Weblog von Ueli

29.01.2006 um 03:59 Uhr

Reisebericht 11: Im Museo del Oro precolumbino

Im Museo del Oro Precolumbino - Huellas doradas - Goldene Spuren

Auf meinem Spaziergang am Samstag hatte ich auch das Goldmuseum der costaricanischen Nationalbank, das sich unter der Plaza de la Cultura befindet, besucht.

Es hat mich so fasziniert, dass ich mehrere Stunden blieb. Hier wird nicht nur die Geschichte der costaricanischen Muenze, der Entwicklung des Geldverkehrs und der Banknoten auf aeusserst spannende Weise dargestellt, der Hauptteil des Museums befasst sich in meisterhafter Art mit der Geschichte des Goldes im praekolumbischen Costa Rica, und damit verbunden ist die Geschichte des Menschen vor Kolumbus von den Anfaengen an bis zum Auftauchen der Spanier in jener Weltgegend.

Anschaulich, leicht verstaendlich und didaktisch hervorragend wird das Herkommen, die Gewinnung, die Verarbeitung und Verwendung des Goldes, seine Bedeutung in Wirtschaft, Handel, Kunst, Kultur und Religion aufgezeigt, sein Verschwinden als Kulturbestandteil der dortigen Menschen nach dem Erscheinen der Spanier nachgezeichnet.

Von den ersten Jaeger- und Sammlerkulturen 10´000 v. Ch. ueber das Auftauchen der ersten Spuren einer Goldverarbeitung um Ch. Geb. bis zur Dezimierung dieser Voelker nach 1500 n. Ch. sind wundervolle Artefakte zu bestaunen. Heute leben nur noch einige Tausend Nachkommen dieser fruehen Bevoelkerung Costa Ricas in 8 Doerfern, verstreut ueber das ganze Land, das etwa soviel Flaeche aufweist wie die Schweiz.

29.01.2006 um 03:27 Uhr

Reisebericht 10: In San Jose/Costa Rica

In San Jose - Costa Rica

Als ich am Freitag, 27.1.06 gegen Abend mit einem kleinen 2-motorigen Hochdecker mit 16 Sitzplaetzen auf einem Nebenflugplatz in der Hauptstadt Costa Ricas landete, war mir schon etwas mulmig zumute, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich mein Hotel Ritmo del Cariibe erreichen koennte.

Die wartenden Taxichauffeure machten keinen Vertrauen erweckenden Eindruck, und ich wies alle Angebote schroff zurueck. Da tauchte ploetzlich ein gepflegtes Auto eines offiziellen Taxiunternehmens auf, und ich riss es mir sofort unter den Nagel. So schnell und so ruecksichtslos hatte ich noch nie ein Taxi in Anspruch genommen.

Mit den drei aeltesten Tricks des gewieften Taxikunden habe ich den Fahrer dazu gebracht, mich tatsaechlich durch den dichten Stossverkehr der hereinbrechenden Nacht zu meinem Hotel zu bringen: a) Ich habe behauptet, einen Voucher fuer Uebernachtungen zu besitzen, obwohl ich nur reserviert hatte; b) Ich habe ihn nach seiner Familie und insbesondere nach seinen Kindern gefragt; c) Ich habe seine Telefonnummer fuer allfaellig weitere Taxifahrten erfragt. So hat der taxista seine Bedenken, mich in jene "unsichere" Gegend, statt lieber in ein "sicheres" Hotel seiner Wahl zu fahren, doch noch ueberwunden. Bei diesem Spielchen geht es natuerlich immer um Provisionen fuer den Taxifahrer.

Anderntags durchstreifte ich spazierend das geschaeftige Zentrum von San Jose. Hier sind die Auslagen aehnlich reichhaltig wie in Mexico D.F. Die Leute sind alle ein Bisschen in Eile und es herrscht ein grosses Gewimmel in der Fussgaengerzone. Der Ueberhang amerikanischer Touristen ist hier nicht so stark spuerbar. Die meisten Leute hier tragen Jeans oder Touristenhosen, Frauen in Jupes sieht man nur vereinzelt, und es fehlt natuerlich auch die Eleganz und der Charme der kubanischen Frauen. Man raet mir ab, mich allzuweit von der Hauptachse im Zentrum, dem Paseo Colon und der Avenida Central zu entfernen. Abends gibt’s in dem Quartier, in dem ich wohne, keinen Alkoholausschank in den Restaurants. Es findet in der Naehe ein religioeses Treffen statt. Die Polizei hat einen Teil der Strasse abgesperrt. Viele Leute versammeln sich mit ihren Familien vor dem Podest, von dem die Gebete meilenweit durch die Gegend droehnen.

27.01.2006 um 01:16 Uhr

Reisebericht 9 - Nicaragua II - Im Herzen Nicaraguas

Nicaragua II - Im Herzen Nicaraguas

Als Standort fuer meine weiteren Exkursionen hatte ich mir Granada, die schoene Kolonialstadt am Ufer des Nicaragua-Sees ausgesucht. Hier machte ich Station im Hotel Alhambra, am Parque Central. Die Parkplaetze vor dem Hotel werden bewacht, ein nicht zu unterschaetzender Vorteil.

Das westliche Hochland mit seiner Vulkankette, angrenzend an den Pazifik und gepraegt von seinen beiden grossen Seen, dem Lago de Managua und dem Lago de  Nicaragua, ist der Lebensnerv des Landes, das dreimal so gross wie die Schweiz ist. Hier lebt die Mehrzahl seiner 5,5 Mio Einwohner.

