Kunst und Liebesbezeugung...
- Welche Rolle spielt die Kultur in deiner Liebesbeziehung?
- Wie gestaltet sich das Zusammenspiel von Zwischenmenschlichkeit und Geist?
- Wie befruchten sich Sexualität und Sittlichkeit?
Entscheidendes Qualitätskriterium aber scheint mir der subjektive, auf persönlichen Erfahrungen beruhende Zugang zum Thema. Vielleicht fühlen sich andere durch euren Beitrag inspiriert...
Herzlich viel Spass!
Xavier
Beim vorliegenden Text handelt es sich um ein erst kürzlich durch einen
Papyrustext vervollständigtes Gedicht aus dem vierten Buch der Lieder
der altgriechischen Lyrikerin Sappho (NZZ 1.12 2004). Sappho, um 600 v.
Chr. geboren, gilt als Begründerin der europäischen Liebeslyrik.

Sappho
begeistert ihr euch für das schöne das euch die musen schenken
mädchen, die veilchen ihres busens, ihre klar gestimmte lyra:
meine sich einmal rankende gestalt aber hat das alter jetzt
in der gewalt: weiss geworden ist mir das schwarze haar
hart und schwer das herz; meine beine tragen mich nicht
mehr zum tanz, leichtfüssig, wie früher einem reh gleich.
der misston meiner klagen - ich kann nichts dagegen tun;
dem griff des alters zu entfliehen, als mensch, ist aussichtslos.
tithonos hat damals die rosenarmige, sagt man, von der liebe
geblendete dämmerung bis an das ende seiner welt gebracht.
jung wie er war und hübsch; aber auch ihn holte die zeit ein
packte ihr grau - trotz einer frau, die unsterblich ist, eine göttin!
mädchen, die veilchen ihres busens, ihre klar gestimmte lyra:
meine sich einmal rankende gestalt aber hat das alter jetzt
in der gewalt: weiss geworden ist mir das schwarze haar
hart und schwer das herz; meine beine tragen mich nicht
mehr zum tanz, leichtfüssig, wie früher einem reh gleich.
der misston meiner klagen - ich kann nichts dagegen tun;
dem griff des alters zu entfliehen, als mensch, ist aussichtslos.
tithonos hat damals die rosenarmige, sagt man, von der liebe
geblendete dämmerung bis an das ende seiner welt gebracht.
jung wie er war und hübsch; aber auch ihn holte die zeit ein
packte ihr grau - trotz einer frau, die unsterblich ist, eine göttin!
Aus dem Altgriechischen von Raoul Schrott

