Mariann und die Informatiker

25.02.2006 um 23:43 Uhr

Weitere Eindrücke (Teil 3)

von: breuma

Als ich letztes Mal geschrieben haben, hab ich was ich als  "the cockroach incident" bezeichne, total vergessen. Auf dem Heimweg von Boston nach D.C (zweiter Versuch), sind wir kurz bei Greenwich, CT rausgefahren. Das liegt direkt neben Rye ist aber, sagen wir mal, mehr posh.  Wir wollten uns noch ein Mittagessen genehmigen und sind bei einem Shopping Mall zu einem spottbilligen Chinesen (5$ lunch menu). Ich war schon genüsslich meine Shrimps am essen als Hannes mich auf ein nicht bestelltes Element aufmerksam machte: yep ein Insekt! Was es genau war, werde ich wohl nie wissen, denn in diesem Fall hab ich die Taktik "lieber nicht genau hinschauen und nicht schreien" angewandt. Der Keller hat uns natürlich leicht verängstigt angeguckt und gemeint "everysing freeee", wohl aus Angst wir würden sie anzeigen. Doch der Appetit war nun weg und wir sind auch ziemlich zügig gegangen. Klar, dass ich kein Chinesisch mehr esse.  

Aber ansonsten muss man sagen, der Service (sofern man nicht eine Gruppe von mehr als 5 Pers. sind, gell) ist wirklich angenehm und nett. An die Getränkerefills und das Gratiswasser könnte ich mich sehr gut gewöhnen. Die Lunchbuffets sind der Hammer. So gabs folgende Buffets in der Woche: Sushi, Mexican, Italian und dann noch Cheesecake Factory, dass ich schon von Perth kannte.
Die Gefahr des Auseinandergehens ist durchaus real. Zum Glück gibts Fitness Centers. Das von Hannes ist super ausgerüstet inkl. Pool, Jacuzzi und Sauna. Apropos Sauna interessant wie unterschiedlich die Sitten sind. So hab ich in Boston eine beobachtet, die samt Kleider und Magazin reingegangen ist. Eh nein danke. Was mich ein wenig stört, ist der starke Chlorgehalt des Wassers. So hab ich immer brennende Augen und einmal hatten wir beide Juckreiz und Hautauschlag. Lieber ein paar Bakterien mehr und weniger Chemie. Und überall wird gejoggt wie gestört, auch im eisigsten Wetter. Hatte fast ein schlechtes Gewissen.
Angenehm hingegen ist das Schlangenstehen. Kein Nörgeln, kein Drängeln und keine gefürchtete schweizerische Y-Schlange.
Andere Sitten sind dann weniger gepflogen. Die beiden Mitbewohner von Hannes, die irgendwas für eine kirchliche Institution machen, hatten 4 kids (kids ist untertrieben, so 16 oder so) für eine Nacht bei uns. Es gibt 2 Duschen, da habe ich eigentlich damit gerechnet, dass zeitweilig das Bad besetzt sein muss... nur was die im Bad gemacht haben??? Mein Lieblingsmoment, als die eine den Mitbewohner fragte : "should we use our own towels?" Antwort: "if you have some". Ja klar, benützt einfach mein Handtuch ohne zu fragen...und das von den hygienebessessen Amis, die sich, als das Fingerabdrucksystem am Flughafen eingeführt wurde, weniger um den Datenschutz scherten, als die Tatsache, dass jemand anders schon vorher den Finger daraufgehalten hatte.

Wenn es nicht für die totale Abhängigkeit vom Auto wäre, könnte ich mir durchaus vorstellen eine Weile zu bleiben. Irgendwie fühlt es sich doch ein wenig heimisch an. 5 Jahre sind als Kind doch eine Menge. Grundsätzlich zieht es mich in ein angelsächisches Land, denn ich hab zu meinem Erstaunen festgestellt, dass doch einige Verhaltensweise aus der Zeit haften geblieben sind. Würde mir durchaus Spass machen. Mal schauen, wohin der Wind mich treibt!

25.02.2006 um 23:15 Uhr

D.C (Teil 2)

von: breuma

Nach unserem Ausflug nach Boston, dass mir trotz Blizzard ausserordentlich gut gefallen hat (das liegt an der guten Gesellschaft!), war ich dann mehr oder weniger stationär in D.C. Hannes musste arbeiten und ich naja, Schlaf nachholen.