Granada ist eine malerische, geschaeftige und laute Stadt, ueberschwemmt von amerikanischen Touristen, die das Bild praegen. In diesen Tagen findet gerade ein Treffen amerikanischer Aerzte statt, die alle in ihren gruenen Operationskitteln in den Restaurants sitzen und im Park herumspazieren. Man kann sie von den Reinemachefrauen und den Strassenwischern kaum unterscheiden, da diese die gleiche gruene Oberbekleidung tragen.

Die zudringlichen Strassenverkaeufer, die Bettler, Verwahrlosten, Betrunkenen, Schuhputzerjungen und herumlungernden Jugendlichen, der unsaegliche Kitsch, der ueberall feilgeboten wird, laesst einen mit Sehnsucht an Antigua Guatemala zurueckdenken. Und man erinnert sich an Kuba, wo jedes herumlungernde Kind waehrend der Unterrichtszeit von der Polizei zur Schule gebracht wird und sich anschliessend Sozialdienste um die Eltern kuemmern. Die Stadt weist mehr Internetcafes als Kirchen und Museen auf, und ich kann mich kaum beherrschen, von diesen guenstigen Angeboten Gebrauch zu machen.

 

Ein Tagesausflug bringt mich nach San Jorge, dem Einschiffungsort fuer die Autofaehre zur beruehmten Vulkan-Doppelinsel Omotepe im Nicaragua-See. Doch die ganze Umgebung der Hafenanlagen macht einen sehr verwahrlosten Eindruck, herumlungerndes Volk, wartende Lastwagenchauffeure, schmierige Restaurants und nicht sehr freundliches Faehrpersonal. Es gelingt mir nicht, einen fixen Rueckfahrttermin in Erfahrung zu bringen. Vermutlich faehrt sie nur, wenn sie voll beladen ist, aber das ist mir zu unsicher, und um das Ganze auf oeffentliche Verkehrsmittel umzustellen, ist es zu spaet, die Informationen zu mager. Im benachbarten Ort Rivas finde ich dann immerhin ein Caf・und einen freundlichen Kellner, der mir eine gute Pizza serviert. Zurueckgekehrt in Granada muss ich mir sagen> Dieser Tag war fuer die Katz!

 

Den naehsten Tag verbringe ich an der Laguna de Apoyo, einem wunderschoenen Kratersee von etwa 1,2 km Durchmesser. Die Abhaenge des Kraters sind mit Baeumen und Bueschen dicht bewachsen. Vom Restaurant auf dem Aussichtspunkt El Mirador nahe Catarina geniesst man eine herrliche Aussicht auf den See, die Ebene dahinter und den Vulkan Mombacho. Starke Windboeen lassen mich im Restaurant verharren und die Zeit schreibend und betrachtend verbringen. Nur die penetrant vorbeiklimpernden und Obolus erheischenden Musikanten nerven. Wuerzige Rindsfiletstuecke a la plancha, rauchend und brutzelnd dargebracht auf einer heissen Eisenplatte, versoehnen mit dem aufdringlichen Getue der Ramschverkaeufer, die einen auch im Restaurant nicht in Ruhe lassen.

 

Ein laengerer Spaziergang anderntags vorbei an der Kirche Guadelupe zum Hafen bietet leider ausser einem huebschen Hafengebaeude, das nur Passagiere betreten duerfen, das gleiche verwahrloste Bild wie in San Jorge. Abends wird gepackt, da ich am folgenden Tag, Freitag den 27.1.06, in einer kleinen fliegenden Kiste nach San Jose/Costa Rica fliege. Fuer dort habe ich etwas ganz Spezielles im Sinn.

 

Insgesamt hat mir Guatemala besser gefallen als Nicaragua, aber das mag ein sehr subjektiver Eindruck sein. Und ich habe natuerlich die grossen Regenwaelder der Tiefebene der atlantischen Region und die karibische Kueste nicht gesehen. In meinem Kopf haengen bleibt mir aber ein Projekt fuer spaetere Tage, eine Bootsreise von Leon Viejo durch den Managuasee zum Rio Tipitapa in den Nicaraguasee und weiter auf dem Rio San Juan zur karibischen Kueste, ein Fluss- und Seeweg, den auch die spanischen Eroberer einst benuetzt haben.

 

26.01.2006 um 03:10 Uhr

Reisebericht 8: Nicaragua I - Im Norden

Nicaragua I - Im Norden

Natuerlich ist jedem Zeitungsleser meines Alters der Sandinistenaufstand und das Ende der Somozadiktatur Ende der 70er-Jahre in lebhafter Erinnerung. Da ich fuer Nicaragua keine besonderen Erwartungen an bestimmte Besuchsziele hegte, beschloss ich, nach Managua zu fliegen, dort ein Auto zu mieten und alles Weitere auf mich zukommen zu lassen. Aber ganz ohne Planung gieng es denn doch nicht! Im Hotel nahe des Flughafens stellte ich mir am Vorabend aus Reisekatalogen eine moegliche Rundreiseroute zusammen, wohl wissend, das die Reiseunternehmen nur “sichere” Routen empfehlen. Ich halte diesen Ideenklau fuer tolerierbar, weil ich die gesamte Reiseplanung, Etappenziele, Verpflegung, Hotel, Kartenmaterial usw. selbst leiste. Die Unternehmen sind schlau genug, diese Daten nicht im Voraus bekannt zu geben.

