Weblog von Ueli

09.12.2006 um 00:16 Uhr

Gluecklich verheiratet

Reisebericht vom 7.12.06. Gluecklich verheiratet! Jaqueline Marty Luis und ich haben am 5.12.06 in Havanna geheiratet. Damit hat eine 5-jaehrige Beziehung, die sich immer mehr vertieft hatte, ihren vorlaeufigen Hoehepunkt gefunden. Nicht nur zu ihr, sondern auch zum kubanischen Menschen, zu dieser wunderbaren Insel, von der schon Kolumbus gesagt hatte, dass er nie etwas Schoeneres gesehen haette, zu ihrer Geschichte und Kultur, ihrer Musik, ihren Legenden  und ihren Genuessen hatte mich bald eine tiefe Liebe erfasst und in ihren Bann geschlagen. Allen, die uns ihre Glueckwuensche uebermittelt haben, moechten wir ganz herzlich danke sagen.Die Monate vor unserer Hochzeit waren gekennzeichnet durch eine schier perverse Hetze nach Bewilligungen, Nachweisen, Bestaetigungen und Beglaubigungen und der Furcht, im Eifer des Gefechts irgend etwas  uebersehen zu haben. Man kann ja durchaus begreifen, dass der kubanische Staat sicher gehen will, dass sich da nicht irgend jemand einer seiner Buergerinnen naehern will, der bereits verheiratet ist. Aber wie das in der Praxis fuer den Betroffenen aussieht, das ist nicht nur galoppierender Masochismus, das grenzt an Beamtenwahnsinn, den wir mit unseren Steuergeldern noch bezahlen. Es genuegt nicht, einen unterschriebenen Auszug aus dem Scheidungsurteil des Bezirksgerichts Bremgarten vorzulegen, oder der Aussage einer vereidigten Zivilstandsbeamtin zu vertrauen, dass man geschieden sei, nein, dieses Scheidungsurteil muss durch das aargauische Obergericht, dieses wiederum durch das kantonale Passbuero ueberbeglaubigt werden, worauf dann durch ein offizielles Uebersetzungsbuero eine spanische Uebersetzung angefertigt werden muss, die zuerst vom Stadtammannamt, dann auch noch vom Bezirksamt in Aarau ueberueberueberbeglaubigt werden muss. Nun geht man wieder zum kantonalen Passbuero, das nun nicht nur die Uebersetzung, sondern auch die Beglaubigungen der Aarauer Behoerdern ueberbeglaubigt, wobei jeder Stempel separat verrechnet wird. Nun loest man eine Fahrkarte nach Bern und sucht die kubanische Botschaft auf. Diese erteilt nun die Ueberueberueberueberbeglaubigung, wobei jeder Stempel sFr. 200.-- kostet. Da nun aber die Schweizer Behoerden, insbesondere aber die Schweizer Botschaft in Havanna, durchaus sich widersprechende Angaben zu den verlangten Dokumenten machen, die kubanische Botschaft am Schluss weniger verlangt als die schweizerischen Informationsblaetter angeben, ist man bis zuletzt unsicher, ob man wirklich getraut wird. Franz Kafka oder der Autor des „Totenschiffs“, B. Traven, haben sich wohl in den kuehnsten Fantasien nicht solchen Schwachsinn vorstellen koennen. Selbstverstaendlich ist keiner der beteiligten Beamten daran schuld, die tun ja nur ihre Pflicht. Da hilft nur, kraeftig darauf hinzuarbeiten, dass solche Beamtenstellen abgeschafft werden.Haelt man sich vor Augen, dass ich fuer eine schlichte Trauungszeremonie von 15 Minuten, stunden-, tage-, wochen-, ja monatelang herumgeseckelt bin, muss man darueber froh sein, dass man bereits weisse Haare hat, weisser koennen sie nicht mehr werden. Waehrend fuer mich dieser Marathon nun doch noch seinen Abschluss gefunden hat, geht er fuer Yaqui unvermindert weiter, denn sie braucht nun noch die Ausreisebewilligung fuer sich und ihren Sohn aus Kuba und die Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Natuerlich feht auch noch die Anerkennung der Ehe durch die Schweiz. Ich kann es keinem verdenken, der in einer aehnlichen Situation irgend einmal die ketzerische Frage stellt, ob wir eigentlich fuer die Beamten da sind oder sie fuer uns.. In kleinem Kreis, nur die engsten Freunde und Verwandten, feierten wir anschliessend im wundervollen tropischen Restaurant „El Ajibe“ im Villenquartier Miramar unsere Verbindung. Man hatte uns die VIP-Lounge, auf gut schweizerisch „das Saeli“, zur Verfuegung gestellt mit spezieller Bedienung. Yaqui hatte sich fuer das Nationalgericht Kubas entschieden: Apero mit dem guten kubanischen Bier „Buccanero“, gebratenes Huhn, weisser Reis, gebratene Kartoffeln, wunderbare schwarze Bohnen, eine wohlschmeckende helle Sauce und Salat; spanischer Weiss- und Rotwein aus dem riesigen Weinkeller, Eis, schwarzer kubanischer Kaffee und der unvermeidliche Rum. Spaeter liessen wir den Abend ausklingen in der Bar Monserrate bei mitreissender kubanischer Volksmusik. Hier zeigten nun unsere Gaeste im Blitzlichtgewitter anwesender Touristen, was kubanisches Tanzvergnuegen und elementarer afrokubanischer Rhythmus ist. In einigen Tagen werden wir uns in einem schoenen Hotel in Santa Clara, der Stadt Ché Guevaras, von den Anstrengungen etwas erholen.   

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