Mandragora

06.11.2005 um 16:35 Uhr

Kunst und Liebesbezeugung...

von: molinax



  1. Welche Rolle spielt die Kultur in deiner Liebesbeziehung?
  2. Wie gestaltet sich das Zusammenspiel von Zwischenmenschlichkeit und Geist?
  3. Wie befruchten sich Sexualität und Sittlichkeit?
Natürlich gibt es entsprechend der hier in groben Zügen entworfenen Fragestellung keine logisch strenge Abgrenzung bezüglich der Themen und Thesen, welche in dieses WEBLOG Eingang finden mögen.
Entscheidendes Qualitätskriterium aber scheint mir der subjektive, auf persönlichen Erfahrungen beruhende Zugang zum Thema. Vielleicht fühlen sich andere durch euren Beitrag inspiriert...

Herzlich viel Spass!
Xavier



                                                                             


Beim vorliegenden Text handelt es sich um ein erst kürzlich durch einen Papyrustext vervollständigtes Gedicht aus dem vierten Buch der Lieder der altgriechischen Lyrikerin Sappho (NZZ 1.12 2004). Sappho, um 600 v. Chr. geboren, gilt als Begründerin der europäischen Liebeslyrik.






Sappho

begeistert ihr euch für das schöne das euch die musen schenken
mädchen, die veilchen ihres busens, ihre klar gestimmte lyra:

meine sich einmal rankende gestalt aber hat das alter jetzt
in der gewalt: weiss geworden ist mir das schwarze haar

hart und schwer das herz; meine beine tragen mich nicht
mehr zum tanz, leichtfüssig, wie früher einem reh gleich.

der misston meiner klagen - ich kann nichts dagegen tun;
dem griff des alters zu entfliehen, als mensch, ist aussichtslos.

tithonos hat damals die rosenarmige, sagt man, von der liebe
geblendete dämmerung bis an das ende seiner welt gebracht.

jung wie er war und hübsch; aber auch ihn holte die zeit ein
packte ihr grau - trotz einer frau, die unsterblich ist, eine göttin!

Aus dem Altgriechischen von Raoul Schrott