Auf dem Weg in die Regen- und Nebelwaelder des noerdlichen Hochplateaus um Matagalpa, wo der beste Kafee waechst, besuchte ich Leon Viejo, die am 31.12.1609 verschuettete, neben Granada erste Stadt Nicaraguas. Hier liegt noch immer der enthauptete Gruender Nicaraguas, Francisco Hernandez de Cordoba begraben. Der “Cordoba” ist uebrigens die Waehrungseinheit Nicaraguas. Die im Eintrittspreis inbegriffene Fuehrung gibt einen interessanten Einblick in die Art, wie Spanier ihre fruehen Kolonialstaedte angelegt haben und welche Gebaeude und Institutionen zentral waren. Auf dem befestigten Huegel hat man einen schoenen Blick auf den Vulkan Momotombo, den Managua-See und die Vulkaninsel Momotombino. Ein Blick auf die Karte Nicaraguas laesst unschwer die damalige Einfallsachse der Spanier erkennen und macht die Standortwahl von Leon und Granada knachvollziehbar. Die junge Fuehrerin ist sehr belesen und gibt auch gerne Auskunft ueber das Leben der gegenwaertigen Bevoelkerung, ueber Tiere, Pflanzen und Fruechte. Sie freut sich ueber meine vielen Fragen und bedankt sich zum Schluss. Das war ein sehr unterhaltsamer Spaziergang.

 

Fuer einen Halt in der heutigen Universitaetsstadt Leon reicht die Zeit leider nicht mehr. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, aber der pitoreske Charme der Kolonialstadt mit der riesigen Kathedrale laesst sich auch vom Auto aus fluechtig erhaschen. Nach dem Weg nach Matagalpa zu fragen, erweist sich als zwecklos, denn niemand der Befragten weiss, wie man von hier zur 143 km entfernten Kaffeemetropole kommt. Wenn man aber nach dem Weg nach Telica oder San Jacinto fragt, zwei benachbarte Orte auf der Route nach Matagalpa, erhaelt man bereitwillig Auskunft. Die Strasse, die immerhin zwei Provinzen miteinander verbindet, besteht aus einer stetigen Abfolge von Schlagloechern, denen es in kurviger Fahrt unter Beruecksichtigung des uebrigen Verkehrs auszuweichen gilt. Treten dann gleichzeitig noch Orientierungsprobleme auf, weil Wegweiser und verlaessliche Karten fehlen, sind Umwege und Umkehrfahrten unausweichlich, da man gleichzeitig auch noch auf spielende Kinder, grasende Kuehe und ein- und aussteigende Buspassagiere achtgeben muss. Aber man gewoehnt sich daran, wie auch an die oft “seltsamen” Auskuenfte der Einheimischen. Eine Abzweigung in einer groesseren Provinzstadt wie etwa Masaya wird etwa wie folgt beschrieben: “bei der Palme links, 3 km!” Und man findet die Palme! Auf Zeit- oder Distanzangaben sollte man sich aber besser nie ganz allein verlassen. Die wichtigsten Hauptstrassen im Land sind gut ausgebaut, aber das uebrige Strassennetz, auch in den Staedten, kann einem schon den Nerv toeten, Eile mit Weile ist angesagt!

 

Faehrt man nach 16 Uhr durch Matagalpa, eine Bergstadt mit unbeschreiblichen Strasenverhaeltnissen, trift man ueberall auf die heimkehrenden Arbeiter und Arbeiterinnen aus den Kaffeeplantagen. Vor den Verarbeitungsbetrieben stehen prall gefuellte Saecke voll getrockneter Bohnen und Lastwagen mit hochaufgetuermten Ladungen transportieren das kostbare Gut weiter. Die Strasse beginnt nun stark anzusteigen, und man kurvt durch eine wildromantische Gebirgsgegend, staendig den Schlagloechern und entgegenkommenden Lastwagen ausweichend.

Mein Ziel heist “Selva Negra”, “Schwarzwald”, eine Kaffeeplantage deutscher Einwanderer mit Beherbungsmoeglichkeit, die mir in Managua empfohlen worden ist. Ein zerschossener Panzer bei der Abzweigung und die Zugangskontrolle mit Schlagbaum unterhalb des Komplexes laesst Zweifel an der richtigen Auswahl des Ziels aufkommen. Es regnet, es ist kuehl und windig. Ich ereiche das Haupthaus, aeusserlich im Blockhausstil, um das sich Bungalows und weitere Gebaeude gruppieren. Das Ganze macht mir den Eindruck einer adlerhorstaehnlichen Bergfestung, malerisch an einem kleinen kuenstlichen “Schluchsee” gelegen. Doch wie draussen das Wetter, erweist sich die Atmosphaere im Restaurant, das Schwarzwaeldergeist der 30er-Jahre atmet, als kuehl und wenig einnehmend, umsomehr als das Besitzerehepaar auch Kuehl heisst. Einzig die alten Fotos der deutschen Kolonie, die bereits im 19. Jh. in Matagalpa gegruendet worden war, sind sehenswert. Die Terrasse mit Seeanstoss ist des schlechten Wetters wegen nicht benuetzbar. Auf der Speisekarte sind natuerlich auch die ueblichen Schwarzwaeldergerichte aufgefuehrt, aber wer um Gotteswillen isst in Nicaragua Sauerkraut? Von Spaziergaengen kann keine Rede sein, und auch eine Fuehrung durch die Plantage anderntags verspricht infolge des Wetters nicht viel. Ich verbringe eine Nacht im kalten Bungalow und reise am andern Morgen frueh Richtung Nicaragua-See und Granada wieder ab. Ab Sebaco ist die Strasse sehr gut ausgebaut, und ich komme gut voran.

