BLACK METAL IST KRIEG IHR WICHSER!!!

17.09.2005 um 14:09 Uhr

Black Metal

Das Wesen, die Geschichte und die Entwicklung des Black Metal oder

Von Venom über Mayhem bis hin zu Dimmu Borgir

1. Das Wesen und die Ideologie des Black Metal

Black Metal ist die extremste Art des Heavy Metal und wahrscheinlich die extremste Art von Musik überhaupt - in jeder Hinsicht. Vom Härtegrad etwa gleich wie Death Metal (nicht umsonst laufen diese beiden Stilarten unter dem Banner Extrem Metal), kommt es im Black Metal vor allem auf eine emotionale, dunkle, morbide, misanthropische und verstörende Stimmung an, die einen normalen Menschen, der nicht mit Black Metal vertraut ist, total herunterzieht und depressiv macht. Gegensätze wie bösartige Euphorie und Trauer, Licht und Dunkel, Ruhe und Aggression werden auf einem beeindruckenden künstlerischen Niveau vereint. 

Die Musik Black Metal funktioniert nur mit der Ergänzung der dazugehörigen Ideologie.  Diese dreht sich im Black Metal um  antireligiöse Themen, den Tod, Kriege, Okkultismus, Satanismus und Mythologie sowie starke Gefühle wie Hass, Wut oder Depression. Wertvorstellungen (sei es Religion, Moderichtung, Nationalität) werden nicht einfach fraglos übernommen, sondern kritisch hinterfragt und die Existenz der dunklen Seite wird nicht wie allgemein in unserer Gesellschaft verleugnet oder tabuisiert, sondern akzeptiert und verehrt. Black Metal ist die Rückbesinnung auf alte, oftmals heidnische Traditionen und die Abkehr von unserer modernen und "aufgeklärten" Gesellschaft. Black Metal richtet sich gegen Menschen, die sich an gegebene Wertvorstellungen klammern und nicht in der Lage sind, eine eigene Identität aufzubauen, weil sie zu schwach sind. Black Metal befreit von allgemeinen Werten, Normen, Regeln und Vorschriften. Dadurch lässt sich Black Metal natürlich nicht mit Religiosität, Nationalismus, Nationalsozialismus oder Rassismus vereinbaren, weil die Ideologie des Black Metal über diesen Anschauungen steht. Das Corpsepaint dient dazu, die inneren Dämonen sowie allen Hass und alle Wut zeigen zu können und allgemein die eigene Seeelenlage darzustellen. Ausserdem ist es auch eine Art Kriegsbemalung (Warpaint), da sich Black Metal oft um Kriege dreht und der Black Metal selbst ein Kampf ist. 

2. Die Geschichte des Black Metal
2.1. Die erste Welle

Der Begriff "Black Metal" tauchte das erste Mal 1982 auf, als Venom ihr zweites Album herausbrachten. Das Trio hatte bereits mit dem Debüt "Welcome To Hell" auf sich aufmerksam gemacht, hatten die Engländer doch von Anfang an ein extrem satanisches Image, das jedoch viel schwarzen englischen Humor beinhaltete. "Black Metal" schlug ein wie eine Bombe und war der Startschuss für ein ganzes Genre. Musikalisch gesehen waren Venom nicht gerade grosse Künstler und spielten NWoBHM mit Rock'n'Roll -Einflüssen, aber ihre Alben beinhalteten einen enormen Charme und transportierten eine völlig neue Atmosphäre, eine Ausstrahlung, die es bisher im Heavy Metal noch nie gegeben hatte: Böse, morbide und satanisch. 

   
"Welcome To Hell" (1981)                 Venom                          "Black Metal" (1982)    

Natürlich wurden davon viele Bands inspiriert, und so entstanden Formationen wie die Schweizer Hellhammer (die mit dem Demo "Satanic Rites" (1983) für Furore sorgten), die alsbald zu Celtic Frost wurden, oder Bathory aus Schweden.

     
      Quorthon                  "Hammerheart" (1990)

Letzt genannte waren ein Ein-Mann-Projekt von Mastermind Quorthon (R.I.P.), der mit Alben wie dem selbstbetitelten Debüt, "Blood Fire Death" (1988) oder "Hammerheart" (1990) quasi der Begründer des Viking und Pagan Metals war. Während Bathorys Musik immer sehr hymnisch, mit vielen Chören versehen und voller Pathos war, fuhren Celtic Frost die simplere Black/ Thrash-Schiene, wie auf ihrer ersten Platte "Morbid Tales" (1984), die sie aber auf "Into The Pandemonium" geschickt mit vielen Elementen des Avantgarde verknüpften und so ein Werk erschufen, dass viele Dark Metal-Bands massgeblich beeinflusste.  

      
       "Satanic Rites" (1983)                      Celtic Frost                   "Morbid Tales" (1984)

Ebenfalls ein wichtiger Einfluss war der Däne King Diamond, erst mit seiner Band Mercyful Fate und dann später mit seinem Soloprojekt. Er war einer der ersten, der Corpsepaint trug und viele theatralische Elemente in seine Konzerte einfliessen liess. Mit "Melissa" (1983) und "Don't Break The Oath" (1984) veröffentlichte er zwei Meisterwerke, die Heavy Metal - mit einer extrem hohen, sehr charakteristischen Stimme - mit einer düstern und satanischen Atmosphäre und Einstellung verbanden. 

