Weblog von Ueli

13.12.2006 um 23:42 Uhr

Frauen und KInder in Kuba

Reisebericht vom 12.12.06Frauen und Kinder in KubaFuer unsere kleine Familie, die eben erst gegruendet worden ist, neigt sich aus hiesiger Sicht eine Woche welthistorischer Bedeutung ihrem Ende zu. Nicht nur wurde der fuenfzigste Jahrestag der Landung Fidel Castros in Kuba und seines achzigsten Geburtstags mit pompoesen Feierlichkeiten begangen, wir haben auch geheiratet, und Yaqui hat ihren neunmonatigen Kurs fuer italienische Kueche mit einem Diplom der Federación de Asociaciones Culinarias de la República de Cuba mit grossem Erfolg abgeschlossen. Noch nie habe ich eine Frau gesehen, die mit so viel Freude und Begeisterung sich auf eine Pruefung vorbereitet hat. Noch am Vorabend stand sie singend in der Kueche und klapperte mit Pfannen und Toepfen, um gewisse Vorarbeiten zu erledigen. Ihr Pruefungsgericht, Filet Mignon à l’italienne, begleitet von Gemuese und von mit Kaese gefuellten Kartoffelkroquetten, muss anhand der Fotos hoechstes Lob errungen haben. Gestern nun hat hat sie auch noch die Fuehrerpruefung fuer Autos erfolgreich abgeschlossen. Was das bedeutet, kann nur jemand ermessen, der die Transportprobleme in Kuba kennt. Fuer Yaqui war dieser Erfolg besonders bewegend, weil ja ihre von ihr ueber alles geliebte Mutter, die leider vor fuenf Jahren gestorben ist, als Taxichauffeuse gearbeitet hatte. Ein unheimlicher Aufwand an Zeit und Nerven war auch noetig, um alle Formalitaeten fuer Heirat und Uebersiedlung in die richtigen Wege zu leiten. Wenn man es selbst erfahren hat, dass hier ein Gang zur Behoerde oder zur Bank nicht unter einem halben Tag zu schaffen ist, die einzelnen Behoerden meilenweit auseinanderliegen und oft mehrere Gaenge noetig sind, dann kann man nur Respekt haben vor der Tatkraft  dieser jungen kubanischen Frau, die ja daneben noch ihren Haushalt betreut und Sohn, Bruder und Hund umsorgt.Laesst man sich im Strassenkaffee des Hotels Telégrafo Zeit, den vorbeigehenden Menschen etwas zuzusehen, fallen einem bald Unterschiede zu den Menschen in Europa und in der Schweiz auf. Alle Schattierungen von Hautfarben sind hier anzutreffen, ein Ergebnis der Bevoelkerungszusamensetzung aus Weiss, Schwarz, Rot und Gelb. Besonders auffaellig ist der hohe Anteil von grossen, schlanken, oft sehr eleganten jungen Frauen. Ihr Selbstbewusstsein und ihr Stolz ist sprichwoertlich, ihre Bildung ueberdurchschnittlich, ohne aber arrogant oder abweisend zu wirken wie oft in Europa. Die Vorbilder von Celia Sánchez und Haydee Santamaria und anderer Revolutionaerinnen der ersten Stunde haben die Stellung der Frau in der Gesellschaft aufgewertet. Wenn man sich die vielen griesgraemigen, muerrischen, abweisenden und gehetzten Gesichter im Alltag von Zuerich vorstellt, fuehlt man sich bei diesen offenen, warmen Menschen wohl. Man hat nicht den Eindruck, dass diese Menschen mehr als bei uns von Sorgen geplagt sind, obwohl der oekonomische Zusammenbruch hier so sicher wie das Amen in der Kirche eines Tages kommen wird. Die Frauen bringen ihre gute Figur gerne zur Geltung, kleiden sich farbig, koerperbetont, aber geschmackvoll. Die Kleidung ist immer sehr sauber. Zwar wird den Frauen immer noch meist die Hauptlast an der Haushaltfuehrung und der Kindererziehung aufgebuerdet, obwohl die meisten daneben noch berufstaetig sind. Viele sind alleinerziehende Muetter. Die kubanischen Frauen sind sehr haeuslich und familienbezogen. Gerne besuchen sich die Frauen gegenseitig, um den neusten Klatsch auszutauschen, aber auch, um sich gegenseitig zu helfen. Bei Familienfesten bilden die Frauen meist in der Kueche eine Gruppe, waehrend die Maenner vor dem Fernseher rauchen, Rum trinken und Domino spielen. Man begegnet hier den Frauen gegenueber allgemein mit sehr viel Respekt und Hoeflichkeit. Letzlich haben sie hier in Kuba das Sagen, und man munkelt, dass ohne die Frauen Fidel laengst abgewaehlt worden waere.  