23.01.2006 um 22:29 Uhr

Reisebericht 7: Auf dem Markt von Chichicastenango

Auf dem Markt von Chichicastenango

In meiner Schulzeit, als Halbwuechsiger, war ich erstmals auf diesen Namen gestossen und sein Rhythmus und sein Wohlklang hatten mich so in den Bann gezogen, dass ich diesen Namen oft vor mich hinmurmelte, wenn ich eintoenige Arbeiten zu verrichten hatte. Das emsige Markttreiben, die farbenfrohen Stoffe befluegelten viele Jahre hindurch meine Fantasie. Als dann der Plan einer Reise durch Mittelamerika naeher rueckte, als ich die Gattin eines kubanischen Freundes kennen lernte, die sich Chichi nannte, war es klar, dass ich Chichicastenango besuchen wuerde, gehauen oder gestochen.

Mit dem Bus verliess ich Antigua morgens frueh und erreichte nach 2 1/2 stuendiger Fahrt Chichi, wie es hier genannt wird. Viele Busse spuckten ihre Touristen aus. Man erkennt sie sofort, weil sie die kleingewachsenen Leute hier meist um mehr als Kopfesgroesse ueberragen. Das Schlendern durch das Gewuehl in den Gassen macht Spass, es herrscht eine froehliche Stimmung, und es war tatsaechlich so, wie ich es mir all die Jahre vorgestellt hatte. Die Stoffe und Tuecher, die ueberall aufgehaengt sind, die Decken und Huete, die Macheten und Masken, der Schmuck sind fein gearbeitet und nicht etwa Kitsch. Der uebliche Souvenirramsch ist hier nicht zu finden. Die Frauen tragen die traditionelle Kleidung ihres Dorfes, und die Einheimischen erkennen so sofort, woher die Leute kommen.

Auf den Treppenstufen zur Kirche San Tomas knien die indigenos und bringen ihr beissendes Rauchopfer, ein Blumenmeer bedeckt den Zugang zur Kirche, und im mit einer dunklen Holzdecke versehenen Innenraum werden auch Mayagoetter verehrt. Ueberall brennen auf Opferstoecken Kerzen.

Viele Studentinnen und Studenten, viele aus Franzoesisch-Kanada, kaufen hier sackweise Strick- und Wirkwaren ein, um damit in Antigua ihr Taschengeld aufzubessern. Natuerlich schicke ich eine Karte aus Chichi an Chichi in Kuba. Der Posthalter erscheint verdutzt. Mal sehen, ob die Karte ankommt! Nachdem ich mir noch den Saeulimaert angesehen habe, trete ich am Nachmittag die Rueckfahrt an, um mich danach fuer den Flug nach Managua/Nicaragua vorzubereiten.

23.01.2006 um 21:52 Uhr

Reisebericht 6: Der Atitlan-See

Der Atitlan-See

Die 2 1/2 stuendige Busfahrt nach Panajachel fuehrt ueber eine Gebirgsstrecke zum Ort Solola, bevor sich die Strasse in haarstraeubenden Windungen zum See hinunterstuerzt. Ich bin sehr gespannt, wie dieser See wohl auf mich wirken wird, denn die Reiseprospekte sind darueber des Lobes voll, besonders seit der englische Schrifsteller Aldous Huxley diesen See als den schoensten der Welt bezeichnet hat.

Das emsige Touristiktreiben erleichtert mir den Entschluss fuer eine vierstuendige Seerundfahrt (100 sFr.) ein Privatboot mit Fuehrer zu mieten. Die den tiefen See umgebenden Vulkane sind gelegentlich mit Wolkenfetzen verhangen, das Wetter ist angenehm, aber es frischt ein Wind auf, die Wassertemperatur betraegt etwa 20 Grad. Um den See verteilt sind kleine Ortschaften gelegen, die den Namen der Apostel tragen und per Boot erreicht werden koennen.

Wir suchen zuerst Santiago  Atitlan auf, der groesste Ort, der aber vom Tourismus gepraegt wird, was mich dazu bringt, etwas ausserhalb der Stadt im schoen gelegenen Hotel Bambu  das Mittagessen einzunehmen und auf der Terrasse mit Blick auf den See seinem besonderen Reiz nachzuspueren, der sich mir einfach nicht offenbaren will. Mein Bootsfuehrer erzaehlt mir von seiner Familie, seinem Beruf und natuerlich auch von der ungeheuren Ueberschwemmung vom letzten Oktober, der viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Der normalerweise tiefblaue See sein damals eine gelbbraune Pfuetze gefuellt mit Unrat gewesen.

Je weiter wir den See umrunden, desto weniger kann ich Huxley verstehen. Natuerlich hat der Begriff "Schoenheit" oder "das Schoenste" immer auch einen individuellen, persoenlichen Hintergrund, seien es eigene Gedanken, Gefuehle oder Erlebnisse, die sich damit verbinden. Aber was mochte der Hintergrund von Huxley gewesen sein, ihn so besonders schoen zu empfinden? Hatte Huxley nie etwas von Hermann Hesse gehoert, kannte er nicht den Luganersee, den Vierwaldstaettersee, den Thuner und Brienzersee mit ihrem unvergleichlichen Panorama? Mag sein, dass ich nicht die richtigen Aussichtspunkte, das richtige Wetter, die richtige Tageszeit erwischt hatte. Die Faszination dieses Sees wollte sich bei mir einfach nicht einstellen.