        
      "Melissa" (1983)                King Diamond      "Don't Break The Oath" (1984)

Black Metal verschwand Ende der Achtziger immer mehr, und an seine Stelle trat der immer populärer werdende Death Metal, welcher einer der Auslöser für die zweite, ungleich extremere Welle war.

2.2. Die zweite Welle

In Skandinavien war man mit der Entwicklung des immer kommerzieller werdenden Death Metals absolut nicht einverstanden, und so kam der Black Metal als Gegenpol zurück und stand für die Wiederherstellung alter Tugenden: Satan (als Symbol des Widerstandes), Leder und Nieten. Besonders in der Hauptstadt Norwegens, in Oslo, entstand eine grosse Szene. Anführer war Oystein "Euronymous" (griechisch für "Prinz des Todes") Aarseth, der Gitarrist bei Mayhem war. Sein Plattenladen "Helvete" (norwegisch für Hölle) war der Treffpunkt und das Zentrum der Szene. Mit seiner Band war er bekannt für brutale Auftritte, bei denen die Band sich selbst verstümmelte, auf der Bühne Schafsköpfe verwendete und wo die Band verrottetes Tierfleisch ins Publikum warf. Zu dieser Zeit erschien die EP "Deathcrush" (1988) von Mayhem, die noch sehr stark an Death-Thrash der Marke Destruction oder Sodom angelehnt war, und Bands wie Emperor oder Burzum erschienen zum ersten Mal auf der Bildfläche. Auch Darkthrone, die auf ihrem ersten Album "Soulside Journey" noch dem technischen Death Metal gefrönt hatten, wechselten zum Black Metal.

       
  "Deathcrush" (1988)    Dead & Euronymous (Mayhem)          Helvete von innen        

Der "Black Circle" beherrschte die Szene und warnte Bands aus England, Schweden und Finnland davor, sich nach Norwegen zu begeben, geschweige denn, dort aufzutreten. Wer dies wagen würde, sollte bitter dafür büssen müssen. Der "Black Circle" wurde vom "Inner Circle" angeführt - bestehend aus Musikern von Mayhem, Burzum, Emperor und Darkthrone - welcher den äusseren Kreis zu Brandstiftung an Kirchen (als Kampf gegen das Christentum, das heidnische Plätze entweihte) und zu Terror gegen ausländische Bands anstiftete und auch unterstützte. In dieser Zeit wurden mindestens 17 Kirchen zerstört, darunter auch die Kirche von Fantoft, die im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Ebenfalls bis zum Grund niedergebrannt wurde die Kirche von Holmenkollen, die die Königsfamilie jeden Sonntag besuchten. 
1991 erschoss sich Dead (der Sänger von Mayhem) mit einer Schrotflinte in einer Waldhütte. 
Kurz nach dem Tod machte Euronymous Aufnahmen des toten Körpers, welche für spätere Releases verwendet wurden. Auch sollen Teile des Schädels gefunden worden und für Halsketten von Euronymous und Hellhammer (Schlagzeuger von Mayhem) verwendet worden sein. Es gibt sogar Gerüchte, die besagen, dass Euronymous Teile von Deads Gehirn gekocht und gegessen habe, wobei klar ist, dass hier viel dazugedichtet wurde. In dieser Zeit machten auch  Immortal ("Diabolical Fullmoon Mysticism" (1992)) zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Euronymous zog ein eigenes Label mit dem Namen "Deathlike Silence Productions" auf, auf dem er unter anderem auch die Band von Varg (norwegisch für Wolf) "Count Grishnackh" Vikernes, Burzum (bedeutet in Tolkien-Sprache Dunkelheit) unter Vertrag nahm. Die wichtigsten Werke von Burzum sind das selbstbetitelte Debüt (1992), "Det Som Engang Var" (1993) sowie "Hvis Lyset Tar Oss" (1994), die mit minimalistischen Mitteln eine unglaublich depressiv-kranke, böse Atmosphäre verbreiteten und sehr wichtig waren für die Entwicklung des Black Metal.

               
        "Burzum" (1992)                  Count Grishnackh               "Det Som Engang Var" (1993)

Noch davor erschien ein absoluter Überklassiker des Black Metal: "A Blaze In The Northern Sky" (1991) von Darkthrone. Mit einer bewusst matschigen und undergroundigen Produktion (als Gegenstück zu den Sunlight-Hochglanzprodukten), mit entfesseltem Kreischgesang, polterndem Drumming und unhörbarem Bass war dieses Werk prägend für unzählige nachfolgende Bands und wurde in dieser Form nie wieder erreicht. Absolut Kult!