So habe ich den ersten Tag so verbracht, wie ich immer einen Faulenztag verbringe: Internet, T.V und Schlafen. Ihr seht es braucht nicht viel um mich glücklich zu machen. Am Abend sind wir dann nach Annapolis gefahren, wo die U.S Naval Academy ihren Sitz hat und auch sonst ein ganz herziges, koloniales Städtchen ist. Hab mich auf ersten Blick in die Stadt, den Hafen und die Navy Uniformen verliebt. Gibt es eine wissenschaftliche Erklärung für die Anziehungskraft von Uniformen auf Frauen? Es ist total lächerlich, aber dennoch unwiderstehlich  Hannes musste sich aber keine Sorgen machen, denn es war ja Valentinstag (auch wenn ich diesen Tag eher nicht unterstütze), wars trotzdem cool, dass wir ihn gemeinsam verbringen konnten. Crabcakes, ein gutes, irisches Bier und einfach Zusammensein in einem gemütlichen Pub, was will man/frau noch mehr!   Muss unbedingt mal im Sommer dorthin, das Segeln soll phänomenal sein, Hannes war mal 2 Tage unterwegs. Urs, was meinst du, kommst du mit? Segelschein machen, unbedingt!!!!

Mittwoch und Donnerstag Nachmittag war super Wetter 18C, endlich. Da konnte ich nicht in der Wohnung bleiben und Bewerbungen schreiben, sondern bin in die Stadt gefahren und rumgelaufen. Am ersten Tag habe ich die üblichen Sights erkundigt, super Fotos gemacht, Bücher gekauft (I'm such a bookworm) und bin dann noch einen Bar mit Hannes gelandet, die geniale Margaritas für 3$ gemacht hat. Die waren stark, juhui. Genialer Tag!!!

Am nächsten bin ich dann in den Arlington Cemetry, von dem man eine schöne Aussicht auf die Stadt hat. Drei Dinge sind mir aufgefallen. Erstens das Thema Fluglärm ist wohl keines, die Flieger kommen so tief, dass man zeitweise fast den Kopf einziehen will. Zweitens den Pomp des Militärs ist irgendwie beeindruckend. So war just zur der Zeit ein Militärbegräbnis mit Reiter, Band, flaggenbedecketen Sarg, Salut und allem. War U.S. Airforce. Irgendwie traurig. Drittens manche Rituale sind einfach unerklärlich. Beim Grab des Unknown Solders steht einer und macht exakt 21 Schritte, hält inne 21 Sek, wechselt und dann läuft er wieder zurück. Wieso und was das bringt, who knows....Am Abend gings dann ganz materialistisch und prosaisch nochmals in die Outlets, ganz als ob ich nicht schon zu viel Geld ausgegeben hatte. Als ich gestern die Finanzen kontrolliert habe, sind mir die Haare wirklich zu Berge gestanden.....

Freitag sind wir nach Baltimore gefahren, weils da ein super Aquarium hat und dann nur 6$ statt die üblichen 25$ gekostet hat. Es hat sich geholt, das Aquarium war wirklich nett aufgebaut und hatte eine interessante Ausstellung über Frösche. Allerdings wurden mir die Ohren mit  Tauchschwärmereien zugequasselt :).

Samstag war dann endlich mal eine wenig Sport im Fitness Center angesagt und dann musste ich leider schon wieder gehen.
Eigentlich mag ich die Flughafenstimmung total, besonders in anderen Ländern. Aber IAD ist so stressig, dass ich keine Zeit hatte, es zu geniessen. Ewigs anstehen, da man ja stets nach Fluglinie und nicht nach Destination ansteht. Allerdings picken sie die dringenden dann raus! Dann das Gepäck rüber zur Scannen schleppen (jawohl schleppen, meine Tasche war riesig) und dann noch den ganzen Security Check. Ich war gute 2h vor Abflug dort und bin gerade rechtzeitig zum boarden beim Gate angekommen. Die Prozentzahl von Leuten, die rennen müssen, ist hier aussergewöhnlich hoch. Der Flug selbst war angenehm, aber ich hasse es in Zürich anzukommen. Es ist immer irgendwie so blahhhhh Ferien vorbei, jemand woanders zurückgelassen und ich werde praktisch nie abgeholt. Also arrrgh. Aber noch 2 Monate fleissig arbeiten und bewerben und danach wieder ab in die Wolken!!!!!

