Reisebericht 9 - Nicaragua II - Im Herzen Nicaraguas
Nicaragua II - Im Herzen Nicaraguas
Als Standort fuer meine weiteren Exkursionen hatte ich mir Granada, die schoene Kolonialstadt am Ufer des Nicaragua-Sees ausgesucht. Hier machte ich Station im Hotel Alhambra, am Parque Central. Die Parkplaetze vor dem Hotel werden bewacht, ein nicht zu unterschaetzender Vorteil.
Das westliche Hochland mit seiner Vulkankette, angrenzend an den Pazifik und gepraegt von seinen beiden grossen Seen, dem Lago de Managua und dem Lago de Nicaragua, ist der Lebensnerv des Landes, das dreimal so gross wie die Schweiz ist. Hier lebt die Mehrzahl seiner 5,5 Mio Einwohner.
Granada ist eine malerische, geschaeftige und laute Stadt, ueberschwemmt von amerikanischen Touristen, die das Bild praegen. In diesen Tagen findet gerade ein Treffen amerikanischer Aerzte statt, die alle in ihren gruenen Operationskitteln in den Restaurants sitzen und im Park herumspazieren. Man kann sie von den Reinemachefrauen und den Strassenwischern kaum unterscheiden, da diese die gleiche gruene Oberbekleidung tragen.
Die zudringlichen Strassenverkaeufer, die Bettler, Verwahrlosten, Betrunkenen, Schuhputzerjungen und herumlungernden Jugendlichen, der unsaegliche Kitsch, der ueberall feilgeboten wird, laesst einen mit Sehnsucht an Antigua Guatemala zurueckdenken. Und man erinnert sich an Kuba, wo jedes herumlungernde Kind waehrend der Unterrichtszeit von der Polizei zur Schule gebracht wird und sich anschliessend Sozialdienste um die Eltern kuemmern. Die Stadt weist mehr Internetcafes als Kirchen und Museen auf, und ich kann mich kaum beherrschen, von diesen guenstigen Angeboten Gebrauch zu machen.
Ein Tagesausflug bringt mich nach San Jorge, dem Einschiffungsort fuer die Autofaehre zur beruehmten Vulkan-Doppelinsel Omotepe im Nicaragua-See. Doch die ganze Umgebung der Hafenanlagen macht einen sehr verwahrlosten Eindruck, herumlungerndes Volk, wartende Lastwagenchauffeure, schmierige Restaurants und nicht sehr freundliches Faehrpersonal. Es gelingt mir nicht, einen fixen Rueckfahrttermin in Erfahrung zu bringen. Vermutlich faehrt sie nur, wenn sie voll beladen ist, aber das ist mir zu unsicher, und um das Ganze auf oeffentliche Verkehrsmittel umzustellen, ist es zu spaet, die Informationen zu mager. Im benachbarten Ort Rivas finde ich dann immerhin ein Caf・und einen freundlichen Kellner, der mir eine gute Pizza serviert. Zurueckgekehrt in Granada muss ich mir sagen> Dieser Tag war fuer die Katz!
Den naehsten Tag verbringe ich an der Laguna de Apoyo, einem wunderschoenen Kratersee von etwa 1,2 km Durchmesser. Die Abhaenge des Kraters sind mit Baeumen und Bueschen dicht bewachsen. Vom Restaurant auf dem Aussichtspunkt El Mirador nahe Catarina geniesst man eine herrliche Aussicht auf den See, die Ebene dahinter und den Vulkan Mombacho. Starke Windboeen lassen mich im Restaurant verharren und die Zeit schreibend und betrachtend verbringen. Nur die penetrant vorbeiklimpernden und Obolus erheischenden Musikanten nerven. Wuerzige Rindsfiletstuecke a la plancha, rauchend und brutzelnd dargebracht auf einer heissen Eisenplatte, versoehnen mit dem aufdringlichen Getue der Ramschverkaeufer, die einen auch im Restaurant nicht in Ruhe lassen.
Ein laengerer Spaziergang anderntags vorbei an der Kirche Guadelupe zum Hafen bietet leider ausser einem huebschen Hafengebaeude, das nur Passagiere betreten duerfen, das gleiche verwahrloste Bild wie in San Jorge. Abends wird gepackt, da ich am folgenden Tag, Freitag den 27.1.06, in einer kleinen fliegenden Kiste nach San Jose/Costa Rica fliege. Fuer dort habe ich etwas ganz Spezielles im Sinn.
Insgesamt hat mir Guatemala besser gefallen als Nicaragua, aber das mag ein sehr subjektiver Eindruck sein. Und ich habe natuerlich die grossen Regenwaelder der Tiefebene der atlantischen Region und die karibische Kueste nicht gesehen. In meinem Kopf haengen bleibt mir aber ein Projekt fuer spaetere Tage, eine Bootsreise von Leon Viejo durch den Managuasee zum Rio Tipitapa in den Nicaraguasee und weiter auf dem Rio San Juan zur karibischen Kueste, ein Fluss- und Seeweg, den auch die spanischen Eroberer einst benuetzt haben.