"A Blaze In The Northern Sky" (1991)                        Darkthrone                                

Nachdem der Nachfolger von Dead, Necrobutcher, Mayhem auch schon wieder verlassen hatte, bestanden Mayhem nur noch aus Euronymous und Hellhammer. Zusammen mit Atilla Csihar als Aushilfs-Sänger und Vikernes am Bass enterte die Band das Studio, um "De Mysteriis Dom Sathanas" (1993) aufzunehmen. Mittlerweile hatten Emperor ihr legendäres Demo "Wrath Of The Tyrant" veröffentlicht und arbeiteten an neuem, deutlich progressiverem Material. 

                            
 "Wrath Of The Tyrant" (1992)    "De Mysteriis Dom Sathanas" (1993)

Zu dieser Zeit gab es eine Menge Gerüchte, der "Black Circle" hätte Probleme. Vikernes hatte seine Freunde über den Kreis informiert, was Euronymous, der sehr verschwiegen war, überhaupt nicht mochte, worauf es zu Streitereien zwischen den beiden kam. Mit der Zeit entwickelte sich ein regelrechter Hass daraus, wobei auch ein Grund war, dass der Count Euronymous vorwarf, ihn um Tantiemen aus dem Plattenvertrag betrogen zu haben. Auch war Vikernes der Meinung, dass Euonymous ihm das Mädchen Ilsa weggenommen habe (wobei es Gegengerüchte gab und gibt, die besag(t)en, dass Euronymous schwul war). Die Situation eskalierte.

2.2.1. Der Mord an Euronymous

Während Euronymous Beweise sammelte, um Vikernes wegen Brandstiftung an die Polizei ausliefern zu können, fuhren Varg Vikernes, Snorre Ruch von der Band Thorns und ein Mann namens Nagelsett zu Euronymous. Auf dem Weg liess Vikernes Nagelsett in seiner Wohnung zurück, damit ihm dieser mit lauter Musik und Schreibmaschinenlärm ein falsches Alibi verschaffen konnte. Ebenfalls überliess er ihm seine Kreditkarte, damit Nagelsett unter Vikernes' Namen einkaufen konnte, doch er verwechselte seine Kredit- mit der Telefonkarte. Weil Vikernes wusste, dass Euronymous ihm nicht öffnen würde, liess er Snorre klingeln und schlüpfte dann ins Haus. Als Euronymous die Tür öffnete, war er noch in der Unterwäsche, da er gerade erst aufgestanden war. In der Wohnung kam es zum Streit, bei dem Varg Vikernes Euronymous mit einem Messer von hinten auf hinterhältigste Weise mit 23 Stichen ermordete, darunter 16 in den Rücken und 7 in den Hals. Die Nachbarn fanden Euronymous am Morgen des 10. Augusts 1993 in einem Meer von Blut. Er wurde nur 25 Jahre alt. 

Vikernes wurde des Mordes für schuldig gesprochen und wanderte für 21 Jahre in den Knast, wobei er seine Zeit des Absitzens mit einem kürzlich gescheiterten Fluchtversuch noch verlängerte. Bei ihm zu Hause fand die Polizei über 150 Kilogramm gestohlenen Dynamits und Pläne, um weitere Kirchen zu zerstören. Im Gefängnis baute er seine nationalsozialistischen Ansichte aus, was leider viele Bands inspirierte und zur Bildung des NS Black Metal führte. Mittlerweile hat Vikernes sich völlig vom Black Metal abgewandt, fabriziert (notgedrungen) nur noch Keyboard-Sounds und sinniert über UFOs nach. 

Posthum nach Euronymous' Tod erschien dann "De Mysteriis Dom Sathanas", welches sofort absoluter Kult wurde, auch wegen der Tatsache, dass auf dem Album Täter und Opfer noch vereint waren.

Cronos von Venom sagt heute, dass er sich komisch fühle, wenn Bands aus Norwegen sich auf seinen Namen berufen haben, denn die Intention hinter Venom waren nie kriminelle Akte wie Kirchen abfackeln. Auch viele Leute, die damals involviert waren, distanzieren sich heute von den passierten Dingen und tun sie als jugendlichen Leichtsinn ab. 

Doch zurück zur Musik: Bands wie Immortal und Marduk (mit denen Euronymous Kontakt hatte) machten mehr und mehr auf sich aufmerksam, und Emperor veröffentlichten mit "In The Nightside Eclipse" (1994) einen bahnbrechenden Klassiker, der den Black Metal auf eine neue Ebene hievte. Das Material war nun, wie oben schon erwähnt, viel progressiver und beinhaltete auch Keyboards. Fortan sahen viele Szenewächter Emperor als untrue an und verachteten sie, was mehr als bedauerlich ist.  Marduks vorläufiger Höhepunkt war nach diversen Klassealben das "Reign In Blood des Black Metal", "Panzer Division Marduk" (1999).

   
"In The Nighside Eclipse" (1994)           Immortal                                 Marduk                    

Nun erschienen eine Menge neuer Bands auf der Bildfläche: Gorgoroth, Dimmu Borgir (isländisch für "Dunkle Burg", benannt nach einem isländischen Geysir-Gestein, von dem man sagt, dass sich darunter der Eingang zur Hölle befinde), Satyricon und Ulver.


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