Weblog von Ueli

07.02.2006 um 23:39 Uhr

Reisebericht 13: Am Panama-Kanal

Am Panamakanal

 

Ja, liebe Freunde, ein weiterer meiner Jugendtraeume ist in Erfuellung gegangen. Am Schluss meiner diesjaehrigen Reise durch die Laender Mittelamerikas sah ich den Panama-Kanal, dieses technische Weltwunder der neuen Zeit, ja, ich konnte ihn sogar ein Stueck weit befahren.

 

Schon als kleiner Schueler faszinierten mich der Bau der Gotthardbahn und die Werke Konrad Eschers von der Lindt, spaeter die Kraftwerke Oberhasli mit den Grimsel-Stauseen, das Kanalsystem der Franzosen und dann die grossartigen Wasserbauwerke der Hollaender. All dies konnte ich mit meinen Eltern besuchen. Ich bewunderte die hohe Ingenieurskunst und begeisterte mich an den Vorteilen, die weitblickende und kuehne Maenner den Menschen gebracht hatten. Ich traeumte davon, einmal in meinem Leben den Panama-Kanal zu sehen.

 

Als ich dann auf der Terrasse des Besucherzentrums stehend auf die Schleusen von Miraflores hinunterblicken konnte, als ich sah, wie die majestaetisch daherkommenden Ozeanriesen von kleinen Elektrolokomotiven in die Schleusenkammern herein- und wieder hinausbugsiert und auf Position gehalten wurden, da ergriff mich ein “menschliches Ruehren”, und ich dachte auch an die vielen Tausend Opfer, die dieses Werk gekostet hatte.

 

Vieles aus der Geschichte des Kanals war mir schon bekannt, und ich hatte von den fruehesten Plaenen der Spanier, der Franzosen und Amerikaner gelesen, ja selbst die Vorschlaege Alexander von Humboldts aus dem beginnenden 19. Jh. zum Durchstich der mittelamerikanischen Landbruecke hatte ich studiert. Es war ja nicht zum Vorneherein gegeben gewesen, dass der Durchstich in Panama, ein Land, das es als Nation damals noch gar nicht gab, erfolgen sollte. Auch der Isthmus von Tehuantepec in Mexico oder die alte Invasionsroute der Spanier ueber die Seen Nicaraguas galten als pruefenswert. Erst die geniale Idee der franzoesischen Ingenieure, einen Stausee auf dem Isthmus von Panama zu errichten und diesen durch gigantische Schleusen mit den beiden Ozeanen zu verbinden, dann aber auch das strategische Interesse der USA, legten den endgueltigen Verlauf fest.

 

Im Besucherzentrum legen verschiedene Ausstellungen Zeugnis ab vom unbeschreiblichen Aufwand an Menschen, Material, Geld, Ingenieurwissen und Fortschrittsglauben, von den unermesslichen Erdbewegungen und dem anfaenglich aussichtslosen Kampf gegen Malaria und Gelbfieber, die dieses Bauwerk erfordert hat. Eine hochinteressante Broschuere, versehen mit vielen historischen Aufnahmen, zeichnet die ganze Geschichte des Kanals bis in die heutige Zeit , wo der Kanal in die Haende Panamas uebergegangen ist, nach. Besondere Beachtung verdienen die Ausfuehrungen ueber die hydrologischen und naturschuetzerischen Massnahmen im Einzugsgebiet des Kanals, denn ohne Wasser kann er nicht betrieben werden. Ein Schleusvorgang allein benoetigt 100’000 Kubikmeter  Suesswasser.

 

Mein scherzweise geaeussertes Vorhaben, den Kanal breitseits zu durchschwimmen (192m an der schmalsten Stelle!), gab ich auf, nachdem ich erfahren hatte, dass es Krokodile gibt, und dass bereits 1928 der Amerikaner Richard Halliburton den Kanal  in sechs Tagen laengs durchschwommen hatte. Er entrichtete uebrigens die tiefste je bezahlte Passagegebuehr, musste er doch fuer seine 150 Pfund Koerpergewicht nur 36 Cent in US-Waehrung hinlegen. Die hoechste je entrichtete Passagegebuehr bezahlte uebrigens 1997 das Kreuzfahrtschiff “Rhapsodie of the Sea” mit 153’662,66 USD. Es gibt natuerlich unzaehlige solcher Rekorde fuer alles Moegliche. Fuer die groessten Schiffe  bleibt auf den Seiten der Schleusen oft nur 60cm Platz, allerdings schaffte der amerikanische Panzerkreuzer « New Jersey » die Durchfahrt auch mit nur 31cm Abstand zu den Seitenwaenden. Die Durchfahrt durch den 80km langen Kanal dauert normalerweise 8-10 Stunden, aber das amerikanische Marine-Luftkissenboot “Pegasus” schaffte es 1979 in 2 Std. 41 Min. Die ganze Passage mit allen Formalitaeten, mit Wartezeiten und Zu- und Wegfahrt benoetigt insgesamt um die 24 Stunden. 2004 passierten 14'035 Schiffe den Kanal. Er ist an 365 Tagen 24 Stunden geoeffnet. Wuerde man das gesamte Aushubmaterial des Kanals auf Gueterwagen aneinanderreihen, wuerde dieser Gueterzug viermal die Erde am Aequator  umfassen.

 

Nachdem ich noch die Bruecke “de las Americas” traversiert hatte, die den Kanalbeginn auf der Pazifikseite markiert, besuchte ich noch das historische Zentrum der Stadt mit schoenen kolonalen Gebaeuden um die Plaza Maior. Viele Quartiere gelten hier nachts als gefaehrlich, und so kam es mir sehr gelegen, die Broschuere ueber den Kanal in einem Zug bis nachts um zwei durchzulesen, ein aehnliches Erlebnis wie das eines kleinen Jungen, wenn er nachts unter der Bettdecke Karl May (damals, heute Harry Potter!) liest und vor Spannung nicht mehr aufhoeren mag. Das Kanalmuseum nahe bei der Kathedrale zeigt in einer reichen Vielfalt saemtliche Aspekte des Kanals, von der Bedeutung dieser Landenge schon in Urzeiten, ueber den camino Real der Spanier bis zum heutigen Betrieb. Der grandiose Schlusspunkt der Ausstellungen zeichnet die ueberschaeumende  Freude, den Patriotismus und den Stolz nach, als die Kanalzone am 1. Januar 2000 endlich in die Haende des panamesischen Volkes ueberging.

 

Zum Abschluss meiner Mittelamerika-Reise leistete ich mir noch einen Bootsausflug auf dem Kanal und den ihn umgebenden Gewaessern, der mir die Schoenheit und Vielfalt der Dschungel- und Inselwelt beidseits der Kanalroute naeherbrachte. Ich konnte Schildkroeten, Adler, Pelikane, Seeschlangen, Fische, Krokodile, und Affen beobachten und erfuhr von meinem Bootsfuehrer viele naturkundliche Details. Bald stellte sich heraus, dass er aus Kuba stammt. Wir plauderten natuerlich angeregt, und er freute sich sehr, dass ich auch seine Geburtsstadt Cienfuegos kenne. Er trug mir Gruesse an Verwandte und Freunde auf.

 

So hat sich auf wunderbare Weise der Kreis geschlossen: Ausgehend von Kuba habe ich die Laender Mittelamerikas bereist, und morgen gehe ich nach Kuba zurueck. Ich denke, dass ich in Kuba Zeit finde, noch einiges anzufuegen, was mir aus der Erinnerung an diese Reise erwaehnenswert erscheint.


Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.