Besonders interessant ist es etwa, auf der Plaza de San Francisco de Asis Fotoaufnahmen von Modellen fuer Brautkleider oder im Garten des Hotels Nacional de Cuba Modeschauen und Filmaufnahmen zu folgen. Was hier an atemberaubenden tropischen Schoenheiten gelegentlich zusammenkommt, kann einen Mann schon oft nicht gleichgueltig lassen. Besonders gut kommen die Figuren der Kubanerinnen, ihre Tanz- und Sinnenfreude unter den langbeinigen Taenzerinnen des weltbekannten Cabarets „Tropicana“ zur Geltung. Hier hat auch einmal die Tante von Yaqui waehrend ihres Studiums zur Primarlehrerin gearbeitet. Viele aeltere Frauen aber, und vor allem die mit starken afrikanischen Wurzeln, nehmen mit dem Aelterwerden ein matronenhaftes Aussehen an, was vielleicht doch mit der einseitigen Ernaehrung hier in Kuba zu tun haben koennte.In vielen Fremdenfuehren wird ueber die Zunahme der Prostitution berichtet. Tatsaechlich foerdert natuerlich die oekonomische Lage und der auf wenige Zentren konzentrierte Massentourismus diese Erscheinung, wobei der Sextourismus von Frauen, die ein Abenteuer suchen, immer groesser wird. Der kubanische Staat versucht mit vielen Massnahmen, dem einen Riegel zu schieben. So werden z.B. Hotelaufenthalte von nicht verheirateten Paaren von kubanischen und auslaendischen Partnern, auch in den casas particulares, nicht geduldet. Kubanische Frauen, die sich mit Auslaendern auf den Strassen bewegen, werden oft durch staendige Ueberpruefung der Personalien schikaniert. Aber die kubanischen Polizisten muessen ein Auge dafuer haben, wer in Frage kommt. Jedenfalls wurde Yaqui mit mir zusammen aeusserst selten kontrolliert, und ich kann auf meinen Spaziergaengen durch die Stadt keine Prostituiertenszene wie in Zuerich erkennen, und ich werde auch nicht angesprochen. Es scheint, dass ich mich von dieser Szene zu weit weg befinde, um Abnormales festzustellen. Allerdings koennte ich mir vorstellen, dass vielleicht in Hotels mit Schmiergeldern gearbeitet wird, doch sichtbar, auf den Strassen von Havanna, ist fuer mich die Prostitution nicht. Die Kubaner sind sehr kinderfreundlich. Sie gehen sehr liebevoll und grosszuegig mit ihnen um. Es faellt auf, dass man selten ein Kleinkind schreien hoert, ganz im Gegensatz etwa zur Schweiz, wo an allen Ecken und Enden losgebruellt wird. Ich bin ueberzeugt dass das mit der Waerme und Innigkeit der Beziehungen zu tun hat. Die kubanischen Kinder sind immer sehr wohlbehuetet, gut angezogen und adrett hergerichtet. In der Schule traegt man nach Altersgruppe verschiedene Uniformen, die kleinen Maedchen weinrote Traegerroeckchen, die Primarschuelerinnen gelbe Jupes mit weissen Blusen, und die Oberstufenschuelerinnen eine Mischung zwischen braunen Shorts und Minirock, die sehr elegant und fraulich wirken. Die Knaben tragen lange Hosen und weisse Hemden. Richard muss seine Schuluniform taeglich selbst glaetten. Ich bin ueberzeugt, dass diese Uniformen dazu beitragen, dass man hier von keinen solchen Scheusslichkeiten hoert, wie sie letzhin in der Schweiz vorgekommen sind. Ein Kind in Schuluniform hat keinen Zutritt in Restaurants, Richard muss sich erst zu Hause umziehen, bevor er uns nach der Schule auswaerts treffen kann. Wird ein Kind zur Unterrichtszeit ausserhalb der Schule angetroffen, wird es durch die Polizei zur Schule gebracht und die Eltern werden informiert. Fehlt ein Kind krankheitshalber, geht die Schuldirektorin persoenlich alle paar Tage im Elternhaus vorbei, um sich zu erkundigen und mit den Eltern zu reden. Hier koennten diese ignoranten Altachtundsechziger in unseren Schulbehoerden augenfaellig sehen, was sie unseren Schulkindern in der Schweiz durch ein allzu larges Absenzenwesen und andere Disziplinlosigkeiten auf dem Buckel der Steuerzahler angetan haben.  

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