In San Pedro, unserer naechsten Station, erlebte ich eine weitere Enttaeuschung, und ich ergriff vor all den Zoepfchen-Rastas, den Selbstverwiklichern und Seelengurus, den Moechtegernhippies und Esoterikmusikanten, die in zerlumten KLeidern herumschlurften schlaeunigst die Flucht. Hier seien alle Formen von Drogen sehr leicht zu erhalten, liess ich mir sagen. Es gefiel mir besser, in zwei weiteren Flecken dem Dorfalltag der Einheimischen zuzusehen und den Blick ueber den See schweifen zu lassen.

Abends dann, am hoteleigenen Mac, erfuhr ich, dass Huxley "Versuche" mit Mescalin angestellt hatte, als er nach LA uebersiedelt war. Es liegt wohl nahe zu vermuten, dass sich Huxley hier, am Ufer des Atitlan-Sees, einige billige Drogenraeusche geleistet hat, wozu er nach Guatemala gekommen war, und dass diese Erfahrungen sein Bild vom See moeglicherweise ueberhoeht haben. Der See hatte sich damit bei mir endgueltig entzaubert, und ich beschloss, diesen Huxley zu vergessen und mich Wichtigerem zuzuwenden.

 

 

23.01.2006 um 21:13 Uhr

Reisebericht 5: Antigua Guatemala

In Antigua Guatemala

In der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas, Antigua, der wohl bezauberndsten Kolonialstadt Mittelamerikas (jedes Land hier hat mindestens eine solche "schoenste" oder "aelteste" Kolonialstadt Lateinamerikas!), lebte ich fast eine Woche in zwei verschiedenen posadas, kleinen herzigen Familienhotels oder -herbergen, von denen es in Antigua unzaehlige gibt. Die von Vulkanen umgebene Stadt wurde beim furchtbaren Erdbeben von 1773 zugunsten von Guatemala City (etwa 40 km entfernt) aufgegeben und erst uim 19. Jh. wieder besiedelt.

Aber sie zeugt auch heute noch mit dem gewellten Kopfsteinpflaster, den farbigen, meist einstoeckigen Gebaeuden, die wunderschoene Innenhoefe in sich bergen, den unzaehligen Kirchen, Plaetzen und Brunnen, den Palaesten und der Universitaet vom Glanz einstiger Tage.

Die malerischen Restaurants in den praechtigen mit tropischen Pflanzen versehenen Innenhoefen, dasjenige z.B. von Doña Luisa, laden ein zur beschaulichen Einkehr. Die posada San Bernardin ist vollgestopft mit Antiquitaeten aus verlassenen Gebaeuden, ich schlafe in einem Eisenbett, das vermutlich aus dem ehemaligen Krankenasyl stammt und an dessen Gestaenge noch Verkrustungen des Erdbebens sichtbar sind.

Die Stadt ist von Hunderten von amerikanischen Studentinnen bevoelkert, die hier ihren Spanischkurs belegen und abends in Ricky's Bar oder im Cafe Condesa ihre ersten spanischen Sprachbrocken zum Besten geben.

Die Leute hier sind sehr freundlich, von bedaechtigem Habitus, geben gerne Auskunft, und alle sind sie mit einem Handy ausgeruestet, selbst die Grossmutter telefoniert staendig waehrend der Busfahrt. Unvorstellbar, wie das Leben frueher ohne Handy funktioniert hat!

Die Plaza Mayor ist der Treffpunkt fuer alle hier, und wenn man etwas erfahren will, geht man hieher, man kommt leicht ins Gespraech. Das Wasser des grandiosen Brunnens in der Mitte entspringt den in Stein gehauenen Bruesten junger Frauen. Die Wirkung der verschiedenen Erdbeben sieht man am besten an den Gewoelbeboegen der riesegen Kathedrale, von der nur noch ein allerdings immer noch beeindruckendes Querschiff fuer Gottesdienste benuezt werden kann. Die Kirche San Pedro, wo am Sonntagabend um 18 Uhr die Messe gelesen wird, ist uebervoll mit einheimischen Familien.

Das Leben hier in Antigua Guatemala ist malerisch, beschaulich und sehr guenstig, ausser den Wohnungen, wie man mir sagt. Ich koennte mir gut vorstellen, in dieser Stadt laenger zu leben.

 

 

16.01.2006 um 18:09 Uhr

Reisebericht 4: Die Welt der Mayas

Die Welt der Mayas

 

Fuer meinen Aufenthalt im Staat Chiapas hatte ich mir drei Besuchsziele vorgenommen. Informationen von verschiedenen Seiten liessen es mich als geraten erscheinen, mich fuer den Besuch dieser Sehenswuerdigkeiten Gruppen anzuschliessen, zumal mich Rueckenschmerzen plagten.

Der Besuch der Wasserfaelle von Misol-Ha, Agua Clara und Agua Azul gaben Gelegenheit, die Gebirgsgegend von Chiapas vom Minibus aus kennen zu lernen und die Ruhe der Natur zu geniessen. In dieser Jahreszeit ist das Klima angenehm, die Besucherstroeme halten sich in Grenzen.

Wenn Zeit bleibt, an einem stillen Ort zu verweilen, dem Spiel des Wassers zuzusehen, sein Rauschen als Wohlklang zu empfinden und den eigenen Gedanken nachzuhaengen, scheint man entrueckt zu sein in eine andere Welt und in eine andere Zeit. Die kleine, saubere Huette mit Palmdach, ein paar Tische, die junge, freundliche Frau, die frische empanadas zubereitet, Teigtaschen, koestlich gefuellt mit Huehnerfleisch oder Kaese, gebacken im heissen Oel, freundliche Worte, der Blick auf das stroemende Wasser, das Leben, ein Traum! Agua azul, blaues Wasser, es ist aber weiss!

