Reisebericht 5: Antigua Guatemala
In Antigua Guatemala
In der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas, Antigua, der wohl bezauberndsten Kolonialstadt Mittelamerikas (jedes Land hier hat mindestens eine solche "schoenste" oder "aelteste" Kolonialstadt Lateinamerikas!), lebte ich fast eine Woche in zwei verschiedenen posadas, kleinen herzigen Familienhotels oder -herbergen, von denen es in Antigua unzaehlige gibt. Die von Vulkanen umgebene Stadt wurde beim furchtbaren Erdbeben von 1773 zugunsten von Guatemala City (etwa 40 km entfernt) aufgegeben und erst uim 19. Jh. wieder besiedelt.
Aber sie zeugt auch heute noch mit dem gewellten Kopfsteinpflaster, den farbigen, meist einstoeckigen Gebaeuden, die wunderschoene Innenhoefe in sich bergen, den unzaehligen Kirchen, Plaetzen und Brunnen, den Palaesten und der Universitaet vom Glanz einstiger Tage.
Die malerischen Restaurants in den praechtigen mit tropischen Pflanzen versehenen Innenhoefen, dasjenige z.B. von Doña Luisa, laden ein zur beschaulichen Einkehr. Die posada San Bernardin ist vollgestopft mit Antiquitaeten aus verlassenen Gebaeuden, ich schlafe in einem Eisenbett, das vermutlich aus dem ehemaligen Krankenasyl stammt und an dessen Gestaenge noch Verkrustungen des Erdbebens sichtbar sind.
Die Stadt ist von Hunderten von amerikanischen Studentinnen bevoelkert, die hier ihren Spanischkurs belegen und abends in Ricky's Bar oder im Cafe Condesa ihre ersten spanischen Sprachbrocken zum Besten geben.
Die Leute hier sind sehr freundlich, von bedaechtigem Habitus, geben gerne Auskunft, und alle sind sie mit einem Handy ausgeruestet, selbst die Grossmutter telefoniert staendig waehrend der Busfahrt. Unvorstellbar, wie das Leben frueher ohne Handy funktioniert hat!
Die Plaza Mayor ist der Treffpunkt fuer alle hier, und wenn man etwas erfahren will, geht man hieher, man kommt leicht ins Gespraech. Das Wasser des grandiosen Brunnens in der Mitte entspringt den in Stein gehauenen Bruesten junger Frauen. Die Wirkung der verschiedenen Erdbeben sieht man am besten an den Gewoelbeboegen der riesegen Kathedrale, von der nur noch ein allerdings immer noch beeindruckendes Querschiff fuer Gottesdienste benuezt werden kann. Die Kirche San Pedro, wo am Sonntagabend um 18 Uhr die Messe gelesen wird, ist uebervoll mit einheimischen Familien.
Das Leben hier in Antigua Guatemala ist malerisch, beschaulich und sehr guenstig, ausser den Wohnungen, wie man mir sagt. Ich koennte mir gut vorstellen, in dieser Stadt laenger zu leben.
