Wiedersehen mit Havanna
Reisebericht vom 1. Dezember 2006-12-01 Wiedersehen mit Havanna Seit meinem letzten Aufenthalt hier sind nun doch schon acht Monate vergangen. Die Zeit in der Schweiz hatte ich genutzt, um – vergeblich – gegen die Verweigerung eines Touristenvisums für Enrique, den Bruder meiner Freundin Jaqueline, anzukämpfen.Borniertheit, Arroganz, unglaubliche Wissenslücken und behördliche Willkür hatten verhindert, dass die diplomatischen und die Migrationsbehörden in Havanna, Bern und Aarau in der Lage waren, den Freundschaftsbesuch eines aufrechten, loyalen und gesetzestreuen Kubaners, der verheiratet ist und einen Sohn betreut, der eine feste Arbeitsstelle innehat, dem der Erhalt seiner Stelle zugesichert worden war und der keinen Grund hatte, Kuba auf Dauer zu verlassen, zu unterscheiden von den illegalen Einwanderungen, dem illegalen Verbleiben in der Schweiz, das wir von Leuten aus Balkanstaaten und Afrika hinlaenglich kennen.Es ist in meinen Augen eine ganz grosse Sauerei, dass ich nicht mehr darueber befinden kann, wem ich Gastfreundschaft gewaehre und in mein Haus einlade, obschon ich wiederholt Garantien fuer die anstandslose Wiederausreise meines Gastes gegeben und dieser dasselbe mehrfach glaubhaft versichert hatte. Irgend eine blöde Amtsstelle masst sich hier Entscheidungsrechte an, und die gleiche Behoerde bringt es nicht fertig, im Asylantenwesen legale Zustaende herzustellen. Es muss fuer diese Beamten ungeheuer befriedigend sein, in ihrem Frust einem kleinen, unbescholtenen Kubaner, der seinen Freund in der Schweiz besuchen moechte und dessen Reise- und Aufenthaltskosten lückenlos gedeckt sind, das Visum zu verweigern. Wenn man nur ein Bisschen um sich schaut, sieht man, woher die Migrantenstroeme kommen. Ganz sicher nicht aus Kuba. Wer dort sein Land verlassen moechte, geht in die USA. Die ungeheuerliche Unverhaeltnis-maessigkeit dieser Verweigerung eines Touristenvisums und dann die grossgekotzten Begruendungen hierfuer, als ob es sich bei diesem einfachen kubanischen Buerger um einen Staatsfeind Nr. 1 handeln wuerde und die gesamte schweizerische Verfassung in Gefahr geriete, laesst einen nur noch mitleidig auflachen. Meine Einschaetzung darueber, was eine Bananenrepublik ist, hat sich demzufolge gewandelt. Mein Abstimmungsverhalten wird sich deshalb in Zukunft massiv veraendern. Doch hier in Kuba pulsiert das Leben weiter. In diesen Tagen finden die Feierlichkeiten zur fuenfzigsten Wiederkehr des desembarco, der seinerzeitigen Landung Fidel Castros mit seinen Getreuen auf der Granma im Osten Kubas, und seines achzigsten Geburtstags statt. In Havanna sind riesige Aufmaersche und Paraden geplant, Zeitungen und Fernsehen zeigen fast ununterbrochen historische Berichte und aeltere Filme. Man rechnet damit, dass Fidel nach seiner Krankheit die Regierungsgeschaefte jetzt wieder uebernehmen wird. Besondere Aktivitaeten finden vor der amerikanischen Botschaft statt. Viele Repraesentanten haben ihren Besuch angesagt, vor allem natuerlich Hugo Chavez. Letzte Woche fand ein riesiger Sportkongress statt.Das junge Paar, das uns aus der Schweiz besucht hat, musste durch erhoehte Hotelpreise darunter leiden. Doch davon naechstes Mal mehr. Euer Ueli