Noch im Dunkel des anbrechenden Morgens startete ich am naechsten Tag mit einer andern Reisegruppe zu den Ruinen von Yaxchilan und Bonampak, eine Busfahrt, die etwa 3 1/2 Stunden in Anspruch nimmt. Hatte mich der Morgenkaffee im Hotel noch nicht ganz munter gemacht, schaffte dies mit Leichtigkeit ein pausenlos mit ausladenden Gebaerden herumschwafelnder US-Amerikaner, der sich als gewoehnlicher Teilnehmer wie ein schlechter Reiseleiter aufzufuehren erfrechte. Ich konnte mich seiner knapp erwehren, indem ich ihm etwas bockbeinig zu verstehen gab, dass ich es nicht schaetze, am fruehen Morgen schon Schwachsinn zu reden, was bei den Mitreisenden groessere Heiterkeit ausloeste.

Mit dem Boot erreichten wir um die Mittagszeit Yaxchilan, eine im Urwald versunkene, geheimnisvolle Mayastadt der klassischen Periode (250-900 n.Chr.) am Ufer des Rio Usumacinta. Die grosse Stille wird nur durch das Geschrei der Bruellaffen unterbrochen. Schoen, das Gelaende allein durchstreifen zu koennen, die verschiedenen Formen der Gewoelbe und Tuerstuerze zu studieren und ueber die Bedeutung des Ballspiels bei den Mayas nachzudenken. Der nahe Fluss fordert zu Ueberlegungen zum Verbindungs- und Transportwesen der Mayas auf.

Auf der Rueckfahrt mit dem Boot – man ist gehalten, Schwimmwesten zu tragen – beobachten wir viele Caimane, und der bange Betrachter fragt sich natuerlich, was jene angesichts der klappenden Caiman-Maeuler denn eigentlich sollen. Erinnerungen an Bootsfahrten in Thailand, Australien, Canada und Europa werden wach. Man erinnert sich etwa mit groesstem Vergnuegen daran, dass Ursa Strasser vor Jahren bei der Beschreibung einer Loire-Fahrt das Fortbewegungsmittel partout als “Ruder” und nicht etwa als “Paddel” zu bezeichnen geruhte, dies aus Gruenden des sprachlichen Wohlklangs, wie sie damals voellig ueberzeugend ausfuehrte.

Der anschliessende Besuch von Bonampak gestaltete sich angesichts der im letzten Jahr besichtigten Ueberreste in Yucatan ernuechternd, da man hier nur die Plaza und die Akropolis besuchen kann, doch sind Original-Wandmalereien zu besichtigen.

Der naechste Tag war dem Besuch der Ruinenstaette von Palenque vorbehalten, eine grossartige, weitraeumige Anlage, mit Turm und einem System der Wasserversorgung. Koenig Pacal soll 81 Jahre alt geworden, ein guter Koenig, aber von einem ausnehmend haesslichen Aeussern gewesen sein.

Palenque machte mir den Eindruck einer groesseren Provinzstadt mit mannigfachenh Beziehungen zu andern Zentren in einer Zeit, als bei uns –Spaetantike und Fruehmittelalter – Kleinraeumigkeit vorherrschte. Warum sind keine Mayastaetten auf den Karibikinseln entstanden? Handelsbeziehungen gab es sicher, und navigieren konnten die Mayas.

Das heutige Staedtchen Palenque ist eine typische, nette mexikanische Kleinstadt, in der Hochsaison natuerlich vom Tourismus ueberflutet, das Museum sehenswert. Ich schliesse abends meinen Aufenthalt in Palenque ab. Vier Naechte im Viersternhotel mit Fruehstueck, 3 Ganztagesexkursionen mit allen Eintritten, die Fahrkarte von Palenque nach Flores/Guatemala (9 Stunden in Bus und Boot) haben mich knapp 600 sFr. gekostet.

Tikal in Guatemala, das ich am Freitag, 13.1.06 besuche, stellt alles in den Schatten, was ich bisher an Mayastaetten gesehen habe. 5 Stunden humple ich im Urwald herum und kann mich nicht satt sehen, komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nur 15% der einstigen Anlage ist ausgegraben, 21 km2 hat sie einst bedeckt. Das war die Reichsstadt der klassischen Periode. Neben den grandiosen Bauwerken, z.B. einer einzigartigen Dreifach-Ballspielanlage, beeindruckt die Wasserversorgung der Stadt mit Reservoiren, die biologische Filtration aufwiesen und zur Vermeidung von Verdunstung mit Palmblaettern bedeckt waren. Eine Stadt aehnlichen Zuschnitts in Yucatan, Calakmul, werde ich auf einer meiner naechsten Reisen besuchen, das habe ich mir vorgenommen.

Tikal liegt eingebettet in einen Nationalpark, der auch eine einzigartige Fauna und Flora aufweist. Es ist der einzige Ort auf der Erde, der von der UNESCO gleichzeitig als Weltnatur- und Weltkulturerbe ausgezeichnet worden ist.

Nach einem Ruhetag am lieblichen Gestade des Lago Peten Itza fliege ich morgen Sonntag, 15.1.06 weiter nach Guatemala City und Antigua Guatemala, von wo ich meine beiden naechsten Ziele, den Atitlan-See und den Marktflecken Chichicastenango zu besuchen gedenke.