15.02.2006 um 16:42 Uhr

Boston and Weekend Whiteout

von: breuma

Am letzten Donnerstag bin ich ziemlich muede von einer anstrengenden Woche in D.C angekommen. Schoen war, dass ich eine ganze Reihe fuer mich hatte, weniger schoen, dass ich das kalte Wetter von der Schweiz wohl mitgenommen hatte.
Am Freitag sind wir dann nach einer ersten traditionellen Mahlzeit (Bagel und Caffe Mocha) nach Boston hochgefahren. Meine Eindruecke: Maryland durchaus erkundenswert, New Jersey so langweilig wie der Ruf, Connetticut so schoen wie eh und je. Ich habs mir nicht nehmen lassen, einen Zwischenhalt in Rye N.Y zu organisieren und hab Hannes unser ehemaliges Haus und die Schule gezeigt. Wir haben uns kein einziges Mal verfahren, ausser in Cambridge, MA als wir endlich Breiti suchten. Bin also kein schlechter Navigator
Wir haben Breiti eingeladen und danach gleich noch in die Outlets gefahren, scheinbar habe ich zu diesem Punkt schon ganz glasige Augen gekriegt. Jetlag laesst gruessen, hab darum wohl auch nicht die noetige Kaufmotivation aufgebracht. Aber es war ganz lustig, den Maennern beim Shoppen zuzuschauen.  Hannes war zwar sehr zurueckgehaltend, zu sehr, denn er hat versucht seine Kauflust stellvertretenden durch mich auszuleben.
Anschliessend dann Futter und v.a Bier fuer alle in einem echt netten Pub.  Das einzige was fehlte: Zigis. Es war mir schlicht und einfach zu kalt um rauszugehen. Die angenehme Luft in den Bars ist wirklich ein Plus, aber  durchaus lustfeindlich. Uebernachtet haben wir bei Tom, den Landlord von Breiti. Und ja es ist wirklich wie in einem riesigen Puppenhaus oder Puppenhausmuseum. Hab gar nicht gewusst, dass man so viel Kram in einer Wohnung quetschen kann. Nichts desto trotz wars gemuetlich. Besonders da Tom in Hochform war und Breiti had to goad him, of course. Ausserdem hatte Hannes bewiesen, dass Berner durchaus schnell sein koennen beim Trinken.
Am Samstag gabs dann Sightseeing in der eisigen, aber sonnigen Stadt. Hat ungefaehr nach dem Prinzip, was angucken und schnell wieder in den Starbucks rein funktioniert. Am Nachmittag sind wir dann in unser Hotelzimmer gezogen, dass wir uns geleistet hatten. Breiti ist noch zur Besuch gekommen und gemeinsam haben wir den Pool und das Jacuzzi genossen. Hhmmm muss unbedingt schauen, dass ich einen regelmaessige gutbezahlten Job kriegen, dieses Leben ist zu schoen. Abends dann mega feines Restaurant und dann Clubbing. Leider war ich wohl zu wenig beschwipst auf jeden Fall schien der Club voller Cheerleader Typen zu sein....ich liesse er mir sagen, dass es aehnlich wie im Kaufleuten sein, was meine Laune kaum gehoben hat. Mit anderer Musik waere es wahrscheinlich besser gewesen. Irgendwann wurde es den Jungs auch zu viel und wir sind noch in eine Bar weitergezogen und nach ein paar Tequila und Bailey Shots gings mir viel, viel besser.
Am naechsten Morgen war die Welt schneebedeckt. Zwar hatten wir die Blizzard Warnung wohl gehoert, aber nicht ernst genommen, da oft jeden Flurry als Schneesturm gehandhabt wird. Haben uns nichts dabei gedacht und wollten nach dem Auschecken zum Auto. Nur kein Auto weit und breit...."during snow emergencies all cars will be towed". Taxis gabs keine mehr (scheinbar aus liability Gruenden), dafuer hat uns das Hotelpersonal einen privaten Cardienst organisiert zur Towstation. Das Ganze kostet alles in allem etwa 200$. Yep, ihr habts kapiert, es geht allein ums Geldmachen. Wir sind dennoch losgefahren, obwohl wir weder Winterpneus noch 4W Drive hatten. Gescheiterweise waeren wir in Boston geblieben. Wir sind auch nur gerade 40 Meilen oder so weit gekommen, wo wir uns eingestehen mussten, dass es viel zu gefaehrlich ist. Zweimal sind wir noch steckengeblieben und wurde beides Mal sofort von Passanten geholfen. Man kann sagen, was man will, die Leute hier sind stets hilfsbereit.  Nur damit ihr nicht glaubt, ich wuerde Blizzard maessig uebertreiben, vielerorts gabs mind. einen halben Meter und N.Y.C hat einen Rekordwert von 26, 9 inches abgekriegt!
Also nochmals Hotel und dann am Montag runter. Bis dahin waren die Strassen sehr fest gesalzen worden. Wir sind noch bei Greenwich, CT raus um die schoenen Haeuser, die Schneepracht und das Meer zu bewundern. Wir hatten keine weiteren Probleme und sind im Laufe des Nachmittags wohlbehalten in D.C angekommen. Tja jetzt hab ich wirklich schon einige Wetterphaenomen hier erlebt: einen Hurricane und jetzt noch einen richtigen Nor'easter Blizzard Ausserdem scheint Autofahren mit Hannes auch immer fuer ein Erlebnis gut zu sein :) Liebe Gruesse aus D.C M.