Während andere Leute ihr Leben geniessen und sich mit ihren Freunden treffen, sitz ich hier, überladen mit Arbeit, übermüdet noch dazu und denke, dass das alles doch gar keinen Sinn hat.
Ich hab meine sozialen Beziehungen ziemlich eingeschränkt. Ja, ich bin ein ruhiger Mensch und geniesse gemütliche Abende. Aber diese gemütlichen Abende sind momentan dahin und während ich hier versuche, aus 500 Stiftungen die richtigen rauszusuchen, um ein Projekt zu finanzieren, das über meinem Budget liegt, hängt es die Hauptursache dieses Problems in den Strassen einer Grossstadt, geniesst die Anwesenheit ihrer Freunde, mit denen es ja immer ach wie toll ist, und verschwendet keinen Gedanken an das Jari.
Gut, damit kann ich leben. Ich hab auch ein paar nette Freunde, mit denen man tolle Dinge unternehmen kann. Aber dann hör ich auf, mir Sorgen zu machen, wie ich das hier alles pack, konzentrier mich auf die Abschlussprüfung und geh erst einmal nach Basel.
Da der Herr Gorilla ja ach so tolle Freunde hat, mit denen man ja ach so tolle Parties machen kann und um morgens um sechs ach so toll betrunken ist, braucht er mich dort oben bestimmt nicht.
Ich will mich hier nicht verarschen lassen und morgens um halb drei schlaflos durch die Wohnung wandern, weil mir die Zeit davonläuft.
Nicht, dass ich den Herrn Gorilla nicht mehr liebe (Zitat S: "Du bist immer noch verliebt!"), aber wenn ich mich hier fühle wie das fünfte Rad am Wagen, das sowieso brav wartet, bis man nach Hause kommt, bock ich.
Es war ein Fehler, meine Beziehungen so verkümmern zu lassen, aber ja, ich verbringe nun mal gerne Zeit mit dem Herrn Gorilla, und wenn das bisschen Zeit, dass wir online haben, alles ist, gut, Hauptsache Gorilla. Aber ich bin ihm ja nicht mal mehr ne halbe Stunde wert. Weil seine vielen Freunde ja ach so toll sind.
Soll sich der Herr Gorilla aber bitte nicht wundern, wenn ich mich mit anderen Jungs treffe und mit denen romantische Restaurants besuche und mit denen eindeutig zweideutige Gespräche führe. Ja, ich bin frustriert und fühl mich abgeschoben.
Und gleichzeitig hab ich ein schlechtes Gewissen, weil er ansonsten sehr aufmerksam ist und lieb und toll und alles und mir von seinem ersten Lohn tolle Dinge kauft. Und weil er nun mal einfach DER Mann in meinem Leben ist.
Leider habe ich seit Wochen das Gefühl, vollkommen zu vereinsamen. Er ist ja gar nie mehr da. Weil ja immer irgendwo ne Party steigt und er ja soziale Kontakte braucht. Aha, ich brauch die nicht, oder wie? Nur weil ich nicht jedes Arsch, das mir begegnet, als Freund bezeichne, und oft doch lieber allein bin? Ah, gut zu wissen. Fühlt sich aber anders an.
Was kann ich dafür, dass ich tagaktiv bin und er irgendwie nicht? Dass ich lieber tagsüber mit meinen Freunden die Sonne geniesse, anstatt mich bis morgens um sechs irgendwo rumzutreiben?
Gut, letzte Nacht habe ich das gemacht. Einmal im Jahr mit einer Person, die mir sehr viel bedeutet. Die einzige Person hier, bei der ich auch mal mit Spontanaktionen aufkreuzen kann und mit der man so richtig herrlich blöd sein kann.
So eine einzige Nacht bedeutet mir mehr, als ein halbes Jahr Ausgang mit oberflächlichen Bekanntschaften.
Leider sind mir meine Freunde zu wenig spontan. Da muss ich immer alles schön geplant werden und nein, das geht doch nicht und bla bla bla. Ausserdem werde ich von den meisten irgendwie immer wieder enttäuscht. Vielleicht bin ich ja sozial unfähig.
Bin ich deshalb verdammt, jeden Abend vor meinem Lappi und meinem Buch zu hocken und zu nächtlicher Stunde Fotos auf Facebook anzugucken, die meinen Freund mit ach so tollen Leuten zeigt, an die ich ihrer Coolheit, ihrer Klugheit, ihrer Schönheit, ihrem Spassfaktor und ihrer Nähe zu ihm eh nicht rankomme? Na, vielen Dank aber auch.
Das Ironische daran ist ja, dass ich nicht auf die Personen selber eifersüchtig bin. Noch nicht einmal auf das Backweibchen, das kann backen, so viel es will. Ich bin auf die Situation eifersüchtig. Ich sitz hier rum und warte und bin schlaflos, während sie ihn nur kurz anrufen können und schon können sie ne super Zeit miteinander verbringen. Sie erleben Dinge gemeinsam, an die sie immer wieder zurückdenken, teilen Momente, kommen sich näher.
Und ich - ich sitz hier meilenweit entfernt und kann sehen, wo ich bleibe. Sehr nett, danke, davon hätte ich gleich noch mehr.
Verdammt, ich will auch Zeit mit ihm verbringen. Ich will ihn auch einfach mal so anrufen können. Ich will auch mit ihm durch die Stadt streifen. Nein, ich will hier nicht rumsitzen und Däumchen drehen und den Akku meines Handys verbrauchen, weil ich alle zehn Sekunden nachschaue, ob er mir nicht doch auf meine SMS geantwortet hat. (Er konnte jedoch nicht zurückschreiben, da seine obercoolen, tollen, hübschen und lustigen Freunde Zeit mit ihm verbracht haben)
Ich will nicht, dass er vereinsamt und nur noch zu Hause ist. Nein, versteht mich nicht falsch. Aber wenn man sich dann plötzlich gar nicht mehr sieht, wie würdet ihr euch fühlen? Wenn man nur noch zwischen Tür und Angel mit demjenigen spricht, der einem mehr alles andere am Herzen liegt? Würdet ihr etwa nicht traurig werden? Würdet ihr euch nicht auch mies fühlen? Wenn ihr dann auch noch in Situationen geraten, in denen ihr die Stärke, die Nähe, die Vertrautheit des anderen mehr als alles andere braucht, er aber gerade neue Bilder von sich und seinen tollen, glücklichen, unkomplizierten und lockeren Freunden auf Facebook hochlädt, was würdet ihr da fühlen? Würdet ihr euch nicht auch alleine fühlen? Und wenn ihr euch dann vertrauensvoll an eure Freunde wendet, die aber alle keine Zeit haben?
Würdet ihr euch da noch gut fühlen? Würdet ihr nicht auf neidisch auf das Glück und die Sorglosigkeit anderer? Wäret ihr nicht auf verzweifelt? Doch, ihr würdet das gleiche fühlen wie ich...