Auf bald! Hasta la proxima!

Ueli

 

16.01.2006 um 17:10 Uhr

Reisebericht 3: In Mexico an Kuba denken...

In Mexico an Kuba denken...

 

Die Hauptstadt Mexico D.F., wenigstens der Teil, den ich kenne, ist eine faszinierende, trotz des immensen Ver-kehrs gut funktionierende Stadt. Die Tausenden von Haend-lern, die die Strassenraender und Trottoirs des Centro Historico bevoelkern und jeden Morgen ihre Staende auf-bauen, um sie abends wieder abzubauen, die Ware in grossen Saecken verstauen, sie dann auf Handkarren abtransportieren um alles am naechsten Tag wieder aufzu-stellen, die unzaehligen Taxis und Busse, die ueberall prae-senten Polizisten und Angehoerigen der Sicherheitsdienste, die Verkaeuferinnen, die taeglich die Trottoirs vor ihren Geschaeften fegen, die Marktschreier vor den Einkaufs-zentren, die unzaehligen Garstaende, das ist der Hintergrund, vor dem das hauptstaedtische Gewimmel auf den Strassen ablaeuft.

Waehrend in Kuba die Polizisten als meist grosse, schlanke Kerle afrikanischen Zuschnitts in enganliegenden Uniformen mit hohen Stiefeln und Sonnenbrillen auffallen, beeindrucken die kleinen, gedrungenen, in schlabbrigen Overalls steckenden mexikanischen Polizisten mit grossen Schlagstoecken, Helm, Schild und Kurzgewehr. Oder es dominiert die Freude des Lateinamerikaners an theatra-lischen Uniformen mit weissen Guerteln und Halftern, Gold-tressen und imposanten Muetzen. Fuer diese Art von Polizisten sind die Pfeife und deren intensiver Gebrauch sowie das ungnaedige Vorbeiwinken die hervorstechendsten Merkmale.

Auch in der Art, wie man das Fruehstueck einnimmt, zeigt sich eine soziale Schichtung. Waehrend der einfache Mann auf der Strasse an einem Stand stehend seinen Kaffee schluerft und seine Tortilla verdrueckt, nimmt der Mittel-staendler, der Angestellte, die Sekretaerin das desayuno im Café, oft zeitungslesend, ein. Zeitungsstaende und eine Vielzahl von Presseerzeugnissen, wie sie auf den Strassen Mexicos ueblich sind, sind in Kuba undenkbar, eine Kaffee-haus-Kultur existiert dort nicht.

Die grossen Busbahnhoefe, die weiter entfernte Staedte Mexicos mit puenktlich verkehrenden, schnellen, bequemen und guenstigen Reisebussen verbinden und von unzaehligen Mexikanern benuetzt werden, sind in Kuba praktisch den Touristen vorbehalten, weil fuer Kubaner unerschwinglich.

Waehrend in Kuba die Grundlage der meisten Drinks Rum, Zucker und Limonensaft ist, wird hier in Mexico natuerlich Tequila verwendet, auch im café mexicano, der eine Variante des Irish Coffee darstellt. Die “Chelada”, mein Lieblingsgetraenk nach einem heissen und anstrengenden Tag, ist eigentlich eine ganze Mahlzeit. Auf den Rand eines Bierglases wird mit Limonensaft Salz aufgebracht, Limonen-stuecke, –saft und Eis zum Bier gegeben: Das Eis kuehlt, das Bier naehrt, der Limonensaft liefert die Vitamine und das Salz gleicht den Salzverlust aus. Ein Glas genuegt, um den groessten Durst zu stillen.

In vielen Parfumerien Mexicos kann man sich fuer wenig Geld aus Hunderten von Duftessenzen sein eigenes Parfum zusammenstellen lassen. Selbstverstaendlich kann man sich auch die Duefte saemtlicher gaengiger Marken-parfums zumischen lassen. Nach einem Monat Leben in der Mangelwirtschaft Kubas ist natuerlich das Schlendern durch die Einkaufsstrassen Mexicos, der Aufenthalt etwa in einer grossen Apotheke beispielsweise, ein besonderer Genuss, vor allem, wenn man den Spaziergang mit einer Chelada im Café de Tacuba abzuschliessen vermag.

Am Sonntag, 9.1.06 sagte ich Mexico D.F. adieu, flog nach Villahermosa, der Hauptstadt des Staates Tabasco, und erreichte am Nachmittag mit dem Ueberlandbus Palenque im Staat Chiapas.

07.01.2006 um 22:57 Uhr

Von Cuba nach Mexico

Reisebericht 2 vom 7.1.06

Von Havanna nach Mexico DF

 

Am 4.1.06 flog ich nach einem vierwoechigen Aufenthalt in Kuba nach Mexico DF weiter, das ich von einer frueheren Reise ja kannte. Vier Tage goennte ich mir hier in altbekannter Umgebung, um die vielen neuen Eindruecke von Havanna zu verarbeiten (wovon ich spaeter noch zu berichten gedenke) und meine Weiterreise zu planen.

