Von Cuba nach Mexico
Von Havanna nach Mexico DF
Am 4.1.06 flog ich nach einem vierwoechigen Aufenthalt in Kuba nach Mexico DF weiter, das ich von einer frueheren Reise ja kannte. Vier Tage goennte ich mir hier in altbekannter Umgebung, um die vielen neuen Eindruecke von Havanna zu verarbeiten (wovon ich spaeter noch zu berichten gedenke) und meine Weiterreise zu planen.
Morgen, also am 8.1.06, fliege ich nach Villahermosa, nehme dort den Bus und erreiche am spaeten Nachmittag mein Hotel in Palenque, der wohl beruehmtesten Mayastadt Mexicos. Was sich hier so leicht schreiben laesst, war in Wahrheit eine richtige Anstrengung, wenn auch vergnueglicher Art, die mich an fruehere Taetikeiten fuer meine Schule erinnerten, ohne diese Zeiten im Ernst zu vermissen. Reisemoeglichkeiten abklaeren, Zeitplan erstellen, Flug buchen, Busticket von Villahermosa nach Palenque im Internet kaufen, Hotel per Fax reservieren und Anzahlung ueber Internet leisten, das Programm fuer vier Tage Palenque planen und an die Weiterreise nach Guatemala per Boot denken: Das hat mich genuegend in Anspruch genommen, mir aber auch Freude bereitet.
Das erneute Durchstreifen des Centro historico hier in Mexico DF, der Besuch bevorzugter Lokale, wie etwa das umwerfende Cafe de Tacuba, das jedes Wiener Kaffeehaus in den Schatten stellt, oder das Restaurant Mexico viejo, wo die Chiles toreados so scharf sind, dass die Traenen nur so kullern und man das Feuer in Feuerland zu spueren vermeint, sich danach aber wohlige Ruhe im Verdauungstrakt ausbreitet, das macht Spass und motiviert zu weiteren Spaziergaengen, auch wenn man sich nachts nicht mehr weit vom Hotel entfernen mag.
Beim Gang durch die Strassen fallen einem natuerlich die zu Kuba unterschiedlichen Gesichtszuege der Menschen auf. Indianisches, ja gelegentlich fast asiatisch anmutendes Aussehen kontrastiert zum afrikanisch beeinflussten Menschenschlag Kubas und zeugt von einer unterschiedlich verlaufenen Frueh- und Kolonialgeschichte, ohne damit etwa gleich eine neue Rassentheorie aufstellen zu wollen. Beiden Laendern eignet ja aber auch gemeinsam die lateinisch-spanische Kultur und Sprache.
Dieses Jahr ist mir aber besonders das Fehlen einer hochentwickelten praekolumbianischen Kultur in Kuba aufgefallen, wogegen die Leistungen der Tolteken, Olmeken, Azteken und Mayas integrierender Bestandteil des mexikanischen Nationalstolzes sind.
Wenn man hier diese Pyramiden mit den Tempeln auf der Spitze besucht und dann auf der Heimfahrt in der Ferne die von der Form her absolut vergleichbaren Vulkane erspaeht, wird man bald darauf kommen, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss. Wenn diese Vulkane Tod und Verderben ueber viele Menschen brachten, was lag naeher, als sie als Sitz der Goetter anzusehen, die mit Opfern, auch Menschenopfern zu besaenftigen waren. Und es kann als nicht allzu weit hergeholt angesehen werden, dass aus den Menschen, die sich auf das Lesen der goettlichen Zeichen verstanden, eine Priesterkaste entstand, die den Sitz der Goetter in Form von Pyramiden auch zum eigenen Vorteil naeher an die Menschen heran brachten und nun die Opfer forderten, die einst die Vulkanausbrueche gekostet hatten, um sie zu verhindern. Das astronomische, astrologische, technische und mathematische Wissen machte die Priester zu maechtigen Mittlern und erlaubte es, fuer die damalige Zeit ungeahnte Herrschaftsstrukturen zu errichten.
Es wuerde mich nicht wundern, auf Theorien zu stossen, die auch die aegyptischen Pyramiden mit dem afrikanischen Vulkanismus in Verbindung bringen.
Wie schon angetoent, ist man als Individualtourist besonders auf gute Informationen angewiesen. Die Lebensweise hier in Lateinamerika erfordert viel Improvisation. Aber eine gute Improvisation ist, wie uns die Musiker lehrern, nur auf einer soliden, gesicherten Grundlage moeglich. Eine solche ueberaus reiche und verlaessliche Informationsquelle bilden fuer mich – neben den Auskuenften, die man im Land selbst einholt – die auf Englisch geschriebenen Reisebuecher von footprint, im vorliegenden Fall der Band „Central America & Mexico“. (siehe <www.footprintbooks.com>). Fuer die Erarbeitung der Reisegrundlagen, Transportmittel, Unterkunft, Verpflegung, Geld, Verbindungen, Sicherheit, sind sie fuer mich das Beste, was ich kenne, besser als „Lonely Planet“, das eine andere Zielgruppe anspricht. Natuerlich sind hier die kulturellen und historischen Belange sehr kurz und nicht sehr ansprechend dargestellt, aber der versierte Reisende verwendet hierfuer ohnehin Spezialliteratur.
Mit diesen paar Erlaeuterungen wollte ich Euch einladen, mich auf meiner Reise durch Mittelamerika zu begleiten. Dem Wunsch einiger Freunde, auch eine aktuelle Karte meiner Route zu erhalten, will ich nicht nachkommen. Ich moechte ja reisen und nicht meine ganze Zeit am PC verbringen. Auf Grund der angegebenen Orte laesst sich meine Route auf einer Internet-Karte leicht verfolgen, und ein bisschen Sucharbeit erhoeht die Spannung! Im Notfall verweise ich auf den Mittelschulatlas! Auch das Fotoproblem habe ich noch nicht befriedigend loesen koennen, es fehlt mir einfach die Zeit dazu! Vielleicht finde ich Zeit in Nicaragua oder Costa Rica, wenn ich mich an Traumstraenden von den Reisen zu den Mayas erhole!
Soviel sei gesagt: Morgen gehts weiter nach Palenque, dann mit dem Boot und Bus nach Flores-Guatemala,Tikal. Dann werden wir weiter sehen.
Inzwischen gruesse ich euch herzlich
Ueli
