich dann doch noch im Kunstmuseum.
Dort bekam man gleich nach Eintreten eine praktische Tüte mit Prospekten und Infos in die Hand gedrückt. Und Äpfel zur Stärkung gab es auch.
Momentan findet im Kunstmuseum eine Ausstellung des Künstlers Abilgaard statt. Obwohl die anderen Ausstellungen gratis sind, ist diese eigentlich kostenpflichtig. Darum hab ich sie mir bisher auch noch nicht angesehen. Doch in der Kulturnacht durfte man mit dem Button aus dem Kulturnatten-Kit rein. For free :D Da war Jari happy. Auch wenn der Künstler nicht gerade meinem Geschmack entspricht. Aber egal, hauptsache gesehen, oder? ;)
Hier der Link zum Statens Museum for Kunst: http://www.smk.dk
Als ich in die Ausstellung reinmarschierte, sprach mich der Aufseher, der wohl extra zur Überprüfung der Buttons abgestellt wurde, auf meinen Svampi an. Leider verstand ich ihn nicht :( Er war so freundlich und nett und ich konnte nur sagen, dass ich kein Dänisch kann.
Naja, ist auch schon was... Auf Dänisch sagen, dass man kein Dänisch kann ;)
Die Ausstellung ist nett. Es hat ein paar sehr eindrucksvolle Bilder dabei. Sogar Originale! Mit Unterschrift! Ich habe in einem TV-Krimi gehört, dass es sich dann um Originale handelt, wenn die Unterschrift des Künstlers drauf ist. Ich hoffe, das stimmt... Denn dann macht TV ab und zu doch noch klug ;)
Im Museumsshop habe ich mir dann noch ein paar Bleistifte gekauft, die man zum Skizzieren verwenden kann.
Um die Uhrzeit war es ca. Viertel nach neun. 'Gorilla muss bis zehn arbeiten', dachte ich mir und überlegte, ob ich unterwegs noch Schloss Rosenborg besuchen sollte, da fanden nämlich auch Veranstaltungen statt.
Zugegebenermassen vermisste ich den Gorilla ziemlich und ich dachte so bei mir: 'Wäre toll, wenn er jetzt schon fertig wäre... Aber das geht ja nicht'
Just in diesem Moment, als ich das dachte und nach meinem IPödchen kramte, stellte ich fest, dass mein Handy klingelte. Und ja, es war der Gorilla. Und ja, er war schon zu Hause und bald unterwegs Richtung Kopenhagen. Und damit auch zum unterwegs zum Jari :) Ach ja, da war das Jari glücklich.
Und sprang gleich in den nächsten Bus Richtung Haltestelle Nørreport. Busse und S-Züge waren mit dem Kulturnatten-Button gratis. Der Button hängt übrigens immer noch an meiner Tasche.
Jedenfalls; wenn ich gewusst hätte, dass ich an der S-Bahn-Haltestelle eine geschlagene Stunde warten musste, hätte ich mir doch noch Rosenborg angesehen... Stattdessen sass ich im kalten Zugluft und las und wartete. Naja, im Warten bin ich ja doch ziemlich geübt ;)
Ausserdem habe ich einer Frau mit Kinderwagen die Treppen (da hat es ziemlich viele von an der Haltestelle...) runtergeholfen. Hui, die war aber dankbar :) Sowas macht doch Freude!
Als der Gorilla dann doch noch auftauchte (hübsch zurechtgemacht und nach Männerparfum duftend), machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Hardrock Café. Obwohl er mir anfangs nicht sagen wollte, dass wir unterwegs dorthin waren :)
Und ja, Jari hat dort sogar etwas Alkoholisches getrunken. Böses, böses Jari!
Aber der Drink war echt lecker. Und den Alk hab ich sowas von nicht gemerkt, dass ich den Gorilla fragte, ob da wirklich Alk drin ist :D Denn eigentlich brauch ich nur zwei Schlucke Wein zu trinken, um doof zu grinsen, und eine Flasche Bier, damit sich der Raum dreht... Und weder grinste ich doof, noch drehte sich das Café. Mir war nur sehr, sehr kalt.
Da mir der Gorilla schon im August gesagt hatte, dass er nachts mal mit mir durchs Rotlichtviertel Kopenhagens (warum schreibe ich eigentlich immer "Kopfenhagen"?!) schlendern wollte, machten wir das bei der Gelegenheit gleich auch noch. War ganz unterhaltsam. Zum Glück hat keine der Mädels den Gorilla angesprochen. Sonst wäre Jari dann mit ihrem Svamp angekommen!
Der krönende Abschluss des Abends war, dass, obwohl ich gratis Zug- und Busfahren konnte, der Gorilla uns ein Taxi zahlte und wir uns so den langen Marsch zu seiner Wohnung sparten. Und somit auch jede Menge Kälte und frieren umgingen.
Hach, warum kann nicht immer Kulturnatten sein?
Das hat mir der Gorilla heute auch gesagt :D
Nachdem ich nämlich meinen vorletzten Eintrag geschrieben hatte, wollte ich raus und da ist der Gorilla aus seiner Computer-Starre erwacht und gemeinsam sind wir dann in die Stadt gefahren. Dort haben wir es uns in einem -ja, jetzt will ich's aber laut und deutlich hören- BARESSO bequem gemacht.
Später haben wir dann seine Freunde vom Bahnhof abgeholt und sind nach Hause gefahren. Was dann geschah, steht im letzten Eintrag geschrieben.
Tja, und jetzt...? Ich könnte mal Zähneputzen gehen... Einfach mal so, weil ichs kann.