Morgen, also am 8.1.06, fliege ich nach Villahermosa, nehme dort den Bus und erreiche am spaeten Nachmittag mein Hotel in Palenque, der wohl beruehmtesten Mayastadt Mexicos. Was sich hier so leicht schreiben laesst, war in Wahrheit eine richtige Anstrengung, wenn auch vergnueglicher Art, die mich an fruehere Taetikeiten fuer meine Schule erinnerten, ohne diese Zeiten im Ernst zu vermissen. Reisemoeglichkeiten abklaeren, Zeitplan erstellen, Flug buchen, Busticket von Villahermosa nach Palenque im Internet kaufen, Hotel per Fax reservieren und Anzahlung ueber Internet leisten, das Programm fuer vier Tage Palenque planen und an die Weiterreise nach Guatemala per Boot denken: Das hat mich genuegend in Anspruch genommen, mir aber auch Freude bereitet.

Das erneute Durchstreifen des Centro historico hier in Mexico DF, der Besuch bevorzugter Lokale, wie etwa das umwerfende Cafe de Tacuba, das jedes Wiener Kaffeehaus in den Schatten stellt, oder das Restaurant Mexico viejo, wo die Chiles toreados so scharf sind, dass die Traenen nur so kullern und man das Feuer in Feuerland zu spueren vermeint, sich danach aber wohlige Ruhe im Verdauungstrakt ausbreitet, das macht Spass und motiviert zu weiteren Spaziergaengen, auch wenn man sich nachts nicht mehr weit vom Hotel entfernen mag.

Beim Gang durch die Strassen fallen einem natuerlich die zu Kuba unterschiedlichen Gesichtszuege der Menschen auf. Indianisches, ja gelegentlich fast asiatisch anmutendes Aussehen kontrastiert zum afrikanisch beeinflussten Menschenschlag Kubas und zeugt von einer unterschiedlich verlaufenen Frueh- und Kolonialgeschichte, ohne damit etwa gleich eine neue Rassentheorie aufstellen zu wollen. Beiden Laendern eignet ja aber auch gemeinsam die lateinisch-spanische Kultur und Sprache.

Dieses Jahr ist mir aber besonders das Fehlen einer hochentwickelten praekolumbianischen Kultur in Kuba  aufgefallen, wogegen die Leistungen der Tolteken, Olmeken, Azteken und Mayas integrierender Bestandteil des mexikanischen Nationalstolzes sind.

Wenn man hier diese Pyramiden mit den Tempeln auf der Spitze besucht und dann auf der Heimfahrt in der Ferne die von der Form her absolut vergleichbaren Vulkane erspaeht, wird man bald darauf kommen, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss. Wenn diese Vulkane Tod und Verderben ueber viele Menschen brachten, was lag naeher, als sie als Sitz der Goetter anzusehen, die mit Opfern, auch Menschenopfern zu besaenftigen waren. Und es kann als nicht allzu weit hergeholt angesehen werden, dass aus den Menschen, die sich auf das Lesen der goettlichen Zeichen verstanden, eine Priesterkaste entstand, die den Sitz der Goetter in Form von Pyramiden auch zum eigenen Vorteil naeher an die Menschen heran brachten und nun die Opfer forderten, die einst die Vulkanausbrueche gekostet hatten, um sie zu verhindern. Das astronomische, astrologische, technische und mathematische Wissen machte die Priester zu maechtigen Mittlern und erlaubte es, fuer die damalige Zeit ungeahnte Herrschaftsstrukturen zu errichten.

Es wuerde mich nicht wundern, auf Theorien zu stossen, die auch die aegyptischen Pyramiden mit dem afrikanischen Vulkanismus in Verbindung bringen. 

Wie schon angetoent, ist man als Individualtourist besonders auf gute Informationen angewiesen. Die Lebensweise hier in Lateinamerika erfordert viel Improvisation. Aber eine gute Improvisation ist, wie uns die Musiker lehrern, nur auf einer soliden, gesicherten Grundlage moeglich. Eine solche ueberaus reiche und verlaessliche Informationsquelle bilden fuer mich – neben den Auskuenften, die man im Land selbst einholt – die auf Englisch geschriebenen Reisebuecher von footprint, im vorliegenden Fall der Band „Central America & Mexico“. (siehe <www.footprintbooks.com>). Fuer die Erarbeitung der Reisegrundlagen, Transportmittel, Unterkunft, Verpflegung, Geld, Verbindungen, Sicherheit, sind sie fuer mich das Beste, was ich kenne, besser als „Lonely Planet“, das eine andere Zielgruppe anspricht. Natuerlich sind hier die kulturellen und historischen Belange sehr kurz und nicht sehr ansprechend dargestellt, aber der versierte Reisende verwendet hierfuer ohnehin Spezialliteratur.

Mit diesen paar Erlaeuterungen wollte ich Euch einladen, mich auf meiner Reise durch Mittelamerika zu begleiten. Dem Wunsch einiger Freunde, auch eine aktuelle Karte meiner Route zu erhalten, will ich nicht nachkommen. Ich moechte ja reisen und nicht meine ganze Zeit am PC verbringen. Auf Grund der angegebenen Orte laesst sich meine Route auf einer Internet-Karte leicht verfolgen, und ein bisschen Sucharbeit erhoeht die Spannung! Im Notfall verweise ich auf den Mittelschulatlas! Auch das Fotoproblem habe ich noch nicht befriedigend loesen koennen, es fehlt mir einfach die Zeit dazu! Vielleicht finde ich Zeit in Nicaragua oder Costa Rica, wenn ich mich an Traumstraenden von den Reisen zu den Mayas erhole!

Soviel sei gesagt: Morgen gehts weiter nach Palenque, dann mit dem Boot und Bus nach Flores-Guatemala,Tikal. Dann werden wir weiter sehen.

Inzwischen gruesse ich euch herzlich

Ueli